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Chinesische Fracht-Airline will nicht auf den Hahn zurückkehren


Flughafen-Deal immer dubioser  

Chinesische Fracht-Airline will nicht auf den Hahn zurückkehren

08.06.2016, 14:44 Uhr | dpa, t-online.de

Chinesische Fracht-Airline will nicht auf den Hahn zurückkehren. Tower des Flughafens Hahn: Eine chinesische Fracht-Airline will nicht in den Hunsrück zurückkehren. (Quelle: Reuters)

Tower des Flughafens Hahn: Eine chinesische Fracht-Airline will nicht in den Hunsrück zurückkehren. (Quelle: Reuters)

Der Verkauf des defizitären Hunsrück-Flughafens Hahn nach China gibt immer mehr Rätsel auf. Der Investor SYT hatte verkündet, eine chinesische Fracht-Airline zurückzuholen, die den Flughafen früher einmal angeflogen hatte - doch die winkt ab.

Die Luftfrachtgesellschaft Yangtze River Express erklärte, sie habe keinerlei Pläne, den Hunsrück-Airport wieder anzufliegen. "Die Kundennachfrage war rückläufig, deswegen haben wir die Kooperation beendet", sagte Marketing-Manager Wang Bo auf Anfrage in Peking. Mit dem Rückzug der Airline 2015 war das Frachtgeschäft in Hahn eingebrochen.

Von dem chinesischen Unternehmen Shanghai Yiqian Trading (SYT), das den Flughafen kaufen will, oder dessen Generalbevollmächtigten Yu Tao Chou hat der Manager noch nie gehört.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium hielt inzwischen dagegen: SYT habe Erklärungen vorgelegt, nach denen Yangtze River Express nach diesem Deal an den Flughafen zurückkehren wolle. "Das letzte Schreiben datiert vom 20. Mai 2016 und ist von Herrn Zhong Peng, Präsident Cargo Business, Yangtze River Express, unterzeichnet", teilte das Ministerium in Mainz mit.

Investor ist auch als Pilot angestellt

Investor Chou hatte erklärt, nach der Übernahme des Flughafens das Frachtgeschäft ausbauen und Yangtze River Express wieder nach Hahn zurückholen zu wollen. Er gab an, als Cargo-Pilot für die Airline dorthin geflogen zu sein.

Der Leiter der Personalverwaltung der Gesellschaft, Yu Yang, kannte die Firma SYT auch nicht, bestätigte aber nach Prüfung der Akten, dass Chou als Pilot für Yangtze River Express geflogen und immer noch bei der Airline angestellt sei. Chou habe allerdings keinen chinesischen Pass, sondern sei Taiwanese. "Er ist weiter Pilot unserer Airline", sagte Yu Yang.

Trotz der neuen Fragezeichen hinter dem Käufer verhandelt das Land Hessen weiter planmäßig über den Verkauf seiner Anteile von 17,5 Prozent an dem Hunsrück-Airport. "Das beeinflusst uns nicht, es läuft alles nach Plan", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

Airline kennt Investor nicht

"Wir haben keine Pläne, wieder nach Hahn zu fliegen", betonte der leitende Marketing-Manager Wang Bo. "Ich habe niemals von dieser Firma SYT oder diesem Yu Tao Chou gehört." Die Firma ist seit dem 4. November 2013 mit einem registrierten Kapital von 500.000 Yuan, umgerechnet 67.000 Euro, in Shanghai registriert, scheint in China aber weitgehend unbekannt zu sein.

Nach Angaben des Käufers Chou wird er von der Shanghai Guo Qing Investment Co. mit Sitz in der ostchinesischen Hafenmetropole unterstützt. Es wurde der deutschen Seite als ein "führendes Unternehmen" in inländischen Bauprojekten beschrieben. Mehrere chinesische Branchenkenner in Shanghai, die auch im Flughafenbau tätig sind, hatten von der Firma allerdings noch nichts gehört.

Der Käufer gab ferner an, mit einer Guo Qing Qin Huang Island genannten Firma für Baumaterial und Transport zu kooperieren, die als Experte für Unternehmungen und Dienstleistungen im Flughafenbereich dargestellt wurde. Auch dieses Unternehmen war den Insidern nicht bekannt. Zudem waren im chinesischen Internet keine Informationen über diese Firma zu finden.

Noch mehr Fragezeichen

Beobachter in Peking wiesen darauf hin, es sei auffällig, dass die staatlich kontrollierten chinesischen Medien bislang nicht über den prominenten Deal berichtet hätten.

Bereits am Dienstag hatte die Chinesische Handelskammer in Deutschland erklärt, der Hahn-Käufer sei ihr nicht bekannt, die erwähnte Baufirma aber schon. Die rheinland-pfälzische CDU meldete deshalb Zweifel an der Seriosität des Investors an. SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte dagegen erklärt, sie halte den Käufer für seriös. Seine Sicherheiten seien überprüft worden.

Chancenlose "Landratspisten"

Regionalflughäfen wie Hahn werden auch als "Landratspisten" verhöhnt. Andere Beispiele sind Parchim, Memmingen oder Kassel-Calden, aber auch Zweibrücken oder Lübeck, die beide in die Insolvenz rutschten. Die kleinen Airports verfehlen regelmäßig ihre Ziele und häufen nur Verluste an. Hauptgrund: die zu große Nähe zu einem etablierten Flughafen.

Da sie aber teils auf Wunsch der Politik gebaut wurden, tun sich Landesregierungen mit ihrer Schließung schwer. Viele Airports, so auch Hahn oder Zweibrücken, wurden ursprünglich vom Militär eingerichtet, was die Kommerzialisierung zumindest nicht erleichtert. So firmiert Hahn zwar vollmundig als "Frankfurt Hahn", aber für die mehr als 110 Straßenkilometer Entfernung zum Rhein-Main-Airport müssen Autofahrer über eine Stunde Fahrzeit einplanen.

Im Fall des Hahn-Verkaufs stehen dem möglichen Erlös von vielleicht zehn Millionen Euro in den nächsten Jahren Hilfen von 70 Millionen Euro gegenüber - bezahlt aus Steuergeldern.

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