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US-Ökonom kritisiert Krisenmanagement der Euroländer


US-Ökonom kritisiert Krisenmanagement der Euroländer

26.08.2011, 16:56 Uhr | dapd, dapd

US-Ökonom kritisiert Krisenmanagement der Euroländer. Joseph Stiglitz hält nichts von Sparzwängen zur Krisenbewältigung (Quelle: dapd)

Joseph Stiglitz hält nichts von Sparzwängen zur Krisenbewältigung (Quelle: dapd)

Investieren statt sparen: Die Ansätze zur Lösung der Schuldenkrise im Euroraum gehen nach Meinung von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz in die falsche Richtung. Um den Euro zu retten, müssten die europäischen Staatenlenker bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Europa muss Geld ausgeben

"Der entscheidende Weg, die Krise in den Griff zu bekommen, ist Wachstum", sagte der US-Ökonom. Zu sparen sei der komplett falsche Weg. Zwar hätten Länder wie Griechenland, die keinen Zugang zu Krediten haben, keine Chance. Dafür müssten Länder mit finanziellem Spielraum mehr ausgeben - und so die Ungleichgewichte in der Eurozone reduzieren. Stiglitz weilt in diesen Tagen bei einem Treffen von Wirtschafts-Nobelpreisträgern auf der Bodenseeinsel Lindau. Er äußerte sich in Interviews der "Financial Times Deutschland" und der Deutschen Welle.

Eine strenge Sparpolitik habe bereits in der ersten großen Weltwirtschaftskrise 1929 in die Katastrophe geführt, sagte der Wissenschaftler. Deutschland sei daher doppelt gefordert. Erstens müsse es den Regierungen der anderen Euroländer helfen. Gleichzeitig müsse es für mehr Wachstum im eigenen Land sorgen, von dem auch die Peripherieländer profitierten.

Unterstützung durch die Regierungen fehlt

Die Eurozone zusammenzuhalten komme alle 17 Länder teuer zu stehen. "Aber diese Kosten sind, verglichen mit den Kosten eines Zusammenbruchs, gering", erklärte Stiglitz weiter. Ein Überleben des Euro sei davon abhängig, "welche Verantwortung die politischen Führer in Europa, besonders in Deutschland, bereit sind zu übernehmen". Da derzeit aber eine deutliche Unterstützung durch die Regierungen fehle, sei das Krisenmanagement der Europäischen Zentralbank (EZB) "das einzig Mögliche, wenn der Euro überleben soll".

Expansive US-Geldpolitik stößt an Grenzen

Eine erneute Rezession in den USA ist nach Meinung von Stiglitz ein ernstzunehmendes Risiko. "Die Gefahr, dass die USA ein Double-Dip-Szenario erleben, ist inzwischen beträchtlich", sagte er. Nötig sei eine Neuauflage des Stimulusprogramms. Die expansive Geldpolitik der USA stoße "an die Grenzen der Wirksamkeit".

Ohne das von Präsident Barack Obama initiierte erste Stimulusprogramm wäre die Wirtschaftskrise 2007/2008 in den USA noch schlimmer ausgefallen. "Die Arbeitslosigkeit wäre dann auf 12,5 Prozent gestiegen", sagte Stiglitz. Dass die wirtschaftliche Schwächephase noch immer andauere, liege an den Nachwirkungen der Fehler der Bush-Administration. Diese seien viel schlimmer als ursprünglich bekannt gewesen.

Wirtschaftsführer haben versagt

Kritik übte der Nobelpreisträger an den "Standardmethoden, die von den Zentralbanken, von leitenden Wirtschaftsführern angewandt wurden". Es habe keine Rezepte gegeben, "uns aus der Krise zu ziehen", sagte er. Deshalb müssten gerade junge Banker und andere Wirtschaftsexperten dazu gebracht werden, ihre besondere Verantwortung zu erkennen.

Eine erhebliche Mitschuld an den aktuellen weltwirtschaftlichen Turbulenzen gab der Volkswirt seiner eigenen Zunft. Der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan habe sich im Nachhinein überrascht gezeigt, dass die Selbstregulierung der Märkte nicht funktioniere. "Was mich wirklich erstaunt hat, war, dass Greenspan das erstaunt hat", erklärte Stiglitz.

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