Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Wer die größten Griechen-Risiken trägt


Wer die größten Griechen-Risiken trägt

27.06.2011, 08:53 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Wer die größten Griechen-Risiken trägt. National Bank of Greece: Der größte private Gläubiger des Staates (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

National Bank of Greece: Der größte private Gläubiger des Staates (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Was passiert, wenn Griechenland pleitegeht? Experten warnen vor einer zweiten Finanzkrise - einer Kettenreaktion, die weltweit Banken kollabieren lässt. Große Risiken könnten in den USA liegen.

Pleite ist Pleite. Egal ob es zu einem ungeordneten Staatsbankrott kommt oder doch noch zu einer geordneten Umschuldung - in jedem Fall müssten die Gläubiger Griechenlands einen Teil ihrer Forderungen abschreiben. Doch nicht nur das: Experten fürchten, dass die Finanzwelt einen ähnlichen Schock erleiden könnte wie nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Damals hatte der Zusammenbruch eines einzelnen Instituts eine weltweite Kettenreaktion hervorgerufen. In den USA und Europa mussten Banken vom Staat gerettet werden.

Schulden liegen bei öffentlichen Gläubigern

Ob es im Fall einer Griechenland-Pleite ähnlich schlimm würde, kann niemand genau sagen - zu undurchsichtig sind die finanziellen Verstrickungen zwischen den Banken, und zu irrational ist das Verhalten der Akteure an den Finanzmärkten. Zwei Dinge stehen jedoch fest: Erstens liegt ein Großteil der griechischen Schulden in den Händen weniger, meist öffentlicher Gläubiger. Und zweitens führt auch im Fall Griechenland wieder eine Spur zu den amerikanischen Banken.

Wo ballen sich die Risiken der griechischen Schulden? Wer muss zahlen, wenn der Ernstfall eintritt? "Spiegel Online" zeigt die größten Griechenland-Gläubiger:

Rang

Institution/Bank

Anleihen und andere

Wertpapiere (in Mrd.€)

Kredite (in Mrd. €)

1

Europäische Zentralbank (EZB)

49,0

-

2

EU-Kredite

-

38,0

3

Öffentliche griechische Kassen

30,0

-

4

Ausländische Staatsfonds

25,0

-

5

Internationaler Währungsfonds (IWF)

-

15,0

6

National Bank of Greece

13,2

5,4

7

Nationalbanken der Euro-Zone

13,1

-

8

EFG Bank (Griechenland)

9,0

-

9

Piraeus Bank (Griechenland)

8,0

-

10

FMS (Bad Bank der Hypo Real Estate)

6,3

-

11

Griechische Nationalbank

-

6,0

12

BNP Paribas (Frankreich)

5,0

-

13

ATE Bank (Griechenland)

4,6

-

14

AlphaBank (Griechenland)

3,7

-

15

Dexia (Belgien, Luxemburg, Frankreich)

3,5

-

16

Hellenic Postbank

3,1

-

17

Generali (Italien)

3,0

-

18

Commerzbank

2,9

-

19

Société Générale (Frankreich)

2,9

-

20

Marfin (Griechenland)

2,3

-

25

Deutsche Bank / Deutsche Postbank

1,6

-

26

LBBW (Deutschland)

1,4

-

28

Allianz (Deutschland)

1,3

-

32

DZ Bank (Deutschland)

1,0

-

37

Munich Re (Deutschland)

0,7

-

Quelle: Barclays Capital

Staat und Steuerzahler

Im Fall Griechenland liegt ein Großteil der insgesamt 340 Milliarden Euro Schulden in öffentlichen Händen. Laut einer Studie der britischen Bank Barclays sind sechs der sieben größten Gläubiger des Landes staatliche oder multistaatliche Institutionen. Sie halten zusammen Anleihen und Kredite über 170 Milliarden Euro.

An erster Stelle dabei steht die Europäische Zentralbank (EZB), die geschätzt 49 Milliarden Euro griechische Staatspapiere hält.

Gleich danach kommen die EU-Staaten. Sie hatten im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein insgesamt 110 Milliarden Euro schweres Hilfsprogramm aufgelegt, wovon sie 80 Milliarden Euro tragen. Da das Programm über drei Jahre gestreckt ist, wurden bisher erst 38 Milliarden Euro ausgezahlt, gut acht Milliarden davon kamen aus Deutschland, von der staatlichen KFW Bankengruppe.

Auf den Plätzen drei bis fünf der griechischen Gläubigerliste folgen öffentliche griechische Institutionen wie Renten- und Sozialkassen, ausländische Staatsfonds und der IWF, der bisher 15 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen Hilfsprogramm mit der EU ausgezahlt hat.

Auch die einzelnen europäischen Zentralbanken, wie etwa die Bundesbank, halten griechische Anleihen über insgesamt rund 13 Milliarden Euro.

Griechische Banken in Gefahr

Wenn man davon ausgeht, dass Staaten und Zentralbanken ihre Verluste aus einer möglichen Griechenland-Pleite schon irgendwie stemmen können, liegt eine der größten Gefahren für das Weltfinanzsystem wahrscheinlich bei den griechischen Banken. Die sieben größten Institute des Landes haben dem Staat laut Barclays-Schätzung fast 50 Milliarden Euro geliehen. Ganz vorne steht die größte Privatbank des Landes, die National Bank of Greece, die laut den Barclyas-Daten mit insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro im Feuer steht.

Im Falle eines Staatsbankrotts oder einer Umschuldung müssten sehr wahrscheinlich mehrere griechische Banken gerettet werden - fragt sich nur: von wem? Da dem griechischen Staat das Geld dazu fehlt, müssten wohl die EU-Staaten einspringen. Im Hilfspaket von EU und IWF aus dem vergangenen Jahr sind für die Bankenrettung ursprünglich zehn Milliarden Euro vorgesehen. Doch das dürfte im Ernstfall nicht reichen. Die Alternative zur Rettung wäre ein Bankrott der griechischen Banken - mit unabsehbaren Folgen für das weltweite Finanzsystem.

Deutsche Banken größte private Gläubiger

Die deutschen Kreditinstitute gehören zu den größten privaten Gläubigern Griechenlands. Laut Bundesbank-Statistik besaßen sie Ende März griechische Staatsanleihen im Ursprungswert von rund zehn Milliarden Euro. Hinzu kommen geschätzt sechs bis sieben Milliarden Euro, die die Abwicklungsanstalt FMS in ihren Büchern hat und für die der Bund bürgt. Die FMS ist die Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE). Sie soll den Wertpapierbestand der HRE abwickeln. Für ihre Verluste muss der Steuerzahler aufkommen.

Unter den privaten deutschen Banken trägt die Commerzbank das größte Risiko. Sie hielt Ende März Griechen-Anleihen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro. Ein Verzicht auf diese Forderungen würde die ohnehin schon staatlich gestützte Bank hart treffen. Auch die Deutsche Bank sowie die Versicherer Allianz und Munich Re halten größere Bestände an Griechenland-Anleihen.

Französische Banken mit hohen Krediten

Die französischen Banken sind ebenfalls große Gläubiger des griechischen Staates. Zusammengenommen dürften sie ähnlich viele Staatsanleihen in ihren Büchern haben wie die deutschen Institute. Bei den französischen Banken kommt jedoch ein weiteres Risiko hinzu: Weil sie über ihre griechischen Tochterfirmen extrem hohe Kredite an dortige Unternehmen und Verbraucher vergeben haben, wären sie von einem Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft besonders hart betroffen. Nach einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beliefen sich die Forderungen französischer Institute an griechische Unternehmen und Verbraucher Ende 2010 auf fast 40 Milliarden Dollar (28 Milliarden Euro). Allein die Tochter der Großbank Crédit Agricole, Emporiki, hatte laut der Rating-Agentur Moody's Ende März Kredite über 21,1 Milliarden Euro in ihren Büchern. Die Tochter der Société Générale, Geniki, kam auf 3,4 Milliarden Euro.

US-Banken indirekt betroffen

Auf den ersten Blick sind die amerikanischen Banken dieses Mal fein raus: Lediglich 1,5 Milliarden Dollar an griechischen Staatsanleihen hielten sie laut BIZ-Statistik Ende 2010 - und zwar zusammengenommen. Doch der erste Eindruck täuscht. Denn ein paar Zeilen weiter zeigt dieselbe Statistik, dass sich in den USA auch dieses Mal wieder ein Risiko ballen könnte: 34 Milliarden Dollar "andere potentielle Engagements" amerikanischer Banken in Griechenland sind dort aufgelistet, der mit weitem Abstand höchste Wert aller Staaten. Dahinter dürften sich zum großen Teil Credit Default Swaps (CDS) verstecken. Diese von Investorenlegende Warren Buffett einst als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" bezeichneten Papiere sind Kreditversicherungen, mit denen Großbanken sich zum Beispiel gegen den Ausfall von Staatsanleihen oder direkten Darlehen absichern. Die Bank, die den CDS ausgegeben hat, ersetzt der Bank, die den CDS gekauft hat, den Schaden, den diese wegen des Ausfalls eines Schuldners erlitten hat.

Der weltweite CDS-Markt ist fest in der Hand von etwa 15 Großbanken, die meisten davon kommen aus den USA. Große Namen in dem Geschäft sind Goldman Sachs, Morgan Stanley oder die Citigroup, aber auch die Deutsche Bank oder die französische BNP Paribas. CDS-Papiere gelten deshalb als so gefährlich, weil der Handel mit ihnen völlig undurchsichtig ist und sie im Ernstfall Kettenreaktionen auslösen können. Ein konkretes, aber frei erfundenes Beispiel: Weil Griechenland seine Schulden nicht mehr vollständig zurückzahlen kann, geht auch der größte private Gläubiger pleite, die National Bank of Greece. Deutsche Banken halten Anleihen der National Bank of Greece in ihren Büchern, haben sich gegen deren Ausfall aber bei der US-Investmentbank Goldman Sachs über CDS versichert. Den Schaden muss nun also Goldman Sachs tragen - es sei denn, die Bank hat sich selbst wiederum über CDS gegen diesen Fall versichert, zum Beispiel bei der Deutschen Bank.

Im Voraus ist bei einem solchen Schwarze-Peter-Spiel nicht abzusehen, wo der Schaden am Ende landen wird. Und das Ganze geht nur dann gut, wenn das letzte Glied in der Kette auch zahlen kann.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Wirtschaft
EU beschließt neue Griechenlandhilfen

EU-Gipfel: Neues Geld für den angeschlagenen Staat. zum Video


Anzeige
MagentaTV jetzt 1 Jahr inklusive erleben!*
hier Angebot sichern
Anzeige
Die neuesten Technik-Trends: Mieten ist das neue Kaufen
OTTO NOW entdecken
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal