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Rating Agenturen Finanzkrise: US-Börsenaufsicht nimmt Rating-Agenturen ins Visier


US-Börsenaufsicht nimmt Rating-Agenturen ins Visier

24.06.2011, 09:06 Uhr | dpa, AFP, AFP, dpa

Rating Agenturen Finanzkrise: US-Börsenaufsicht nimmt Rating-Agenturen ins Visier. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC plant Klagen gegen die großen Ratingagenturen (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC plant Klagen gegen die großen Ratingagenturen (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Rating-Agenturen gelten als mitverantwortlich für die Finanzkrise, belangt wurden sie bislang jedoch nicht. Das soll sich nach einem Zeitungsbericht nun ändern. Die US-Börsenaufsicht SEC hat sich nach Informationen des "Wall Street Journal" die großen Spieler der Branche vor die Brust genommen. Die Behörde erwäge zivilrechtliche Betrugsklagen, hieß es unter Berufung auf eingeweihte Personen. Namentlich erwähnte die Zeitung Standard & Poor's sowie Moody's. Das käme eine Entmachtung von Rating-Agenturen gleich. Das fordert auch der Hamburger Wirtschaftsforscher Thomas Straubhaar. Seiner Ansicht nach gefährden die Bewertungen die Stabilität der Wirtschaft.

Die Rating-Agenturen bewerten die Bonität von Staaten und Unternehmen sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren. Viele Investoren vertrauen ihrem Urteil nahezu blind. In der Finanzkrise hatte sich diese Blauäugigkeit gerächt: Die Rating-Agenturen hatten auch jenen US-Hypothekenpapieren gute Zeugnisse ausgestellt, die ab dem Jahr 2007 massiv an Wert verloren und damit die Krise des gesamten Finanzsystems auslösten.

Berufungsrichter: Ratings sind "bloße Meinungen"

Politiker und Finanzaufseher hatten die Rating-Agenturen scharf kritisiert und ihnen vorgeworfen, mit ihren guten Noten die Immobilienblase in den USA verstärkt zu haben. Sie hätten die Zeichen für einen Niedergang des Marktes ignoriert. Versuche, die Rating-Agenturen zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterten indes zumeist. So urteilte ein US-Berufungsrichter nach Angaben des "Wall Street Journal" noch im Mai, es habe sich bei den Ratings um "bloße Meinungen" gehandelt und diese seien durch die in der Verfassung verankerte Meinungsfreiheit geschützt.

Anders als Banken, die sich infolge der Finanzkrise einer strengeren Regulierung beugen mussten, blieben die Rating-Agenturen weitgehend von Auflagen verschont. Auch die Finanzaufseher und Staatsanwälte knöpften sich bei ihren bisherigen Ermittlungen zu den Verfehlungen der Finanzwelt lieber die einfacher zu greifenden Banken vor. Die US-Investmentbank Goldman Sachs zahlte in einem Vergleich mit der SEC 550 Millionen Dollar. Nach Informationen des "Wall Street Journal" steht ein SEC-Vergleich mit der US-Großbank JPMorgan Chase kurz bevor.

Staatsanwälte ermitteln gegen die Wall Street

Standard & Poor's wollte sich gegenüber der Zeitung nicht äußern, Moody's kündigte ungeachtet des konkreten Falls an, mit der SEC bei einer Anfrage zusammenzuarbeiten. Neben der gefürchteten Börsenaufsicht ermitteln auch eine ganze Reihe an US-Staatsanwälten gegen die Wall Street. Die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise hat in den USA gerade erst richtig begonnen.

Wirtschaftsforscher fordert Entmachtung von Rating-Agenturen

In Deutschland gehen Wirtschaftsforscher wie Thomas Straubhaar noch weiter. Er forderte eine "brutale Entmachtung" von Rating-Agenturen. Der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) sagte in einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung", jetzt sei der "historische richtige Moment", sich aus der Allmacht dieser privaten Einrichtungen zu lösen. Die mit quasi hoheitsrechtlichen Kompetenzen ausgestatteten Rating-Agenturen seien "ein Fehler aus den 1990er Jahren". Regulierungsbehörden in den USA hätten diese Form der Bewertung von Zahlungsfähigkeit bei Staaten und Unternehmen den Europäern "aufgedrängt und übergestülpt".

Straubhaar appellierte an die Bundesregierung, schnellstmöglich die Dominanz der US-Rating-Agenturen zu beenden und dazu in der EU-Kommission einen Vorstoß zu starten. "Hier werden einzelne private Akteure in den Rang von Göttern in Nadelstreifen erhoben. Das ist verhängnisvoll", warnte Straubhaar. Nach US-Grundsätzen tickende Rating-Agenturen seien für Europa völlig ungeeignet. Sie könnten Probleme nicht lösen, sondern verursachten neue.

Pleite-Gerüchte provoziert

Standard & Poor's hatte zuletzt griechische Anleihen um drei Bonitätsstufen auf den Ramschstatus "CCC" gesenkt und damit weitere Pleite-Gerüchte provoziert. "Diese Privatunternehmen treiben die Politik vor sich her und erzeugen dadurch nicht mehr, sondern weniger Stabilität", erklärte Straubhaar. "Das muss ein Ende haben."

Der Wirtschaftswissenschaftler forderte stattdessen einen Wettbewerb vieler gleichgestellter Agenturen. Dies werde dazu führen, dass Urteile einzelner Rating-Agenturen nur noch zu einer Meinungsäußerung von mehreren würden. Auf die könne dann hören, wer wolle. Straubhaar unterstützte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der an der Griechenland-Hilfe private Gläubiger deutlich beteiligen will. "Ich stehe ganz auf seiner Seite. Wir müssen die Haftung der deutschen Steuerzahler minimieren." Es könne nicht sein, dass Gewinne privatisiert, Verluste aber den Steuerzahlern aufgebürdet würden, sagte er und plädierte für "mehr oder weniger sanften Druck" auf private Gläubiger.

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