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VW-Konzern: Ex-Chef Martin Winterkorn droht der finanzielle Ruin

VW prüft Schadenersatz-Forderung  

Winterkorn droht der finanzielle Ruin

05.05.2018, 20:04 Uhr | t-online, nsc

VW-Konzern: Ex-Chef Martin Winterkorn droht der finanzielle Ruin. Der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Offenbar drohen ihm Schadenersatzforderungen von VW. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)

Der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Offenbar drohen ihm Schadenersatzforderungen von VW. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Der Volkswagen-Konzern plant offenbar, von seinem Ex-Chef Entschädigung für den Diesel-Skandal zu fordern. Martin Winterkorn könnte sein gesamtes Vermögen verlieren.

Dem früheren Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn droht offenbar der Verlust seines Vermögens. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) und beruft sich auf den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch.

Demnach prüft der Konzern, Winterkorn für den im Diesel-Skandal entstandenen Milliarden-Schaden haftbar zu machen. Deshalb habe der Aufsichtsrat recherchiert, wie viel Geld von Winterkorn gefordert werden könnte. Laut FAS behaupten "Kenner", Winterkorn sei "eine Milliarde Euro wert".

In 26 Jahren an die Konzernspitze

Winterkorn war 1981 als Assistent des Vorstands für Qualitätssicherung zu Audi gewechselt. Binnen eines Jahrzehnts wurde er dort Leiter der Qualitätssicherung. Im Jahr 1993 wechselte er zu Volkswagen als Leiter der Konzern-Qualitätssicherung. Im Juli 2000 wurde er Mitglied des Volkswagen-Vorstands und 2007 dessen Vorsitzender. Im September 2015 war Winterkorn wegen des Diesel-Skandals zurückgetreten.

Während seiner Zeit im Konzern soll Winterkorn mehr als 100 Millionen Euro verdient haben. Seine Pensionsansprüche sollen sich auf 30 Millionen Euro summieren. "Dieses Geld wäre im Extremfall komplett weg", zitiert die FAS den Berliner Rechtsprofessor Gregor Bachmann. "Durch die Klage in Amerika nimmt das Schicksal für Winterkorn eine dramatische Wendung."

US-Justiz erlässt Haftbefehl gegen Winterkorn

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass die US-amerikanische Justiz einen Haftbefehl gegen Winterkorn erlassen hat. Zuvor war gegen ihn in den USA Anklage erhoben worden. Winterkorn wird vorgeworfen, Mittäter im Diesel-Skandal gewesen zu sein. Konkret geht es um Betrug sowie Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze sowie um Täuschung der Behörden.

Eine Haftstrafe in den USA muss Winterkorn nicht fürchten. Deutschland liefert keine Staatsbürger aus. Das gelte auch für den Ex-VW-Chef bestätigte das Bundesjustizministerium. Dass die US-Behörden nun gegen Winterkorn vorgehen, dürfte keine direkten Folgen dafür haben, wie der Volkswagen-Konzern sich verhält. Doch der Druck steigt.

Wusste Winterkorn von der Betrugssoftware?

Die wichtigste Frage lautet: Wann erfuhr Winterkorn von der Betrugssoftware? Als er im September 2015 zurücktrat, sagte Winterkorn, er habe erst wenige Tage zuvor erfahren, dass in Volkswagen-Fahrzeugen eine Software eingebaut wurde, welche die Schadstoffemissionen auf dem Prüfstand reduziert. Winterkorn sprach damals von dem "Fehler einiger weniger".

Doch am Freitag berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR, dass ein VW-Manager Winterkorn bereits im Juli 2015 über die Software informiert habe. Auch habe er Winterkorn aufgefordert, den Vorgang aufzuklären und nicht darauf zu warten, dass die US-Behörden Volkswagen überführen.

Winterkorn müsste Unschuld beweisen

Doch selbst wenn Winterkorn keine Mittäterschaft bewiesen werden kann, muss er um sein Vermögen fürchten. Denn in Deutschland haften Manager nicht nur, wenn sie ihrem Unternehmen willentlich geschadet haben, sondern auch, wenn sie mit Kontrollmechanismen geschludert haben. 

Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte der Berliner Rechtsprofessor Gregor Bachmann, dass für eine sogenannte "Fahrlässige Pflichtverletzung" nicht nachgewiesen werden müsse, ob Winterkorn bei der Kontrolle versagt habe. Denn bei der sogenannten "Organhaftung" wird die Beweislast umgekehrt. So müsste Winterkorn beweisen, dass er alles getan habe, um die Regelverstöße zu erkennen und zu ahnden.

Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft auf "Ziellinie"

In Deutschland ermittelt unterdessen die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Winterkorn und 38 weitere Beschuldigte wegen des Diesel-Skandals. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte der FAS nun, dass die Anwälte der Beschuldigten im Sommer die Akten der Anklage einsehen können. "Wenn man sich die Ermittlungen, die im Dieselverfahren Vorgänge bei VW aus etwa zwölf Jahren aufklären sollen, als Marathonlauf vorstellt, beginnt damit quasi die Runde im Stadion mit Sicht auf die Ziellinie." 

Verwendete Quellen:
  • Mitteilung des US-Justizministeriums
  • Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
  • Recherche von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR
  • Kurzbiografie von Martin Winterkorn
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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