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Schuldenkrise: Japan will Europa retten


Hilfe in der Schuldenkrise  

Japan will Europa retten

06.10.2011, 14:27 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Schuldenkrise: Japan will Europa retten. Japan will Euro-Anleihen kaufen - nicht ohne Eigennutz (Quelle: Reuters)

Japan will Euro-Anleihen kaufen - nicht ohne Eigennutz (Quelle: Reuters)

Eigentlich hat Japan genug eigene Probleme: Der Schuldenberg ist gigantisch, die wirtschaftliche Lage mies, die Atomkatastrophe von Fukushima noch lange nicht vorbei. Doch nun bietet ausgerechnet der Krisenstaat der Euro-Zone seine Hilfe an - wie soll das gehen?

Schulden-Weltmeister will Europa helfen

Die Nachricht klingt wie ein Aprilscherz: Mit milliardenschweren Kapitalspritzen will Japan der EU aus der Schuldenkrise helfen. Wie bitte? Ausgerechnet der Schulden-Weltmeister Japan?

Mit einer Staatsverschuldung, die 220 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht, liegt Japan an der Spitze der am meisten verschuldeten Länder der Welt. Zum Vergleich: Griechenlands Schuldenstand beträgt rund 160 Prozent, der deutsche gut 80 Prozent.

Zudem kämpft Japan mit den finanziellen Folgen der Doppelkatastrophe aus Tsunami und Fukushima-GAU. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird der Wiederaufbau in den betroffenen Regionen jährlich zwei bis vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes erfordern.

"Wir schließen weitere finanzielle Hilfen nicht aus"

Doch die Japaner meinen es ernst. Während einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche kündigte der Finanzminister Jun Azumi an, dass Japan sich "so gut wie möglich" an den Rettungsplänen der EU beteiligen werde: "Die europäischen Länder müssen sich an die Vereinbarungen, die im Krisengipfel am 21. Juli beschlossen wurden, streng halten. Wenn die EU ein wirksames Modell für die Bewältigung der Griechenland-Krise aufbringen kann, schließen wir weitere finanzielle Hilfen nicht aus."

Für die japanische Wirtschaftspresse ist die Botschaft eindeutig: Das Land will weitere Euro-Anleihen kaufen. Seit Januar 2011 hat Japan bereits für fast drei Milliarden Euro Wertpapiere des europäischen Rettungsfonds EFSF gekauft - und sich damit einen nennenswerten Anteil gesichert.

Regierung will Aufwertung des Yen aufhalten

Ganz uneigennützig sind die Motive der japanischen Regierung allerdings nicht. Es geht Japan nicht in erster Linie darum, den Europäern ihre Solidarität zu zeigen. Vor allem will sie die Aufwertung des Yen aufzuhalten. Trotz Rekordschulden und Wachstumsschwäche genießt die japanische Währung bei Anlegern nach wie vor einen Ruf als Stabilitätsanker.

Aus Angst vor einem Zerbrechen der Euro-Zone verlegen sie Kapital nach Japan und haben so für das kräftige Plus gesorgt. Bekam man im April noch mehr als 123 Yen für einen Euro, sind es derzeit nur noch rund 105. Damit wurden japanische Produkte im Ausland teurer. Für ein Land, dessen Wohlstand vor allem von Exporten abhängt, ist das keine gute Nachricht.

Takatoshi Ito, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Tokio, ruft die japanische Regierung sogar zu einem noch stärkeren Eingreifen in Europa auf: "Wir sagen, dass die Aufwertung des Yen für uns schädlich ist, tun aber nichts, um den Gründen nachzugehen. Japan muss sich stärker an dem Rettungsplan für die Euro-Zone beteiligen."

"Haben wir nicht genug mit Fukushima zu tun?"

Doch zugleich regt sich auch in Japan Widerstand dagegen, dass der Staat Milliarden für Euro-Anleihen ausgibt, während die Tsunami-Region im Nordosten des Landes noch immer in Trümmern liegt. "Haben wir nicht genug mit der Dekontamination und den Obdachlosen in Fukushima zu tun?", fragt ein Kommentator in einem japanischen Internetforum.

Ein anderer schreibt: "Wenn wir die Staatsschulden Europas ausgleichen können, warum können wir nicht dasselbe mit unseren machen? Der japan-typische Wunsch nach Harmonie und Stabilität ist allerdings auch den Blogs zu entnehmen. Man findet bisweilen Kommentare, die eine überraschende Solidarität mit dem Schicksal Europas zeigen: "Ich weiß nicht, ob wir über das nötige Kapital verfügen. Ich will trotzdem, dass wir uns für Griechenland engagieren."

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