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Schuldenkrise in USA: Der Welt droht ein neuer Finanzcrash


US-Zahlungsausfall  

US-Schuldenstreit: Der Welt droht ein neuer Finanzcrash

t-online.de - Frank Lansky

29.07.2011, 14:10 Uhr
Schuldenkrise in USA: Der Welt droht ein neuer Finanzcrash. Die US-Schuldenkrise schwelt weiter (Foto: imago)

Die US-Schuldenkrise schwelt weiter (Foto: imago)

In den USA schwelt die Schuldenkrise: Sollte bis zum 2. August kein Kompromiss zwischen US-Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern über die Anhebung des Schulden-Niveaus gefunden werden, droht ein teilweiser Zahlungsausfall der USA. Analysten glauben zwar überwiegend an eine Lösung– schon in früheren Zeiten wurde der Streit um die Staatsausgaben in letzter Minute beigelegt. Doch falls dies nicht gelingt, droht eine globale Schockreaktion am Finanzmarkt, die die Finanzkrise von 2007 in den Schatten stellt, wie t-online.de im Gespräch mit Experten erfuhr.

Der US-Schuldenstreit hat Tradition

Wie sich die Zeiten ändern: Im Jahr 2006 wetterte Senator Barack Obama gegen eine Erhöhung des US-Schuldenlevels durch die Regierung von George W. Bush. Dies sei ein Zeichen des Versagens der eigenen politischen Führung, die USA seien bei der Finanzierung ihrer rücksichtslosen Steuerpolitik abhängig von der finanziellen Unterstützung aus dem Ausland. Washington belaste mit seiner schlechten Politik die Kinder und Enkel, zitiert das US-Magazin "National Review" in seiner Online-Ausgabe den jetzigen US-Präsidenten.

Nun sind die Rollen vertauscht: Obama will mehr Schulden aufnehmen, die Republikaner spielen die Sparkommissare. Falls keine Einigung gelingt, muss sich die Finanzwelt auf heftige Turbulenzen einstellen.

US-Finanzministerium muss die Gläubiger beruhigen

Eine Prognose für den Fall der Fälle sei schwierig, urteilte Analyst Bastian Hepperle von der WestLB im Gespräch mit t-online.de – denn bis auf das Jahr 1979 gebe es kaum Erfahrungen mit einem teilweisen Zahlungsausfall der USA. Da in den USA die Staatseinnahmen zurzeit nur 60 Prozent der Ausgaben decken, wäre wohl die erste Folge der Stopp von staatlichen Leistungen. So könnten beispielsweise US-Rentner ihre Schecks verspätet erhalten.

Die US-Administration werde wohl mit der Kappung der heimischen Ausgaben beginnen, Renten später zahlen, Nationalparks schließen und Staatsbedienstete in unbezahlten Urlaub schicken, urteilte auch Patrick Franke, Analyst bei der Helaba, im Gespräch mit t-online.de.

Die oberste Priorität des US-Finanzministeriums liege in der  Bedienung der Staatsanleihen, fuhr Hepperle fort: "Die USA wollen unbedingt die Flucht aus den Treasuries verhindern". Darauf deuteten die jüngsten Signale aus der US-Politik hin – so hat US-Außenministerin Hillary Clinton während ihrer jüngsten Asien-Reise um Vertrauen geworben.

Drohende Verkaufswelle von US-Anleihen

Doch Mitte August werde es ernst, denn dann seien Zinszahlungen in Höhe von rund 30 Milliarden Dollar fällig, warnte Franke. Der Experte der Hessischen Landesbank glaubt, dass spätestens dann ein technischer Default ausgerufen werde – "bei einem solchen Zahlungsausfall hätten wir eine echte Katastrophe mit dem Potenzial eines vielfach verstärkten Lehman-Crashs - dann würde ein Unsicherheitsschock den Markt erfassen“.

Genau wie in der Finanzkrise von 2007 würde sich laut Franke das Misstrauen durch den Markt fressen: Niemand wisse, ob der Geschäftspartner nicht genau jetzt auf Zinszahlungen des US-Finanzministeriums warte und ob er wegen der ausbleibenden Überweisung umkippen werde. Das Ganze könne eine echte Kettenreaktion auslösen: Wer schnell Geld brauche, müsste Aktien oder andere Anleihen auf den Markt werfen, um über die Runden zu kommen.

Eine Verkaufswelle hätte schwerwiegende Folgen: Zum einen würde der Dollar geschwächt, wenn ausländische Anleger sich von den Papieren trennen. Ferner müssten Banken laut WestLB-Volkswirt Hepperle früher oder später ihre Bestände an US-Staatsanleihen abschreiben. Das wiederum würde ein Problem für die Kreditinstitute bedeuten, die wegen der Verluste weniger Darlehen vergeben würden – und das würde vor allem die angeschlagene US-Volkswirtschaft weiter abwürgen. Dies könne eine rezessive Entwicklung nach sich ziehen bis hin zur Gefahr einer neuen Deflation wie nach der US-Finanzkrise aus dem Jahr 2007/2008, als einige Banken und Auto-Hersteller kurz vor dem Umkippen standen.

Selbst gekappte US-Ausgaben reichen vielleicht nicht

Wahrscheinlich werde der Streit um die US-Schuldenobergrenze auf eine Kürzung der Ausgaben um 2000 bis 3000 Milliarden Dollar innerhalb von zehn Jahren hinauslaufen, ergänzte der Experte der Westdeutschen Landesbank weiter. Selbst in diesem Fall sei aber das Problem nicht gelöst, denn auch dann drohe eine Herabstufung durch die Ratingagenturen. Standard & Poor's beispielsweise verlange eine Kappung von vier Billionen Dollar.

Eine Herabstufung werde zwar allenfalls von AAA auf AA erfolgen. Dadurch würde aber in jedem Fall die Aufnahme neuer Schulden für die USA teurer werden. Bei einem Downgrade müssten laut Hepperle außerdem manche Kapitalanlagegesellschaften ihre US-Bonds verkaufen, weil sie aufgrund von Anlagerestriktionen nur AAA-Anleihen halten dürfen.

Überschuldung überall

Alles in allem sei das US-Problem angesichts der allgemeinen Überschuldung der Staaten der westlichen Welt derzeit besonders brisant, fuhr der Experte der WestLB fort. Zwar sei der Markt für US-Staatsanleihen für Investoren überall auf der Welt enorm attraktiv, weil er sehr liquide und groß sei. So waren Ende 2010 US-Staatsanleihen im Wert von 9,3 Billionen US-Dollar im Umlauf. Der Markt für europäische Staatsanleihen sei nur etwas mehr als halb so groß.

Doch im Grunde sei das Vertrauen in die Fähigkeit der USA, ihre Schulden zu tilgen, angesichts der hohen Staatsverschuldung nicht ganz gerechtfertigt, urteilte Hepperle weiter. Für Investoren sei eine Staatsverschuldung von 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bedenklich, ab 110 Prozent werde eine Stabilisierung und Rückführen des Schuldenstands immer schwieriger.

Tatsächlich sind laut dem Volkswirt der WestLB die kritischen Levels mittlerweile in vielen Ländern überschritten: So belaufe sich die Gesamtverschuldung in Deutschland laut OECD-Berechnung schon auf rund 84 Prozent. In den USA betrage das Schulden-Niveau inklusive aller Kommunen und US-Bundesstaaten schon rund 94 Prozent – und das sei genauso viel wie in Portugal. "Vielleicht müssen wir also den Euro-Rettungsschirm ausweiten", kommentierte Hepperle sarkastisch.

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