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Portugal: Kein Geld in den Kassen, aber massenhaft Gold im Keller


Portugal: Kein Geld in den Kassen, aber massenhaft Gold im Keller

03.05.2011, 17:33 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Portugal: Kein Geld in den Kassen, aber massenhaft Gold im Keller. Schuldenkrise: Portugal sitzt auf riesigen Goldreserven (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Schuldenkrise: Portugal sitzt auf riesigen Goldreserven (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Neuer Wirbel um Portugal: Laut Zeitungsberichten diskutieren Übergangsregierung und EU-Experten eine Aufstockung der Hilfen für das schuldengeplagte Land. Zugleich sitzt die Regierung auf riesigen Goldreserven - und rührt sie nicht an für die Haushaltssanierung.

Die Meldungen könnten kaum widersprüchlicher sein: Nach Angaben der portugiesischen Zeitung "Diário Económico" gehen Experten der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) davon aus, dass Portugal deutlich mehr Hilfskredite braucht als bisher veranschlagt. Statt der geplanten 80 könnten es bis zu hundert Milliarden Euro sein, heißt es. Allein zehn Milliarden benötige der Bankensektor.

Gold im Wert von 21 Milliarden Dollar

Gleichzeitig erregt ein Artikel in der britischen "Times" Aufsehen. Demnach sitzt die Regierung in Lissabon auf gewaltigen Goldreserven, macht jedoch keine Anstalten, diese zu verkaufen - trotz Hilfskrediten, hoher Schulden und ungeachtet des enorm hohen Goldpreises.

Gut 382,5 Tonnen Gold horte Portugals Regierung, berichtet die "Times". Geschätzter Wert: rund 20,7 Milliarden Dollar bzw. fast 13 Milliarden Euro. Das entspricht ungefähr neun Prozent der jährlichen portugiesischen Wirtschaftsleistung, es ist die höchste Quote in ganz Europa.

Gold von den Nazis?

Angehäuft hat das Edelmetall der 1974 gestürzte Diktator António de Oliveira Salazar: Er schichtete einen Teil der Staatseinnahmen in Gold um, vor allem zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Damals soll der Diktator auch Gold von den Nazis geliefert bekommen haben.

Könnte Portugal das Gold überhaupt verkaufen?

Berücksichtige man die Goldreserven als Faktor in Portugals Haushalt, stehe das Land wesentlich besser da, sagte Rob Carnell, Chefökonom der ING-Bank, der "Times". Tatsächlich könnte die Regierung mit einem gezielten Goldverkauf ihre Schulden deutlich drücken und ihren Bedarf an Hilfskrediten begrenzen.

Manche Experten sind jedoch skeptisch, inwieweit man Portugal Verkaufsträgheit vorwerfen kann. Eine groß angelegte Abstoßaktion "könnte das falsche Signal an die Märkte senden", sagt Ross Norman, Chef der Gold-Brokers Sharps Pixley, der Zeitung. Sie könnte eine Investorenpanik provozieren und das Schuldenproblem verschlimmern.

Portugal musste als drittes europäisches Land um Finanzhilfe bitten. Die Wirtschaft wuchs in den vergangenen zehn Jahren kaum, die Industrie ist international nicht wettbewerbsfähig, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als zehn Prozent, reihenweise melden Firmen Insolvenz an. Gegenwärtig wird über die Bedingungen des Hilfspakets verhandelt. Die EU will noch vor der Wahl im Juni eine Einigung erzielen.

Ob sie im Zweifelsfall mehr als die bislang veranschlagten 80 Milliarden Euro bewilligen würde, ist unklar. Laut "Diário Económico" soll eine Expertengruppe im Laufe des Tages mit der Übergangsregierung und der Opposition darüber sprechen.

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