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VW-Aktionäre lassen ihrem Zorn freien Lauf

"Den Bock zum Gärtner gemacht"  

VW-Aktionäre lassen ihrem Zorn freien Lauf

22.06.2016, 15:17 Uhr | dpa, t-online.de

VW-Aktionäre lassen ihrem Zorn freien Lauf. Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratschef und Leiter der VW-Hauptversammlung, steht unter massiver Kritik.  (Quelle: dpa)

Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratschef und Leiter der VW-Hauptversammlung, steht unter massiver Kritik. (Quelle: dpa)

Es wurde geschimpft und gebrüllt auf der Hauptversammlung von Volkswagen in Hannover. Die Wut der Aktionäre hat vor allem den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch getroffen. Das Trommelfeuer der kritischen Anteilseigner blieb aber wirkungslos.

Dem amtierenden Aufsichtsratschef und ehemaligen VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch schlug von Anfang an harter Gegenwind entgegen. Noch vor Beginn der Aussprache der Aktionäre wurden Forderungen laut, Pötsch sowohl die Leitung der Versammlung als auch dessen Platz im obersten Kontrollgremium zu entziehen.

Aktionär will Pötsch keine Ruhe lassen

"Der Bock soll hier unseren Garten pflegen", sagte Aktionär Manfred Klein aus Saarbrücken. Pötsch habe als ehemaliger Vorstand eine Mitverantwortung an der Krise und sei ungeeignet, nun für dessen Aufklärung voranzutreiben. Pötsch werde keine Ruhe haben, bevor er das Podium nicht verlasse, brüllte der aufgebrachte Klein. Mit seiner Kritik war er nicht allein: Seine Mitstreiter bemängelten zudem, dass Pötsch ohne Abkühlungsphase vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt sei. Pötsch war im vergangenen Oktober zunächst per Gericht in das Gremium berufen worden. Seine Wahl erfolgte am Mittwoch nachträglich.

Erwartungsgemäß konnten sich die Kritiker aber bei der Abstimmung zur Abwahl von Pötsch als Versammlungsleiter nicht durchsetzen. Nur 0,02 Prozent - gleichbedeutend mit 45.463 Stammaktien stimmten für den Antrag. Mit Nein stimmten Eigner von 272.580.182 Inhaber-Aktien. Bei einer zweiten Abstimmungen waren sogar nur 0,01 Prozent gegen Pötsch.

"Erhebliche Erfahrungs- und Kompetenzlücken"

Aber mehr als 40 Aktionäre und Aktionärsschützer ließen auf der Hauptversammlung ihren oft gewaltigen Frust ab. "Wir sind der Ansicht, dass es im Aufsichtsrat erhebliche Erfahrungs- und Kompetenzlücken gibt, die geschlossen werden müssen", rügte Hans-Christoph Hirt vom Londoner Fonds Hermes. Die aktuelle Zusammensetzung sei höchst fragwürdig. Auch Pötsch als Vorsitzender werde von Hermes kritisch gesehen.

Alle Vertreter der unabhängigen Aktionäre gingen mit der Aufarbeitung des Skandals hart ins Gericht. Der Aktionärsschützer Ulrich Hocker (DSW) verglich die Geschwindigkeit, mit der die VW-Aktie fiel mit Bankaktien in der Finanzkrise. "Dieses Desaster liegt einzig und allein bei VW", betonte Hocker und äußerte Zweifel an der Finanzierbarkeit der ehrgeizigen Strategie für 2025.

"Volkswagen hat das Vertrauen der Investoren missbraucht. Es muss mit der Vergangenheit brechen", forderte ein Aktionär aus Brüssel weiter. Es ist der erwartete Sturm angelsächsischer Investoren gegen die Machtlosigkeit bei VW.

Kritische Stimmen ohne Gewicht

Wirklich unter Druck gerieten Vorstand und Aufsichtsrat trotzdem nicht, die Machtverhältnisse sind zu klar. 89 Prozent der Stimmrechte halten die VW-Gründerfamilien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar. Sie sind über den Aufsichtsrat eng in Firmenführung und Krisenmanagement eingebunden.

Erst am Mittwoch erneuerte das Aufsichtsgremium noch einmal seine Empfehlung an die Hauptversammlung, dem amtierenden VW-Vorstand die Entlastung zu erteilen und damit sein Vertrauen auszusprechen. Minderheiten- und Kleinaktionäre mögen schimpfen, ändern können sie wenig. Leider blieben auch fast alle ihre Fragen zu den laufenden Ermittlungen im Abgas-Skandal, der fraglichen Zukunft des Diesels und Carsharing unbeantwortet.

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