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Ifo-Chef: Deutschland wird erpresst

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Ifo-Chef: Deutschland wird erpresst

15.07.2011, 10:55 Uhr | dapd, dapd

Ifo-Chef: Deutschland wird erpresst. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn (Foto: imago) (Quelle: imago)

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn (Foto: imago) (Quelle: imago)

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sieht die Euro-Krise längst nicht am Ende. Die mit den Euro-Rettungsschirmen erkaufte Ruhe sei "nur die Vorstufe für einen noch größeren Sturm, der in der Zukunft kommt", warnte der Ökonom am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Deutschland müsse jetzt die von den Banken aufgebaute "Erpressungssituation" durchbrechen und Ruhe bewahren. "Wir müssen auch an unsere eigene Haut denken." Deutschland darf nach Ansicht Sinn nicht länger Zahlmeister in der Euro-Krise sein.

Nötig sei ein "Rettungssystem mit Augenmaß", das Staaten nach zwei Jahren vergeblicher Hilfe automatisch in eine Umschuldung und notfalls zur Insolvenz führe. "Sonst werden wir hemmungslos ausgenutzt durch dieses europäische System", sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts. Wenn die Schulden der Euro-Staaten weiter vergemeinschaftet und die Zinssätze vereinheitlicht würden, gebe es keinerlei Anreiz mehr für eine solide Haushaltsführung.

Kritik am Krisenmanagement der Europäer

Harsche Kritik äußerte Sinn auch am Krisenmanagement der Europäer. "Die Strategie ist falsch", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Die Staaten Europas gehen von einer kurzfristigen Attacke der Märkte aus, die man mit der Bereitstellung finanzieller Mittel bekämpfen kann. Davon kann nicht die Rede sein. Es gibt eine massive Zahlungsbilanzkrise in Europa, die entstanden ist, weil einige Länder durch den Kredit, den der Euro brachte, inflationär überhitzten und ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren", sagte Sinn.

Fass ohne Boden

"Die Mittel, die man öffentlich bereitstellen müsste, um die Lücken zu schließen, sind grenzenlos. Das ist ein Fass ohne Boden. Wenn man damit anfängt, endet man auf jeden Fall in einer Transferunion." Sinn rät: "Wenn man ein staatliches Schuldenproblem hat, muss man die Steuern erhöhen und die Ausgaben senken." Dann verbessere sich die Bonität, und die Risikoaufschläge für die Staatsanleihen sänken. "Italien wird diesen Weg gehen. Irland ist auf gutem Wege und wird in diesem Jahr bereits einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaften."

Griechenland sollte zurück zur Drachme

Für Griechenland komme diese Strategie aber nicht infrage. "Das Land ist extrem teuer, nicht wettbewerbsfähig und müsste jetzt um 20 bis 30 Prozent abwerten. Die Zustände erinnern an Deutschland zwischen 1929 und 1933", sagte Sinn. Die Rückkehr zur Drachme wäre laut Sinn der "einfachere Weg".

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