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Schuldenkrise: Der Fluch der Sparpakte für Europa


Sparfluch schadet Europa mehr als den USA

04.08.2011, 10:22 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Schuldenkrise: Der Fluch der Sparpakte für Europa. Bedroht Europa nach dem Schuldensumpf jetzt auch noch der Sparfluch? (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Bedroht Europa nach dem Schuldensumpf jetzt auch noch der Sparfluch? (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Es ist ein Teufelskreis: Fast überall in der Welt steigen die Schulden, und nun machen Sparpakete auch noch das letzte bisschen Wachstum zunichte. Die Krise droht zum unlösbaren Problem zu werden - vor allem für die Staaten in Südeuropa.

Wer einmal in der Klemme steckt, kommt kaum mehr heraus. Das ist zumindest der Eindruck, den man nach gut einem Jahr Staatsschuldenkrise bekommen kann. Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien, USA, Großbritannien: All diese Länder haben ein Schuldenproblem, alle haben Sparpakete verabschiedet - und in allen lahmt die Konjunktur, wenn auch unterschiedlich stark.

Sparpakete bremsen den Konsum

Dass Schulden- und Wachstumskrise in diesen Ländern zusammenfallen, ist kein Zufall: Jedes Sparpaket bremst den Konsum und damit das Wachstum. Fehlendes Wachstum wiederum führt zu sinkenden Steuereinnahmen - und führt zu noch höheren Schulden. Ein Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist.

Erst recht nicht, wenn hochnervöse Finanzmärkte hinzukommen, die am liebsten alles auf einmal wollen: Gigantische Sparpakete und rasantes Wachstum. Wenn sie nicht beides haben können, senken sie den Daumen. Die Rating-Agenturen stufen die Kreditwürdigkeit herab - und die Investoren verkaufen die Staatsanleihen. Derzeit trifft es zum Beispiel Spanien und Italien. "Es gibt eine sehr negative Grundstimmung an den Finanzmärkten", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Viele Anleger neigen dazu, immer das schlechteste Szenario anzunehmen."

Wie stark das Wachstum leidet

Ganz unbegründet ist die Angst der Anleger nicht. Zwar gibt es Möglichkeiten, die Staatsfinanzen wachstumsschonend zu konsolidieren, etwa durch langfristige Reformen, auf die sich alle Beteiligten besser einstellen können. Doch ein bisschen wird das Sparen immer auf Kosten des Wachstums gehen. "Bei Ausgabenkürzungen gibt es eine Faustregel", erklärt Schmieding. "Wenn man einen Euro spart, kostet das die Wirtschaft einen halben Euro." Oder anders ausgedrückt: Wenn man Ausgaben in Höhe von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kürzen will, muss man damit rechnen, dass die Wirtschaftsleistung um ein halbes Prozent schrumpft.

Griechenland zum Beispiel will zwischen 2010 und 2015 insgesamt 40 Milliarden Euro sparen. Das entspricht rund 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und würde laut der Faustformel 8,5 Prozent Wachstum kosten. Wahrscheinlich wird es sogar noch schlimmer kommen: Im vergangenen Jahr ist die griechische Wirtschaft bereits um 4,5 Prozent geschrumpft. In diesem Jahr soll es Schätzungen zufolge nochmals um rund 3,5 Prozent nach unten gehen. Entsprechend sinken die Steuereinnahmen. "Das Beispiel Griechenland hat gezeigt: Man kann sich auch kaputtsparen", sagt Schmieding.

Die USA haben bessere Chancen

Die USA kommen mit ihrem Sparpaket zwar auf ähnlich hohe Zahlen: Sie wollen 2,4 Billionen Dollar und damit rund 16 Prozent des BIP einsparen. Allerdings strecken sie die Zumutungen über einen doppelt so langen Zeitraum wie in Griechenland. "Die USA haben eine riesige Binnenwirtschaft und genießen immer noch großes Vertrauen an den Finanzmärkten", sagt Schmieding. "Deshalb können sie es sich leisten, die Sparmaßnahmen zu vertagen. Die Euro-Länder können das nicht."

In der Tat stehen Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien nicht nur unter dem Druck der Finanzmärkte, sondern auch unter dem der europäischen Geberstaaten, allen voran Deutschland. Sie drängen die verschuldeten Nachbarländer zum harten Sparen - und erschweren damit eine baldige Konjunkturerholung.

Hoffnung ruht auf Wachstums-Staaten

"Solche Sparprogramme bekommt man nur selten so hin, dass das Wachstum nicht darunter leidet", sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Trotzdem sieht er noch eine Möglichkeit, wie die Krisenländer aus ihrem Dilemma herauskommen. "Die gute Nachricht ist, dass nicht die ganze Welt vom Sparzwang betroffen ist." Anders als in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre gebe es diesmal wichtige Regionen der Erde, die noch kräftig wachsen - allen voran die großen Schwellenländer Indien, Brasilien oder auch China. Mayer sieht darin eine Chance: Die Geschäfte mit den Boom-Regionen können das Wachstum in den Krisenländern unterstützen.

Die besten Chancen haben seiner Meinung nach die USA: "Die amerikanischen Unternehmen haben zuletzt gute Geschäftsergebnisse gezeigt. Da scheint es mit dem Export gut zu laufen." Schlechter sieht es dagegen für die südeuropäischen Länder aus, denn die haben kaum mehr etwas, das sie exportieren können. "Sie haben in den vergangenen Jahren viel zu stark auf eine kreditgetriebene heimische Nachfrage gesetzt", sagt Mayer. Nun werde die Umstellung auf den Export sehr schwierig. Für die USA könnte die Schuldenkrise also glimpflich ausgehen. Die Krisenländer Europas dürften dagegen noch sehr lange darunter leiden.

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