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Nach dem S&P-Schock: Wolfgang Schäuble warnt vor Dramatisierung


Rating-Herabstufung  

Nach dem S&P-Schock: Schäuble warnt vor Dramatisierung

16.01.2012, 13:34 Uhr | dpa, dapd, t-online.de - mmr, dpa, dapd, t-online.de

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) konnte die Finanzmärkte mit ihrem Rundumschlag anscheinend nur kurzzeitig verunsichern. Nach den heftigen Reaktionen vom Freitag ließen die Anleger es zum Auftakt der neuen Handelswoche an den Märkten vergleichsweise gelassen angehen. Der Euro konnte sich nach seinem am frühen Morgen erreichten 16-Monatstief stabilisieren. Finanzminister Wolfgang Schäuble warnte vor einer Dramatisierung der Lage und will den Einfluss von Ratingagenturen künftig zurück drängen.

Urteil von S&P angezweifelt

Nach der Bonitätsabstufung zahlreicher Euro-Länder hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das Urteil der Ratingagentur S&P angezweifelt. "Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben", sagte Schäuble am Montag im Deutschlandfunk. "Darüber hinaus hat Standard & Poor's vielleicht auch nicht ausreichend bewertet, was alle Länder in Europa, die betroffen sind von den Schwierigkeiten, schon an Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Defizite in Kraft gesetzt haben."

Einfluss eindämmen

Schäuble sprach sich zudem dafür aus, den Einfluss von Ratingagenturen zurückzudrängen. "Wir müssen in der Banken- und Versicherungsaufsicht darüber nachdenken, wie wir die Rolle der Ratingagenturen darauf beschränken können, was sie tatsächlich sind", sagte Schäuble. "Darüber hinaus arbeiten wir in Europa an Regeln, die Ratingagenturen bestimmte Transparenz-Verpflichtungen auferlegen und auch sicherstellen, dass Ratingagenturen nicht noch eigene Geschäftsinteressen haben." Die Europäische Kommission habe Vorschläge gemacht, die derzeit intensiv beraten würden. "Es besteht dringender Handlungsbedarf."

Schäuble: "Ratingagenturen ringen um Aufmerksamkeit"

Zudem glaubt er nach eigenen Worten, dass es den Ratingagenturen vor allem auch um ein "hohes Maß an Werbung" für sie selbst gehe. "Ich habe manchmal mehr den Verdacht, dass die Ratingagenturen, die ja auch in einem Wettbewerb untereinander stehen, natürlich auch um öffentliche Aufmerksamkeit ringen." Der US-Ratingriese S&P hatte am Freitag neun Euroländern schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit verpasst - darunter Europas zweitgrößte Volkswirtschaft Frankreich sowie Österreich, die beide ihr Top-Rating "AAA" verloren.

Ohne Ende Geld drucken - nicht in Europa

Schäuble hat derweil einer stärkeren Einbindung der Europäischen Zentralbank bei der Lösung der Schuldenkrise sowie gemeinsamen Eurobonds erneut eine Absage erteilt. Das Modell der USA, ohne Ende Geld zu drucken, funktioniere in Europa ganz sicher nicht. Die Euro-Schuldenkrise könne nicht gelöst werden, indem die EZB wie die US-Notenbank Fed die Notenpresse anwirft. Das Vertrauen in die Euro-Zone ginge dann verloren. Schäuble warnte vor einer Dramatisierung der Lage. Sie sei schwierig, aber nicht dramatisch.

Garantierahmen für EFSF reicht aus

Die Garantien der Euro-Staaten für den Rettungsschirm EFSF müssen nach Ansicht des Bundesfinanzminister nicht weiter angehoben werden. "Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten an Aufgaben hat, reicht der Garantierahmen bei weitem aus", sagte Schäuble im Deutschlandfunk. Im vergangenen Oktober hatten sich die Euro-Staaten darauf geeinigt, die Garantien des Euro-Rettungsschirms auf 780 Milliarden Euro anzuheben. Davon stehen allerdings nur 440 Milliarden Euro für Hilfen konkret zur Verfügung. Deutschland schultert rund 211 Milliarden Euro. Allerdings bezweifeln Experten nach der Herabstufung Frankreichs durch Standard & Poor's, dass der Schirm ohne zusätzliche Maßnahmen selbst sein Top-Rating behalten kann.

Euro und Gold reagieren nicht wesentlich

Der Euro blieb am Montag zunächst unter Druck. Nach Verlusten im frühen asiatischen Handel bis auf 1,2623 US-Dollar wurde die Gemeinschaftswährung am Vormittag allerdings bereits leicht erholt bei 1,2674 Dollar gehandelt. Der Gold-Preis, von vielen Marktbeobachtern als wichtiger Krisenindikator gesehen, hat seit Freitag ebenfalls nicht stark reagiert.

Deutsche Staatsanleihen leicht nachgebend

Auch der deutsche Anleihemarkt hielt sich zum Wochenauftakt nahe Freitagsniveau. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg am Morgen zunächst um 0,4 Prozent auf 140,16 Punkte - nach einem neuen Rekordhoch am Freitagnachmittag bei 140,23 Punkten. Die Renditen für fünf- und dreißigjährige deutsche Staatsanleihen waren auf historische Tiefststände gefallen. Am Montag-Vormittag sank der Bund-Future wieder deutlich unter die 140er-Marke.

Italien-Anleihen ruhig

Auch der Sekundärmarkt für Staatstitel der Euroländer - angesichts des enormen Refinanzierungsbedarfs des größten Krisenlands Italien einer der wichtigsten Gradmesser für die Eskalation der Schuldenkrise - zeigte keine Alarmsignale. Die Renditen für zehnjährigen italienische Anleihen legten am Montag zwar spürbar zu, blieben mit 6,71 Prozent jedoch deutlich unter der als längerfristig unzumutbar geltenden Marke von 7,0 Prozent. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone muss in den kommenden drei Monaten mehr als 140 Milliarden Euro an fälligen Schulden an Gläubiger zurückzahlen. Insgesamt beläuft sich der Refinanzierungsbedarf in diesem Jahr auf rund 300 Milliarden Euro.

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