Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Argentiniens Weg aus dem Staatsbankrott


Vom Staatsbankrott zum Boom: Argentinien tanzt wieder

28.06.2011, 16:27 Uhr | dpa, mash, t-online.de, dpa

Argentiniens Weg aus dem Staatsbankrott. In Argentinien wird wieder fleißig gebaut, die Wirtschaft läuft gut (Foto: imago)

In Argentinien wird wieder fleißig gebaut, die Wirtschaft läuft gut (Foto: imago)

Vor knapp zehn Jahren stand Argentinien vor dem Staatsbankrott. Die Auslandsschulden von damals umgerechnet 169 Milliarden Euro konnten Ende 2001 nicht mehr bedient werden, in zwei Wochen lösten sich vier Staatschefs nacheinander im Amt ab, Arbeitslosigkeit und Proteste erreichten ein kritisches Niveau. Inzwischen geht es in Argentinien mit fast chinesischem Tempo voran - trotz noch nicht ganz abgeschlossener Umschuldung. Ein Vorbild für Griechenland?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte Argentinien 2000 rund 20 Milliarden Dollar zugesagt, um die Wirtschaft inmitten einer längeren Rezession zu "panzern" - verknüpft mit strengen Sparauflagen. Das hohe Haushaltsdefizit und eine steigende Kapitalflucht durchlöcherten diesen Schild jedoch schon bald. Die Regierung fror im November 2001 die Bankkonten von Millionen Bürgern ein, als der IWF eine Kredittranche von 1,2 Milliarden Dollar verweigerte, weil die zugesagten Sparziele nicht erreicht worden waren.

Tote und Verletzte in Buenos Aires

Die Bevölkerung ging auf die Straße, blockierte Bankfilialen und manche plünderten auch gleich Supermärkte und andere Geschäfte. In Buenos Aires gab es Tote und Verletzte, als die Polizei gegen Demonstranten vorging. Als die Situation gänzlich außer Kontrolle geriet, flüchtete Präsident Fernando de la Rúa am 20. Dezember 2001 per Hubschrauber aus dem Regierungsgebäude, nachdem er noch schnell seinen Rücktritt eingereicht hatte.

Peso um 65 Prozent abgewertet

Am 24. Dezember erklärte Interimspräsident Adolfo Rodríguez Sáa dann die Zahlungsunfähigkeit Argentiniens gegenüber den Gläubigern des Landes und dekretierte zugleich eine Abwertung von 65 Prozent des Peso, der zehn Jahre gesetzlich dem Dollar gleichgestellt gewesen war. So stieg auch der prozentuale Anteil der Auslandsschuld am Bruttoinlandsprodukt von vorher 50 Prozent auf mehr als 100 Prozent. Durch die Abwertung konnten die Argentinier billiger exportieren und konkurrenzfähigere Preise auf dem Weltmarkt erzielen.

Auf Griechenland übertragen hieße dies die Abkehr vom Euro und die Wiedereinführung einer eigenen Währung. Der entscheidende Unterschied: Argentinien konnte dies ohne Abstimmung mit anderen Ländern entscheiden.

Ein Jahr nach dem Einbruch begann der Aufschwung

Im Jahr 2002 brach das BIP des Landes noch heftig ein, um etwa elf Prozent. Ein Jahr später begann dann aber der Aufschwung, der bis heute anhält. Zusätzlichen Schub bekam die Erholung durch eine Umschuldung im Januar 2005. Die Gläubiger mussten einen "Haircut" über sich ergehen lassen: Der Kapitalschnitt betrug im Durchschnitt 50 Prozent. Die Anleihen-Inhaber bekamen also nur die Hälfte des Geldes zurück, das sie dem Staat geliehen hatten - und Argentinien reduzierte seien Schulden erheblich.

Der 2003 gewählte und im vergangenen Jahr gestorbene Präsident Néstor Kirchner versuchte, das internationale Vertrauen langsam wiederzugewinnen. Dieser Prozess ist aber auch heute zum Ablauf der ersten Amtszeit seiner Nachfolgerin und Witwe Cristina Fernández de Kirchner nicht abgeschlossen.

"In zahlreichen informellen Gesprächen mit Regierungsvertretern aus aller Welt fanden wir allgemein respektvolles Gehör, auch von Seiten des damaligen US-Präsidenten George W. Bush", erinnert sich Eduardo Sguiglia, Staatssekretär im Außenministerium während der ersten Jahre der Kirchner-Regierung. "Nur ein Treffen mit IWF-Chef Horst Köhler in der Präsidentenresidenz in Buenos Aires verlief gespannt, als Köhler Zweifel äußerte und davor warnte, dass die Banken Argentinien meiden könnten. Kirchners Haltung verhärtete sich danach."

Neoliberale hatten Angst vor Nachahmern

Heftigere Kritik äußerten Lobbyisten, die die argentinischen Bondinhaber vertraten. Bei einem Gespräch in der argentinischen Botschaft in Washington mit Vertretern konservativer Think-Tanks im Herbst 2003 kam es zu hitzigen Diskussionen. "Ich fragte sie, weshalb sie sich so aggressiv verhielten", erzählt Sguiglia. "Die Antwort lautete: 'Wir fürchten, dass andere Länder dem argentinischen Beispiel folgen'."

Heute steht das Krisenmanagement der internationalen Finanzorganisationen insgesamt in der Kritik. Selbst Michel Camdessus, Chef des IWF bis 2000, gab diese Woche in Buenos Aires zu, es seien zu seiner Zeit "viele Dummheiten, viele Fehler" begangen worden. "Der damals herrschende Neoliberalismus wurde von enormen institutionellen Defiziten und versagenden Regulierungsmechanismen begleitet", räumte Camdessus vor Unternehmern in der argentinischen Hauptstadt ein.

Argentinische Konjunktur: Stabilität trotz Einschränkungen

Mittlerweile bringt die anhaltend positive Außenhandelsbilanz Argentinien so viele Devisen ein, dass ein Großteil der jährlichen Fälligkeiten der Auslandsschulden damit gedeckt sind. Ein Rest muss aber immer noch per Neuverschuldung getilgt werden. Dies kann zur Zeit, ohne eine Einigung über die Rückzahlung von Schulden an die im Pariser Club organisierten staatlichen Gläubiger nur durch hohe Zinsen erreicht werden.

Fast chinesische Wachstumsraten - 7,1 Prozent im April im Vergleich zum Vorjahrsmonat -, eine flexible Währungspolitik und der Überschuss im Staatshaushalt garantieren aber trotz dieses noch beschränkten Zugangs zu den internationalen Finanzmärkten eine stabile Konjunktur.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die DSL-Alternative mit 200GB Datenvolumen
der Homespot von congstar
Anzeige
iPhone XR für nur 1 €* im Tarif MagentaMobil L
zur Telekom
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal