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Schuldenkrise: Amerikaner ziehen Geld aus Auslandsbanken ab


Schuldenkrise  

Amerikaner ziehen Geld aus Auslandsbanken ab

23.12.2011, 14:52 Uhr | dpa, t-online.de - sky, t-online.de, dpa

Schuldenkrise: Amerikaner ziehen Geld aus Auslandsbanken ab . Dramatik am Finanzplatz Frankfurt (Quelle: dpa)

Blick auf das Frankfurter Finanzviertel (Quelle: dpa)

In den USA grassiert das Misstrauen gegenüber Europa: Die US-Kundschaft kehrt ausländischen Banken den Rücken. Seit dem Sommer ziehen die Amerikaner offenbar wegen der Schuldenkrise reihenweise ihr Geld von den US-Töchtern ausländischer Kreditinstitute ab. Das legen zumindest offizielle Zahlen nahe. Auch viele europäische Häuser sind demnach betroffen, darunter die Deutsche Bank.

Einlagen bei US-Banken steigen

Nach Daten der Notenbank Federal Reserve fielen die Einlagen bei US-Töchtern von ausländischen Instituten im November auf 879 Milliarden Dollar (677 Milliarden Euro). Ein Jahr zuvor waren es noch 1056 Milliarden Dollar, bis zum Mai kletterten die Einlagen sogar auf 1171 Milliarden Dollar. Seitdem ging es aber nur noch bergab. Bei den US-Banken zeigt sich für den gleichen Zeitraum das gegenteilige Bild. Hier fließt Geld zu.

Die Zahlen hatte die "Financial Times" zuerst ausgegraben. Ihr Kronzeuge ist ein Analyst einer amerikanischen Bank, die selbst von dem Trend profitiert: "Wir haben von vielen US-Unternehmen gehört, die sich angesichts der Nachrichten sagen, sie hätten gerne etwas Sichereres", zitierte die Zeitung Matt Burnell von Wells Fargo.

Europäer fahren Geschäft herunter

Der Einbruch der Einlagen resultiert aber nicht nur aus dem gestiegenen Misstrauen gegenüber europäischen Banken. So verkleinern etwa viele Institute wie die britische HSBC und die niederländische ING ihr US-Geschäft ganz bewusst. Zudem gilt das von den internationalen Geldhäusern dominierte Geschäft mit langfristigen Sparprodukten in den USA angesichts der niedrigen Zinsen derzeit als wenig attraktiv.

Bei der Deutsche Bank Trust Company Americas gingen die Einlagen im Laufe des dritten Quartals um 2,1 Milliarden Dollar oder 6,8 Prozent zurück, wie aus Daten der staatlichen Einlagensicherung FDIC hervorgeht. Die Bank kommentierte dies nicht. Bei der US-Tochter der britischen Großbank Barclays sanken die Kundengelder um knapp 400 Millionen Dollar oder 5,6 Prozent. Neuere Zahlen liegen nicht vor.

Ratingagenturen nehmen Europas Banken ins Visier

Das Misstrauen der US-Anleger ist insofern verständlich, als dass die - ebenfalls US-amerikanischen - Ratingagenturen seit Monaten gegen die europäischen Banken schießen. Die geäußerte Sorge ist, dass die Häuser in den Strudel der Schuldenkrise gezogen werden. Die Ratingagenturen haben deshalb bereits Bonitätsnoten gesenkt oder derartige Schritte angedroht.

Erst am Mittwoch hatte Fitch mit einem Schlag fünf europäische Häuser abgestuft, darunter allerdings keine deutschen. Bekannteste Bank war die französische Credit Agricole. Eine Abstufung der Kreditwürdigkeit verstärkt den Druck auf die Häuser noch, weil sie sich nun zu schlechteren Konditionen Geld leihen müssen.

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Auch die Europäer misstrauen ihren Banken

Vor allem aber spüren laut Brokern die europäischen Banken deshalb das Misstrauen, weil niemand weiß, wer wie viele Staatsanleihen und direkte Kredite an Krisenstaaten vergeben hat. Vor allem italienische und französischen Banken, die häufig auf Geheiß der Politik agieren, gelten als Kandidaten für starke Engagements in Ländern, die ihre Schulden möglicherweise nicht ganz oder gar nicht zurückzahlen. Auch die Griechen vertrauen ihren Banken nicht und ziehen Geld ab. Da sich die europäischen Banken auch untereinander nicht mehr trauen, besteht die Gefahr einer Kreditklemme.

Weil bei vielen Banken Dollar knapp wurden, starteten die großen Notenbank der Welt bereits Ende November eine gemeinsame Hilfsaktion, um die Liquidität zu sichern. Neben den Einlagen von Kunden stützt sich die Versorgung sonst auch stark auf Geldmarktfonds, die aber zuletzt ebenfalls viel Geld bei den europäischen Banken abgezogen hatten.

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