Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen & Verbraucher >

Empörung nach Ackermanns Zweifel an Griechen

Schuldenkrise  

Empörung nach Ackermanns Zweifel an Griechen

18.05.2010, 10:37 Uhr | apn, AFP, dpa, dpa, AFP, dapd

Josef Ackermann bleibt eine Reizfigur. Wieder einmal regt sich Deutschland über seinen mächtigsten Banker auf. Vor gut zwei Millionen Zuschauern äußerte der Chef der Deutschen Bank am Donnerstagabend im ZDF, was viele denken: Griechenland wird seine Schulden wohl nie zurückzahlen können - trotz Milliardenhilfe. (Hintergründe, Tipps und Fakten zur aktuellen Krise)

Klare Worte aus dem Kanzleramt

"Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln" - Ackermanns Skepsis mitten im Ringen um den Euro brachte dem Schweizer harsche Kritik ein. Über die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach ließ Kanzlerin Merkel dem Spitzenbanker ausrichten, wie wenig sie von seinen Kommentaren hält.

Keine öffentliche Rüge

Zwar sei es "nicht die Art der Bundeskanzlerin", eine öffentliche Rüge auszusprechen, sagte Heimbach, allerdings sehe sie "keinen Anlass und keinen Nutzen" für derartige Spekulationen. In ihrer Erklärung widersprach Heimbach der umstrittenen Prognose Ackermanns zudem energisch. Der EU-Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro basiere auf der "guten Expertise" der Europäischen Zentralbank, des Währungsfonds IWF sowie der Euro-Staaten. (Mehr zum Sparprogramm von Spanien und Portugal)

Lob und Tadel in den Medien

Die "Süddeutsche Zeitung" befand hingegen: "Ackermanns Zweifel sind ... objektiv berechtigt ... Die Frage ist aber, ob der Chef der Deutschen Bank diese Sorge auch öffentlich äußern sollte." Scharf ging die "Financial Times Deutschland" mit dem 62-Jährigen ins Gericht: "Ackermann schreibt Athen ab", titelte das Blatt und riet dem Banker, er solle "einfach mal die Klappe halten".

Angriff als Teil der Verteidigung?

Frank Roselieb, der sich am Kieler Institut für Krisenforschung mit dem Krisenmanagement von Unternehmen befasst, kann sich den ZDF- Auftritt nur so erklären: "Bevor der Eindruck entsteht, die Deutsche Bank geselle sich zum Club der Verlierer, sagt Ackermann lieber: Griechenland war schon immer ein unsicherer Kandidat." Wiederholt hatte die Deutsche-Bank-Führung versichert, der DAX-Konzern habe in Griechenland "kaum direkte Engagements". Ganz im Gegensatz zu den mit Steuergeldern gestützten Instituten Hypo Real Estate und Commerzbank .

Rettungspaket stützt auch Banken

Fakt ist: Das 750 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für den Euro, das die EU am vergangenen Wochenende eilig gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) schnürte, stützt nicht nur die Schuldensünder. Davon profitieren auch die Banken, die mit Milliarden in Griechenland, Spanien und anderen Wackelkandidaten investiert sind.

"Dem Volk aus der Seele gesprochen"

Dass Ackermann seine Zweifel erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen so klar äußerte, könnte man ihm zwar ankreiden, meint Roselieb. Doch er sagt auch: "Ackermann hat dem Volk aus der Seele gesprochen, das kann durchaus ein kluger Schachzug sein. Und da er bis nach der NRW-Wahl damit gewartet hat, kann ihm die Kanzlerin auch nicht mehr vorwerfen, er habe ihr die Wahl kaputtgemacht.

Im Kreuzfeuer der Kritik

Es ist nicht das erste Mal, dass Ackermann im Kreuzfeuer der Kritik steht. Das Siegeszeichen des lachenden Bankers zu Beginn des Mannesmann-Prozesses Anfang 2004 haftet ihm bis heute als Symbol von Arroganz an. Im Herbst 2008, unmittelbar nachdem der Bund auch mit Ackermanns Hilfe ein Rettungspaket für die Banken geschnürt hatte, machte sein Wort die Runde, er würde sich für sein Institut "schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden".

Immer im Rampenlicht

Im vergangenen Dezember stahl Ackermann beim Krisengipfel im Kanzleramt allen die Show mit der Idee eines Mittelstandsfonds gegen eine drohende Kreditklemme. Der Fonds fiel mit zunächst 300 Millionen Euro schmaler aus als erwartet. Zuletzt stand Ackermann Anfang Mai im Mittelpunkt einer öffentlichkeitswirksamen Aktion: Er fädelte den politisch gewünschten Deal ein, dass sich Banken und Versicherer weiter in Griechenland engagieren und sich freiwillig an der Rettung beteiligen. Allerdings war nicht nur SPD-Chef Sigmar Gabriel der Meinung, diese Ankündigung von Ackermann & Co. sei eine "absolute Nullnummer".

t-online.de Shop Finanzsoftware zu Top-Preisen
t-online.de Shop Bis zu 600,- Euro Gutschein für einen Samsung LED-TV bei Abschluss eines Entertain-Angebots
t-online.de Shop Handys zu Top-Preisen

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal