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Keine weiteren Griechenland-Hilfen - Akropolis, Adieu!


Kommentar  

Akropolis, Adieu!

21.06.2011, 16:04 Uhr | t-online.de - Frank Lansky, t-online.de, sky

Keine weiteren Griechenland-Hilfen - Akropolis, Adieu! . Neue Gelder für Griechenland sind nutzlos (Foto: imago, Montage: t-online.de)

Neue Hilfen für Griechenland sind nutzlos (Foto: imago, Montage: t-online.de)

Nur etwa die Hälfte der Deutschen ist laut einer Emnid-Umfrage gegen neue Griechenland-Hilfen – genauso viele sind dafür. Das ist erstaunlich, denn das griechische Drama ist zur Schmierenkomödie mutiert: Obwohl das Land jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat, stehen neue Milliarden an. Auch diese Hilfe wird in ein Fass ohne Boden fließen. Wirtschaftsredakteur Frank Lansky begründet, warum Hellas besser mit leeren Händen die Eurozone verlassen sollte. Die Gegenstimme dazu finden Sie als Link am Ende dieses Textes.

Hellas gehörte nie in den Club

Griechenland hätte niemals in die Eurozone aufgenommen werden dürfen. Eine Währungsunion funktioniert nur, wenn sich Staaten mit einem gemeinsamen wirtschaftspolitischen Kurs zusammenschließen. Das hat lange vor der Einrichtung der Eurozone geklappt, als sich die Bundesbank mit den Benelux-Ländern und Österreich informell abstimmte. Wachstum fördern und Inflation verhindern – das war der gemeinsame Konsens.

Hellas hatte sich schon mit der Bilanzfälschung beim Eintritt in die Eurozone von diesem Wertesystem verabschiedet und seitdem seine Chancen nicht genutzt. Beim Eintritt in die Währungsunion sanken die Zinsen rapide, die das Land den zuvor skeptischen Geldgebern bezahlen musste. Anstatt zu sparen, prassten die Regierungen in Athen und verschoben die Schuldentilgung auf den Sankt-Nimmerleinstag. Selbst das 110-Milliarden-Euro-Paket im Frühjahr 2010 verpuffte wirkungslos.

"Griechische Sowjetwirtschaft"

Nun braucht das Land schon wieder frisches Geld. Keinem Steuerzahler in den wenigen starken Geberländern ist dies angesichts der Proteste in Athen zuzumuten – denn als Dank für die Überweisungen werden sie auch noch als Nazis verunglimpft. Besonders unerträglich ist dies, da auch bei uns Straßen und Schulen bröckeln. Unterstützung erhalten die Demonstranten wie immer von Gutmenschen, die selbst die Warnungen der renommiertesten Ökonomen in eitler Selbstüberschätzung als "Stammtisch-Gerede" abtun.

Realistischer sieht die Sache der griechische Publizist Takis Michas. Vor einem Jahr schrieb er, "die Griechen haben ein hohes Anspruchsdenken. Sie sind der Ansicht, bestimmte Dinge stünden ihnen zu, ganz losgelöst von der Frage der Produktivität ihrer Wirtschaft. Also versuchen sie jetzt, noch mehr herauszuholen." In seinem jüngsten Beitrag für das "Wall Street Journal" regt Michas die Frage an, ob eine Insolvenz Griechenlands nicht besser wäre als eine endlose Stütze für das marode Land, das gerade einmal zwei Prozent zur Wirtschaftsleistung der Eurozone beisteuert.

Außerdem zeigt Michas deutlich, wen die europäischen Steuerzahler eigentlich unterstützen: "Eine Wirtschaft, deren wichtigster Daseinsgrund es in den vergangenen vierzig Jahren war, ihre Klientel aus dem öffentlichen Sektor mit Vorteilen zu versorgen." Soeben hat Michas sein Buch mit dem Titel "Schwarzbuch der griechischen Sowjetwirtschaft" abgeschlossen, es widmet sich dem über Jahrzehnte entstandenen, erstickenden Geflecht zwischen Parteien, Behörden, Staatskonzernen und Gewerkschaften.

Ansteckungsgefahr für Europa

Das Werk sollte zur Pflichtlektüre im Bundestag werden. Die Naivität, mit der bislang Hilfen an Griechenland vergeben wurden, ist erschreckend. Warum nehmen die Geldgeber kein Pfand, etwa den Hafen von Piräus oder den Flughafen Athen? Jeder Häuslebauer in Deutschland muss im Gegenzug für einen Kredit sein Haus verpfänden. Anstatt weiter Hilfen zu verteilen, wäre es besser, die Halter von Staatsanleihen auszukaufen und sie von der Last der faulen Hellas-Bonds zu befreien. Gerne auch mit Abschlag – denn wer sich verspekuliert, muss eben die Verluste tragen.

Dann wäre der Spuk beendet und die Euro-Krise könnte eingedämmt werden. Schon jetzt ist die Europäische Zentralbank zur Bad Bank mutiert, weil sie zur Finanzierung der PIGS (Portugal, Italien/Irland, Griechenland, Spanien) deren Staatsanleihen in Milliarden-Höhe gekauft hat, alleine 45 Milliarden sollen es für Griechen-Anleihen sein. Dazu kommen eingekaufte Sicherheiten von griechischen und anderen PIGS-Banken. Im Markt kursieren Zahlen von 340 Milliarden Euro an faulen oder gefährdeten Staatsanleihen.

Mehr als ein Viertel davon werden wohl die Steuerzahler in Deutschland übernehmen. Auch die Verbraucher werden die Misere spüren - wahrscheinlich wird die EZB irgendwann einfach frisches Geld drucken – und die Lebenshaltungskosten steigen, weil mehr Papiergeld die gleiche Menge an Waren jagt.

Raus aus der Eurozone!

Griechenland ist diese Opfer nicht wert, wenn es sich nicht verändert. Nur mit einem kompletten Systemwechsel und einer Radikalkur wie sie Russland nach dem Ende des kommunistischen Siechtums vorgelegt hat, wäre das Land wettbewerbsfähig. Niemand kann Griechenland zwingen, eine funktionierende Volkswirtschaft aufzubauen, Steuern einzutreiben und die prall gefüllten Fakelaki abzuschaffen, also die Umschläge mit Bestechungsgeld. Doch niemand sollte die Geberländer zwingen, solch einen Staat weiter durchzuschleppen.

Pro-Meinung - Warum die Griechen in der Euro-Zone bleiben müssen

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