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Euro-Schuldenkrise: Rating-Agenturen in der Kritik


Euro-Schuldenkrise  

Rating-Agenturen unter Beschuss

20.07.2010, 13:18 Uhr | dpa, dpa-AFX, dpa-AFX, dpa

Euro-Schuldenkrise: Rating-Agenturen in der Kritik. Standard & Poor's ist einer der führenden Ratingagenturen (Foto: imago)

Standard & Poor's ist einer der führenden Ratingagenturen (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Ramschstatus für Griechenland, schlechtere Noten für Portugal und Spanien: Die Rating-Agenturen sorgen mitten in der Krise des Euro für Schocks an den Märkten. Nun geraten S&P, Moody's und Co. selbst unter Beschuss. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat davor gewarnt, Urteile von Rating-Agenturen zur Kreditwürdigkeit von Staatsschuldnern überzubewerten. Zugleich sprach er sich für mehr Wettbewerb auf dem Markt für Rating-Agenturen aus. Andere Kritiker wollen die Macht der Agenturen beschneiden.

Schäuble: Agenturen stärker kontrollieren

Kein Marktteilnehmer werde gehindert, solche Agenturen nicht so ernst zu nehmen, sagte Schäuble. Er sei für mehr Konkurrenz, das Bemühen um eine stärkere Vielfalt sollte fortgesetzt werden. Vielleicht sei der Ansatz wichtiger, Rating-Agenturen stärker zu kontrollieren, sagte Schäuble. Die schwarz-gelbe Koalition strebt nun schärfere Regeln für Rating-Agenturen an. Ein entsprechendes Gesetz soll nächste Woche vom Bundestag verabschiedet werden. Damit setzt Berlin EU-Vorgaben um. Diese zielen auf mehr Transparenz bei den Rating-Agenturen und die Vermeidung von Interessenkonflikten.

Krasse Fehlurteile der Agenturen vor der Finanzkrise

Schon seit längerem stehen die Rating-Agenturen in der Kritik. Es ist noch nicht einmal zwei Jahre her, als die drei Großen der Branche, Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch, wegen krasser Fehlurteile am Pranger standen. Schrottpapiere vom US-Hypothekenmarkt erhielten reihenweise die Bestnote "AAA" ("Triple A"), was Investoren in Scharen lockte - und letztlich Milliarden verbrannte. Genauso daneben lagen die Agenturen bisweilen mit der Bewertung von Banken, die wenig später zusammenbrachen.

Agenturen weisen Kritik zurück

Für Kritik sorgt heute vor allem das aktuelle Timing der Agenturen. Mit ihren miesen Noten hätten die Agenturen die Märkte zusätzlich verunsichert. Doch die gescholtenen Agenturen wehren sich: Schlechte Nachrichten dürften nicht mit Rücksicht auf die Politik zurückgehalten werden. "Wir müssen unsere Meinung kundtun, auch wenn es schmerzhaft für den Emittenten ist", sagt der Deutschland-Chef von Fitch Ratings, Jens Schmidt-Bürgel. Die Ratingmethoden seien "klar und transparent gerade im Rating von Ländern". Viele der Daten seien öffentlich zugänglich.

Vorwurf der Parteilichkeit

Kritiker bemängeln allerdings, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen von Banken, Unternehmen und Staaten (Ratings) Mathematik und was Meinung ist. Hartnäckig halten sich Vorwürfe der Parteilichkeit, weil die Agenturen bisweilen von den Unternehmen bezahlt werden, deren Kreditwürdigkeit sie beurteilen. Trotz ihres Versagens würden sie nicht zur Verantwortung für ihre Fehlurteile gezogen, praktisch bestehe ein Monopol der Agenturen ohne ausreichende Kontrolle, urteilen ihre schärfsten Kritiker. Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank fragt: "Wieso werden jetzt in der Erholung nur die Länder abgestraft, die nachhaltige Reformpolitik betreiben?" Er folgert: "Die Macht der Rating-Agenturen ist zu groß."

Anleihen: Käuferstreik droht

Volkswirte warnen zudem davor, die Schuldensünder in einen Topf zu werfen. "Auch wenn es derzeit am Kapitalmarkt anscheinend niemanden interessiert: Die Haushaltslage ist in Portugal deutlich weniger dramatisch als in Griechenland!", schreibt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Defizit, Schuldenquote, Kapitalbedarf - überall stehe Portugal besser da. Als Hauptgefahr für portugiesische Staatsanleihen sieht Solveen, "dass es unter dem Eindruck der Griechenland-Krise zu einem Käuferstreik am Kapitalmarkt kommt" - ein Beleg für die Macht der Buchstabencodes, die die Agenturen für ihre Bewertung verwenden.

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