Der Skandal um manipulierte Abgaswerte kommt offenbar nicht so überraschend wie gedacht. Die Grünen werfen der Bundesregierung vor, schon länger über die Tricks der Autokonzerne Bescheid zu wissen.
Abgas-Manipulation
Das war Winterkorns Entschuldigung im Wortlaut
Das Statement des VW-Chefs von Dienstag in voller Länge. Video
Im Juli habe die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen eingeräumt, dass die Messpraxis in Europa Defizite habe, sagte der Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer. "Dass Bundesverkehrsminister Dobrindt angesichts des VW-Abgas-Skandals nach Aufklärung schreit, ist bigott", kritisierte er in der Zeitung "Die Welt".
Der Antwort zufolge war der Bundesregierung bekannt, dass es sogenannte Abschalteinrichtungen mit Zykluserkennung bei der Abgasreinigung gibt. Die Software im Auto merkt demnach, ob ein Prüfzyklus oder der Normalbetrieb vorliegt. Im Prüfbetrieb werden die Abgase stärker, im Normalbetrieb schwächer gereinigt. Genau das wird VW nun in den USA vorgeworfen.
Manipulation erkannt, aber nicht gebannt
Über den Einsatz von "Abschalteinrichtungen" in Neuwagen lägen der Bundesregierung aber keine Erkenntnisse vor, wie es in der Antwort von 28. Juli 2015 weiter heißt, aus der "Die Welt" zitiert und die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Darin teilt die Bundesregierung "die Auffassung der Europäischen Kommission, dass das Konzept zur Verhinderung von Abschalteinrichtungen sich in der Praxis bislang nicht umfänglich bewährt hat". Daher würden die Arbeiten zur Fortentwicklung der EU-Regeln unterstützt, "die Realemissionen von Kraftfahrzeugen weiter zu senken". Umweltverbände vermuten, dass Autohersteller auch in Europa Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung einsetzen. Dem Vernehmen nach gibt es dafür aber keine Beweise.
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Für den Autofahrer ist es theoretisch eher von Vorteil, wenn die strenge Abgasreinigung abgeschaltet ist. Das Fahrzeug verbraucht dann etwas weniger und hat ein wenig mehr Leistung. Dafür ist der Ausstoß mancher Schadstoffe aber um das rund 30-fache erhöht.
