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VW-Abgas-Skandal: Vor diesem Mann sollte Volkswagen zittern

Streiter für Kundenrechte  

Der Mann, vor dem Volkswagen zittern sollte

19.04.2016, 16:20 Uhr | Daniel Jahn, AFP, t-online.de

VW-Abgas-Skandal: Vor diesem Mann sollte Volkswagen zittern. US-Anwalt Michael Hausfeld ist führend bei Sammelklagen gegen VW wegen des Abgas-Skandals. (Quelle: Reuters)

US-Anwalt Michael Hausfeld ist führend bei Sammelklagen gegen VW wegen des Abgas-Skandals. (Quelle: Reuters)

Seit bekannt wurde, dass Volkswagen die Abgaswerte seiner Autos manipuliert, hat der Autohersteller viele Kritiker. Allen voran betroffene Kunden, die um den Wiederverkaufswert ihrer Fahrzeuge bangen müssen. Einer der gefährlichsten Gegner dürfte aber der US-Anwalt Michael D. Hausfeld sein, ein brillanter Streiter für die Rechte der kleinen Kunden.

Hausfeld gehört zu den prominentesten und gefürchtetsten Anwälten der USA. In seiner langen Karriere hat sich der 70-Jährige schon mit vielen Großunternehmen angelegt - und immer wieder Milliardenbeträge für seine Mandanten erstritten. Sammelklagen sind eine seiner Spezialitäten.

Der schmächtige Mann mit der sanften Stimme und den geschliffenen Umgangsformen setzt Volkswagen auf beiden Seiten des Atlantiks unter Druck. In den USA ist er federführend an den Sammelklagen gegen den Konzern und den Verhandlungen über eine außergerichtliche Lösung beteiligt. Ein Richter in Kalifornien hat VW eine Frist bis zu diesem Donnerstag gesetzt, eine solche Vereinbarung zu erreichen. Ansonsten droht dem Konzern im Sommer ein Prozess.

In Deutschland gibt es Sammelklagen wie im US-Recht zwar nicht. Gleichwohl strebt Hausfeld auch hierzulande an, als Vertreter Tausender von Geschädigten gegen Volkswagen vorzugehen. Deshalb lässt er derzeit in großem Stil von seinem deutschen Büro in Berlin Mandanten registrieren.

VW ist für Hausfeld nicht zu sprechen

Eine direkte Kontaktaufnahme zur Konzernspitze ist dem Washingtoner Anwalt allerdings bislang nicht gelungen. "Wir hatten viele verschlossene Gegner. Aber keiner war jemals so arrogant", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Die Verweigerungshaltung der Wolfsburger spornt Hausfeld sicher nur zusätzlich an. Er, der sich auf der Kanzlei-Website brav alphabetisch in die Liste seiner Mitarbeiter einreiht, sieht sich mit der Konzernspitze auf Augenhöhe - schließlich streitet er seit Jahrzehnten mit Gegnern dieses Kalibers.

Milliarden-Summen für Geschädigte erstritten

Nach der Ölkatastrophe von Alaska im Jahr 1989 focht er mit Exxon Valdez und trug dazu bei, dass der Konzern eine Milliardensumme zahlen musste. Später rang er Texaco eine hohe Millionenentschädigung für Afroamerikaner ab, die von dem Ölkonzern am Arbeitsplatz diskriminiert worden waren. Auch mit Tabakkonzernen, Pharmaunternehmen und Großbanken hat Hausfeld gestritten.

In Deutschland ist er vor allem durch seinen Einsatz für NS-Opfer und ihre Hinterbliebenen bekannt geworden. Hausfeld verhandelte mit Schweizer Banken über die dort jahrzehntelang verwaisten Vermögen von Holocaust-Opfern und erwirkte eine Entschädigung von rund einer Milliarde Euro. Er vertrat die osteuropäischen Staaten in den Verhandlungen mit Bundesregierung und deutscher Industrie über die Entschädigung von Zwangsarbeitern, in denen eine Summe von 5,2 Milliarden Euro vereinbart wurde.

Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, Bürgerrechte, Verbraucherrechte, Kartellrecht - das sind die Schwerpunkte, die Hausfeld sich gesetzt hat. Seine Motivation wurzelt auch in seiner eigenen Geschichte. Sein Vater war ein polnischer Jude, der vor den Nazis in die USA geflüchtet war und in New York einen kleinen Pelzladen betrieb. Der Sohn wurde nach einem in Polen gebliebenen Bruder des Vaters benannt, der von den deutschen Besatzern ermordet wurde.

Erst seit acht Jahren selbstständig

Hausfeld studierte nicht an einer der berühmten Rechtsfakultäten des Landes, sondern an der George Washington University in der Hauptstadt. Sein herausragendes Talent wurde schon früh erkannt - kurz nach dem Studium wurde er Partner einer Kanzlei. Dort arbeitete er 37 Jahre, bevor er wegen eines internen Machtkampfs gefeuert wurde und vor acht Jahren seine eigene Firma gründete. Seither festigte er seinen Ruf, einer der brillantesten und hartgesottensten Anwälte des Landes zu sein.

Seine Berühmtheit scheint Hausfeld aber nicht viel zu bedeuten. Er ist nicht der Typus Staranwalt, der ständig das Licht der Öffentlichkeit sucht. Der Lebensstil des Vaters von drei erwachsenen Kindern, der seit fast 50 Jahren mit seiner Freundin aus Studienzeiten verheiratet ist, wurde in einem Porträt des "Playboy" als eher bescheiden beschrieben.

Das Magazin charakterisierte ihn als "Kreuzritter des Rechts", als Mann mit einer Mission. Sie besteht im Fall VW darin, gegen den mächtigen Konzern die Rechte des kleinen Kunden durchzusetzen.

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