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Ackermann kanzelt eigene Branche ab


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Ackermann kanzelt eigene Branche ab

05.09.2011, 17:24 Uhr | dpa-AFX, dapd, mash, t-online.de, dpa-AFX, dapd

Ackermann kanzelt eigene Branche ab.  Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (Quelle: dpa)

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (Quelle: dpa)

Die Anleger sind hochnervös, die Kurse bewegen sich jenseits von normalen Ausschlägen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht in den aktuellen Marktturbulenzen Anzeichen von "Übertreibungen, wenn nicht gar Panik, und Herdenverhalten." Auf einer Tagung in Frankfurt hat er seiner eigenen Branche deshalb kräftig die Leviten gelesen. Er verbittet sich auch Kritik an der Unterstützung von Problemstaaten in der Eurozone wie Griechenland und widerspricht IWF-Chefin Lagarde.

Herdenverhalten statt Orientierung an fundamentalen Daten

Viele Annahmen über das Funktionieren der Märkte hätten sich in der Finanzkrise 2007/2008 als ungültig erwiesen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt. Die Akteure orientierten sich deshalb momentan noch mehr als sonst an anderen Marktteilnehmern, "in dem nachvollziehbaren Kalkül, dass es immer noch besser ist, kollektiv als alleine falsch zu liegen".

In das Bild passe, dass die Märkte für Staatsanleihen stark schwankten, auch in Deutschland und den USA. Selbst der Aufwärtstrend des Goldpreises verlaufe nicht stetig. "Seit Jahresbeginn haben manche europäische Banken sogar ein Drittel und mehr ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt."

Banken heute mit mehr Eigenkapital

"All dies erinnert an den Herbst 2008, obwohl der europäische Bankensektor im Vergleich zu damals heute deutlich besser kapitalisiert und weniger von kurzfristiger Liquidität abhängig ist", sagte Ackermann. Außerdem hätten die Banken weniger toxische Aktiva in ihren Bilanzen, und das Risikomanagement habe sich verbessert. Für die Deutsche Bank selbst schloss Ackermann ein Sparpaket nicht aus, sollten die Turbulenzen an den Finanzmärkten anhalten.

Am Wochenende schlugen bereits die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) Alarm. Weltbank-Präsident Robert Zoellick hatte angesichts von Schuldenkrise und abflauender Konjunktur erklärt, es bestehe das Risiko, "in diesem Herbst in eine neue Gefahrenzone" zu rutschen. IWF-Chefin Christine Lagarde warnte gar vor einem Rückfall in die Rezession. Deshalb müssten etwa wachstumsfördernde Maßnahmen ergriffen werden, "um eine drohende Abwärtsspirale abzuwenden".

"Politik hat wenig Spielraum"

Ackermann sagte hingegen: "Es ist objektiv schwierig einzuschätzen, wie sich die Weltwirtschaft entwickeln wird und ob sich letztlich die Inflations- oder doch eher die Deflationsängste als zutreffend erweisen." Zudem sei noch nicht klar, wie sich die Finanzmarktturbulenzen auf die Realwirtschaft auswirken.

Eines sei angesichts der Löcher in den Staatshaushalten aber klar: Die Wirtschaftspolitik habe wenig oder gar keinen Spielraum, mit Steuersenkungen oder Subventionen gegen eine Wirtschaftsflaute vorzugehen.

Nach Ansicht des Schweizers sind die Banken von den Auswirkungen der Schuldenkrise in vielfältiger Weise betroffen, etwa durch ihr Engagement in den Schuldenländern. Die Aussichten für Europas Banken insgesamt seien im Heimatmarkt nicht gerade rosig. Dabei greife es zu kurz, die Ursachen für die Verwerfungen an den Märkten entweder alleine in der vermeintlichen Unfähigkeit der Politik oder nur in der irrationalen Panik an den Märkten zu sehen.

Ackermann erinnert an eigentliche Aufgabe der Banken

Deutschlands mächtigster Banker spart auch nicht an Kritik für seine eigene Branche: Seit der ersten Phase der Finanzkrise 2007/2008 habe die Banken-Branche zwar die gröbsten Übertreibungen beseitigt. Die Finanzindustrie habe auf diese Fragen "noch keine wirklich überzeugenden Antworten" anzubieten, erklärte Ackermann. "Wir müssen nach meiner Überzeugung unsere gesamte Tätigkeit in allen Bereichen noch einmal gründlich daraufhin überprüfen, ob wir damit unseren genuinen Aufgaben als Diener der realen Wirtschaft gerecht werden."

Zudem werde die Frage "nach der Sinnhaftigkeit manch moderner Finanzprodukte" immer lauter. Der Vorstandschef der führenden deutschen Privatbank sprach dabei auch die "Transaktionsfrequenzen im Takt von Millisekunden" an, also das in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch beäugte Geschäft der Hochfrequenzhändler und Algotrader.

Die Branche müsse aber mehr tun, "und sei es nur, um zu vermeiden, dass die Antworten am Ende durch die Politik gegeben werden und wenig zielführend sind".

"Bisherige Reformschritte reichen nicht aus"

Ackermann sieht denn auch in den aktuellen Turbulenzen an den Märkten einen Beleg dafür, dass weitere Maßnahmen im Finanzsektor ergriffen werden müssen. "Die jüngsten Marktentwicklungen und die Reaktionen von Politik und Öffentlichkeit darauf sind eine Mahnung, dass die bisherigen Reformschritte nicht ausreichen, um das nötige Vertrauen in unsere Branche zu gewährleisten", sagte er.

Von der Politik forderte er die angekündigten Sparankündigungen zügig umzusetzen. Dies seien wichtige Voraussetzungen, dass die derzeitige Finanzkrise nicht noch weiter eskaliert.

Ackermann plädiert für Erhalt der Euro-Zone

Bei seiner Rede trat Ackermann auch Kritik an der Unterstützung von Problemstaaten in der Eurozone wie Griechenland entschieden entgegen. Die Kosten dafür seien "auch und gerade aus der Sicht Deutschlands geringer als die Kosten der Disintegration" der Währungsunion, sagte er.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung der europäischen Integration dürfe zudem nicht zu eng angelegt werden, erklärte Ackermann. "Ich vermisse in der öffentlichen Diskussion bisweilen die größere Perspektive, die sich nicht nur auf die Aufrechnung von Hilfspaketen mit eingesparten Geldwechselgebühren beschränkt", fügte er hinzu. Ohne die Europäische Union wären sämtliche europäischen Staaten "in einigen Jahren politisch wie wirtschaftlich nur noch Randfiguren in der Weltpolitik".

Euro-Bonds erst mit gemeinsamer Wirtschaftspolitik

Die Einführung gemeinsamer Staatsanleihen der Euroländer, sogenannter Euro-Bonds, lehnte Ackermann zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. So etwas sei überhaupt erst denkbar, wenn es eine integrierte europäische Wirtschaftspolitik gebe, wovon die Union aber noch Jahre entfernt sei.

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