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Euro-Austritt der Griechen? Hoffentlich nicht!


Kommentar  

Warum ein Euro-Austritt der Griechen verhindert werden muss

22.06.2011, 10:15 Uhr | t-online.de - Martin Mrowka, t-online.de, mmr

Euro-Austritt der Griechen? Hoffentlich nicht! . Weitere Griechenland-Hilfen - ja oder nein?  (Foto: imago, Montage: t-online.de)

Weitere Griechenland-Hilfen - ja oder nein? (Foto: imago, Montage: t-online.de)

Deutschland ist gespalten. Fast die Hälfte der Deutschen befürwortet einen Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung, etwa ebenso viel lehnt dies ab, sieben Prozent haben keine Meinung. Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage unter gut 1000 Personen im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Focus". In einer n-tv-Telefonumfrage stimmten zum Wochenbeginn gar 92 Prozent der Anrufer für einen Ausschluss Griechenlands aus der EU. t-online.de stellt die beiden Meinungen in zwei Kommentaren gegenüber.

Am Ende des Artikels lesen Sie die Contra-Griechenland-Stimme. Zunächst begründet Wirtschaftsredakteur Martin Mrowka, warum das Szenario eines Griechenland-Rauswurfs auf jeden Fall verhindert werden muss.

Griechenland raus aus der Eurozone! Gebt den Griechen ihre Drachme zurück! Keine deutschen Steuergelder für die Hellas-Lügner! Die Parolen der Gegner von Griechenland-Hilfen hallen immer lauter über Deutschlands Stammtische. Einige Flachdenker wollen Griechenland sich selbst überlassen, keinen Cent an Hilfen mehr überweisen, aus Angst dieses Geld nie wiederzusehen.

Tatsächlich besteht eine Gefahr, dass die Hilfen der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht auf Heller und Pfennig zurückgezahlt werden. Griechenlands Schulden sind bereits so groß, dass das Land derzeit selbst die Zinsen darauf nicht mehr voll bezahlen kann. Die Schulden haben sich auf 350 Milliarden Euro angehäuft. Der Vergleich hinkt zwar ein wenig: Wer schon mal mit einer Eigenheim-Finanzierung gescheitert ist, wird das Gefühl kennen. Dringend wird weiteres Geld benötigt, um Hypothek und Tilgung bezahlen zu können. Wenn die Bank nicht mehr mitmacht, wendet man sich hoffnungsvoll an seine Familie.

Eine große Familie

Die Europäische Union ist Griechenlands Familie, die EU hat den Inselstaat vor fast 30 Jahren in die Familie aufgenommen, seitdem gehört er dazu. Ja, die Griechen haben vor der Euro-Einführung vor zehn Jahren bei den Beitrittskriterien geschummelt, waren eigentlich nicht reif für den Euro. Doch so unberechtigt eine Aufnahme war, so schwierig ist nun der Ausschluss. Zwar sind die volkswirtschaftlichen Verbindungen zu den Hellenen relativ klein. Nur etwa zweieinhalb Prozent des EU-BIP kommen aus Griechenland. Doch auch eine kleine Stütze der großen Union ist eine Stütze. Knickt sie weg, bekommt Europa Schlagseite. Kippen wird Europa deshalb nicht komplett, jedenfalls nicht sofort.

Aber Griechenland würde wegbrechen. Der Schuldenstaat würde zum Pleitestaat - wie vor etwa zehn Jahren Argentinien. Geld für öffentliche Einrichtungen und dessen Personal würde im Falle eines Staatsbankrotts nicht mehr ausgezahlt werden können. Unruhen auf den Straßen würden die öffentliche Ordnung vernichten. Bei einer Rückkehr zur Drachme würde diese extrem schwach sein, würden die Griechen ihre Konten räumen und versuchen, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Teilweise haben sie damit bereits begonnen.

Die Banken des Landes würden in kurzer Zeit zusammenbrechen und andere Institute mitreißen - übrigens auch in wirtschaftlich gesunden Euroländern. Mehrere deutsche Banken sind eng mit Griechen-Instituten verbandelt, am stärksten mit rund 11 Milliarden Euro die Hypo Real Estate Group, die bereits in der Finanzkrise nach Lehman fast kollabierte und das weltweite Finanzsystem ins Wanken brachte. Bulgarien und Rumänien würden besonders stark leiden, da die Balkanstaaten in Griechenland groß engagiert sind.

Totalausfall würde drohen

Ein Ausscheren Griechenlands aus dem Euro würde zudem die allgemeine Euroland-Krise nicht wirklich beruhigen. Sofort würde sich die Aufmerksamkeit der Investoren und Spekulanten auf Portugal richten, dann auf Spanien, dann vielleicht Italien... Selbst ein Auseinanderbrechen der EU wäre denkbar. Deutschland bekäme vielleicht seine D-Mark zurück, die aber wohl vergleichsweise so stark wäre, dass der europäische Handel mit unserem Land einbrechen würde. Hinzu kommt, dass Athen mit der schwachen Drachme seine Schulden erst recht nicht zurückbezahlen könnte, den Gläubigern würde somit ein Totalausfall ihrer Forderungen drohen. Derzeit werden die Gläubiger allmählich mit einem Schuldenschnitt vertraut gemacht, können sich daran gewöhnen, einen Teil ihres Geldes wohl nie zurück zu bekommen.

Das Sonnenland braucht Unterstützung beim Aufbau seiner maroden Wirtschaft, aus eigener Kraft schafft es das Land in der Ägäis nicht. Bevölkerung und Opposition meutern aus egoistischen Motiven gegen die Sparbemühungen der Regierung, die wiederum unbedingt notwendig sind, um das Land zu stabilisieren sowie weitere Finanz-Hilfen zu bekommen.

Die Deutschen sollten die Daumen drücken, dass sich die Lage beruhigt, anstatt gegen die EU-Hilfen zu hetzen. Mit einer geordneten Umschuldung ließe sich Europa wieder stabilisieren, wovon wir hierzulande künftig wieder so prächtig profitieren, wie es in den vergangenen Jahren bereits geschah. Vor allem dank der europäischen Gemeinschaft ist Deutschland zu einem der wohlhabendsten Staaten geworden. Betrachten wir die derzeitige Belastung doch einfach als Entwicklungshilfe.

Contra-Meinung - Griechenland raus aus der Eurozone!

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