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Standard & Poor's stuft neun Euroländer herab


Rundumschlag: S&P straft neun Euroländer ab

16.01.2012, 11:10 Uhr | dapd, dpa-AFX, dpa, AFP, AFP, dpa, dpa-AFX, dapd

Tiefschlag für Europa: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat offenbar das Vertrauen in den Reformwillen der Eurozone verloren. Der US-Ratingriese hat mehr als die Hälfte der Staaten innerhalb der Währungsunion herabgestuft. S&P senkte die Bonitätsnoten für langfristige Anleihen von gleich neun Euroländern und versetzte dem Kampf gegen die europäische Schuldenkrise damit einen schweren Schlag. Experten fürchten, dass Deutschland nun einen noch höheren Beitrag zur Euro-Rettung zahlen muss als bisher geplant.

Deutschland bleibt verschont

Frankreich und Österreich verloren ihre Bestnote AAA. Auch das Rating für die Kreditwürdigkeit Italiens und Spaniens wurde gesenkt. Die Schuldverschreibungen von Portugal rutschten auf Ramschniveau. Deutschland behielt hingegen seine Spitzenbewertung.

Frankreich und Österreich verlieren Bestnote

Die Bonitätsnoten von Frankreich und Österreich wurde von AAA um eine Stufe auf AA+ gesenkt. Die Kreditwürdigkeit Italiens wurde von der Note A um zwei Stufen auf BBB+ abgestuft. Die Bonität Spaniens wird statt wie bisher mit AA- fortan mit der Note A bewertet. Die Bewertung von Portugal und Zypern wurde ebenfalls um zwei Stufen gesenkt. Betroffen von einer Herabstufung waren auch Malta, die Slowakei und Slowenien.

"Unserer Ansicht nach waren die politischen Initiativen der vergangenen Wochen nicht ausreichend, um den anhaltenden systemischen Belastungen der Eurozone angemessen zu begegnen", hieß es in der Begründung von S&P. Bereits im Dezember hatte die Ratingagentur 15 europäische Staaten vor einer Abstufung gewarnt und mehr Einsatz im Kampf gegen die Schuldenkrise gefordert.

Paris bleibt gelassen

Der französische Finanzminister François Baroin sagte im Fernsehsender France-2 Television, der Verlust der Bestnote AAA sei keine Katastrophe und betonte, Frankreich verfüge noch immer über die solide Bonitätsnote AA+. "Die Vereinigten Staaten, die größte Volkswirtschaft der Welt, wurde im vergangenen Sommer herabgestuft", sagte Baroin. "Man muss da verhältnismäßig bleiben und die Ruhe bewahren. Es ist wichtig, das französische Volk nicht zu verängstigen."

EU-Währungskommissar Olli Rehn erklärte, er bedauere die Entscheidung von S&P und nannte die Herabstufung "inkonsistent". Die Eurozone habe entschiedene Schritte in allen Bereichen unternommen, um der Krise zu begegnen. Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker erklärte, die Staaten der Eurozone hätten bereits weitreichende Maßnahmen ergriffen, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Die Länder seien bereit, "alles zu tun, was nötig ist", um die Schuldenkrise zu meistern und für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen.

Merkel: "Entscheidung zur Kenntnis genommen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Samstag: "Wir sind jetzt aufgefordert, den Fiskalpakt schnell umzusetzen." Die Aktion von S&P sei nicht überraschend gekommen. "Wir haben diese Entscheidung zur Kenntnis genommen", so Merkel. Zugleich betonte die Bundeskanzlerin: "Das ist eine von drei Ratingagenturen".

FDP-Finanzexperte Frank Schäffler fürchtet direkte Konsequenzen für Berlin. Alleine die Herabstufung von Frankreich und Österreich führe dazu, "dass Deutschland nicht mehr rund 40 Prozent, sondern fast 75 Prozent zum Triple-A des Euro-Rettungsfonds EFSF beiträgt", sagte Schäffler "Handelsblatt Online".

Der deutsche Garantierahmen von 211 Milliarden Euro werde daher nicht ausreichen, um das ursprünglich geplante Hilfsvolumen des EFSF zu erreichen. "Das wird auf Dauer auch das deutsche Rating belasten", warnte Schäffler, der ein Kritiker des deutschen Vorgehens bei der Euro-Rettung ist. Die "Sozialisierung von Verlusten" dürfe nicht immer weiter gehen.

Bundeskanzlerin prüft Gesetzesänderungen

Um die Bedeutung der Ratingagenturen zu begrenzen, kann sich Merkel vorstellen, die gesetzlichen Vorschriften zur Berücksichtigung solcher Ratings zu lockern. Die Politik solle sich "anschauen, wie man hier Gesetzesänderungen machen könnte", sagte Merkel. Derzeit drohe durch die strikten Vorschriften, wonach beispielsweise Versicherer nur bestens bewertete Staatsanleihen kaufen dürfen, ein "sich selbst verstärkender Effekt", sagte Merkel. Schlechter bewertete Papiere müssen demnach abgestoßen werden und verlieren so zusätzlich an Wert.

Bevorstehende Abstufungen sorgten für Kursrutsch

Bereits vor der Veröffentlichung der neuen Bonitätsnoten hatten am Freitag entsprechende Gerüchte für Verluste an den Börsen gesorgt. In New York gab der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte um 0,5 Prozent nach, in Deutschland sank der DAX um 0,6 Prozent, in Großbritannien schlossen die Börsen mit einem Verlust von 0,5 Prozent und in Frankreich büßten die Aktienkurse 0,1 Prozent ein.

Zuletzt hatten positive Nachrichten von den europäischen Anleihemärkten noch für gute Stimmung gesorgt. Italien musste bei der bislang letzten Auktion von Schuldverschreibungen deutlich geringere Zinsen als zuvor zahlen, Spanien konnte bei einer Versteigerung von Staatspapieren mehr als doppelt soviel Geld erlösen, als zuvor erwartet.

"Die Auktionen in der Eurozone waren gewonnene Schlachten, der Krieg ist noch lange nicht gewonnen", sagte Finanzstratege Marc Ostwald von Monument Securities. "Diese Versteigerungen werden noch für eine lange Zeit Marktrisiken darstellen."

Rettungsfonds EFSF noch mit Top-Rating

Die Herabstufung der Bonitätsnoten könnte die Kreditkosten für die betroffenen Staaten in die Höhe treiben, da Anleger eine finanzielle Kompensierung für das gestiegene Risiko erwarten. Der europäische Rettungsfonds EFSF selbst verfügt derzeit noch über die Bestnote AAA.

Ohne Paris schrumpft Rettungskredit

Die Herabstufung Frankreichs dürfte jedoch langfristig ein Loch in die Finanzierung reißen. Der französische Anteil von rund 160 Milliarden Euro kann nun vermutlich nicht länger für die Ausgabe von AAA-Anleihen zur Finanzierung von Rettungsprogrammen für Pleitekandidaten genutzt werden. Ohne den Anteil aus Paris würde die Kreditsumme auf unter 300 Milliarden Euro schmelzen.

Das Finanzunternehmen Janney Montgomery Scott warnte bereits, dass nach der Herabstufung Frankreichs auch die Kreditkosten des EFSF steigen könnten. "Es gibt berechtigte Gründe besorgt zu sein", sagte Analyst Guy LeBas. "Ein schwächeres Frankreich führt zu einem schwächeren Rettungsfonds."

Experte: "Das wird schnell wieder vergessen"

Andere Beobachter bewerteten die Herabstufung seitens S&P als weniger dramatisch. "Das sorgt für einen oder zwei Tage für schlechte Schlagzeilen", sagte Jacob Funk Kirkegaard vom Peterson Institute for International Economics. "Aber es gibt keine neuen Informationen. Das wird schnell wieder vergessen sein."

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