Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

EU verliert Geduld mit Griechenland


Schuldenkrise  

EU verliert Geduld mit Griechenland

18.05.2011, 08:33 Uhr | dpa, dpa

EU verliert Geduld mit Griechenland. Griechenland soll gerettet werden - doch die Rettung läuft nicht nach Plan (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Griechenland soll gerettet werden - doch die Rettung läuft nicht nach Plan (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Griechenland war vor einem Jahr das erste Euroland, das mit Milliardenkrediten vor dem Pleite gerettet werden musste. Die Euro-Partner stellen nun fest, dass die Rettung nicht wie geplant läuft. Was also tun? Die Meinungen gehen weit auseinander.

In der schweren Schuldenkrise beißt sich die EU an Griechenland die Zähne aus. Athen bekam im vergangenen Jahr als erstes Land der Eurozone ein stattliches Hilfspaket von 110 Milliarden Euro, um eine Pleite zu umschiffen. Nun stellen die Europäer erschrocken fest, dass die Krise noch lange nicht bewältigt ist.

Streit über den richtigen Kurs

Die Risikoprämien für langfristige Anleihen Athens liegen höher als vor einem Jahr. Ist das strategisch wichtige Land im Südosten des Kontinents ein "Fass ohne Boden"? Nein, meinen die Verantwortlichen in Brüssel wie Luxemburgs Jean-Claude Juncker. Doch einen Königsweg aus den Turbulenzen gibt es nicht, und die Partner streiten über den richtigen Kurs.

Der Unmut im exklusiven Club der 17 Finanzminister der Eurozone über mangelnde Fortschritte bei der Sanierung der Staatsfinanzen steigt. Österreichs neue Finanzministerin Maria Fekter und andere Amtskollegen fordern in deutlichen Worten, die Regierung in Athen müsse dringend umfassende Privatisierungen einleiten und strenger sparen. "Wenn man sich in den Euro hineingeschwindelt hat, muss man eben jetzt seine Hausaufgaben nachholen", lautet das Fazit der Wiener Ministerin.

Das sei das Schlimme, meinen langgediente Diplomaten in Europas Hauptstadt: Griechenland habe sich den Eintritt zur Eurozone 2001 mit falschen Haushaltszahlen erschlichen und werde das Image eines unseriösen Zahlenakrobaten nicht mehr los.

Zu wenig Privatisierungen in Hellas

Auch die Deutschen sind alles andere als begeistert: "Es wurde bisher für keinen Euro privatisiert", konstatiert Bundesfinanzstaatssekretär Jörg Asmussen trocken. Dabei hatte Athen den Verkauf von Tafelsilber in Höhe von 50 Milliarden Euro bereits zugesagt. Eins ist klar: Die Regierung von Premier Giorgos Papandreou wird sich noch mehr anstrengen müssen, um überhaupt Hilfe von den Euro-Partnern zu erhalten.

Widerstand in Mitgliedsländern wächst

Zuhause haben die Regierungen zunehmend Schwierigkeiten, Milliardenhilfen an Schuldensünder an die Wähler zu "verkaufen". Der finnische Finanzminister Jyrki Katainen wurde im Kreise seiner Amtskollegen gefeiert, denn er wählte als neuer Regierungschef seines Landes seine Koalition so aus, dass Hilfen für Portugal nicht gefährdet sind. Die Rechtspopulisten der Wahren Finnen bleiben deshalb außen vor.

"Er ist ein vorbildlicher Europäer", lobte Schwedens Ressortchef Anders Borg. Ob jedes Land der Eurozone in Zukunft seine innenpolitischen Widerstände so elegant überwinden kann, ist laut Beobachtern überhaupt nicht ausgemacht. Rettungspakete können von den obersten Kassenhütern nur einstimmig gebilligt werden.

Die finnischen Bedingungen für die Portugal-Hilfen von 78 Milliarden Euro wurden von den Euro-Partnern erfüllt. Dazu gehört die Aufforderung, dass Privatisierungen so ehrgeizig wie möglich sein müssen. Auch sollen private Gläubiger Portugals auf freiwilliger Basis im Boot bleiben.

Portugal als Vorbild für Griechenland

Laut Experten könnten ähnliche Formulierungen in einem neuen Griechenland-Paket stehen. Die Verhandlungen hinter den Kulissen sind offensichtlich schon recht konkret. So wird darüber gesprochen, ob der laufende Hilfsplan ergänzt wird oder ein neues Programm nötig ist. Deutschland und andere Mitgliedstaaten pochen darauf, dass bei einer möglichen Rettung auch der Privatsektor mitziehen muss. Vielleicht bei einer "sanften" Umschuldung? Antworten soll es im Juni geben.

Die scheinbar endlosen Debatten über Griechenland entzweien die Europäer. "Die Länder des Nordens wollen immer mehr Zugeständnisse, die Länder des Südens können nicht mehr", resümiert ein Diplomat die gespannte Gemütslage in der Eurogruppe. Die Nachrichten aus New York über die Festnahme von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn trugen nicht zu einer Stimmungsverbesserung bei. Im Gegenteil: Falls der Franzose wegen der Vorwürfe einer versuchten Vergewaltigung seinen Hut beim Internationalen Währungsfonds nehmen muss, stehen zähe Debatten in Brüssel über seine Nachfolge an.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Haushaltsgeräte von Samsung kaufen & Prämie sichern
jetzt auf otto.de
Anzeige
Dein Wunschmix: Daten, MIN/SMS wie du es brauchst
Prepaid wie ich will von congstar
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal