Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Thomas Cook: Buchungen für Griechenland-Reisen brechen ein


Schuldenkrise  

Randale in Griechenland - Tourismus bricht ein

21.05.2012, 12:58 Uhr | AFP

Thomas Cook: Buchungen für Griechenland-Reisen brechen ein. Viel Platz in Patras (Quelle: dpa)

Viel Platz in Patras (Quelle: dpa)

Hier kommt die Quittung für die Randale in Athen: Das Chaos in Griechenland im Zuge der Schuldenkrise hat den wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus auf die Knie geschickt. "Nach den Wahlen am 6. Mai sind die Buchungen um 50 Prozent eingebrochen. Schuld ist die politische Unsicherheit", sagt George Drakopoulos, der Chef des Verbandes griechischer Tourismusunternehmer SETE. "Die Hotels machen attraktive Angebote. Aber den Griechenland-Urlaubern geht die Sicherheit über das Preis-Leistungsverhältnis."

Touristen bleiben aus Hellas fern

Der Tourismus ist eines der Aushängeschilder der griechischen Wirtschaft, die Branche beschäftigt laut SETE direkt und indirekt 768.000 Menschen und sorgt für 15,7 Prozent der Einnahmen des Landes. Die Saison 2011 war besonders profitabel. Die Umbrüche in Nordafrika bescherten der Tourismusindustrie einen Zuwachs von zehn Prozent.

Doch seit Anfang des Jahres seien die Buchungen um 25 bis 30 Prozent zurückgegangen, seit den Wahlen laufe gar nichts mehr, sagt Panagiotis Moriatis.

Wie immer sind die Medien schuld

Der Manager ist der Vorsitzende des Hotelier-Verbandes in Nafplio, einem beliebten Urlaubsziel in der Nähe des zum Weltkulturerbe zählenden antiken Theaters von Epidaurus. Seiner Meinung nach sind die Berichte über die zum Teil gewalttätigen Demonstrationen im historischen Zentrum der Hauptstadt mitverantwortlich. "Die ausländischen Medien berichten nur über die Probleme in Athen. Vom Rest des Landes zeigen sie gar nichts", sagt Moriatis.

Das sieht auch der Reisekonzern Thomas Cook so. Bilder von gewalttätigen Demonstrationen in den Großstädten schreckten die Reisenden ab, obwohl die Lage in Urlaubszielen wie Kreta und Rhodos friedlich sei, sagte Touristik-Geschäftsführer Michael Tenzer "Euro am Sonntag". Ihm zufolge lagen die Buchungen in der deutschen Reisebranche Anfang der Sommersaison "um 30 Prozent unter dem Vorjahr". Bis zu den Wahlen hätten sie zwar wieder etwas zugelegt, mit der Diskussion um Neuwahlen und den Euro-Ausstieg sei es aber wieder abwärts gegangen - trotz deutlicher Preisnachlässe von bis zu 20 Prozent.

Deutsche Touristen in Sorge

Dennoch wollen einige Tourismusexperten die Saison noch nicht verloren geben. "Griechenland hat eine Menge treuer Fans. Das sind Leute, die das Land aus erster Hand kennen und sich nicht von den Medien beeinflussen lassen", sagt John Kester von der UN-Tourismusorganisation in Madrid (UNWTO).

Das gelte grundsätzlich auch für deutsche Griechenland-Urlauber, sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband. Sie widerspricht den in Griechenland verbreiteten Befürchtungen, gerade die Deutschen könnten das Land meiden. Da der den Griechen auferlegte strenge Sparkurs vor allem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Verbindung gebracht werde, hätten deutsche Urlauber Angst vor dem Groll der Griechen, mutmaßen griechische Tourismusexperten.

Die Branche bereitet sich auf die Drachme vor

In Großbritannien, Italien und Österreich verzeichnen Reiseunternehmen wenn überhaupt jedenfalls nur einen geringen Rückgang der Buchungen. "Griechenland ist ein beliebtes Ziel für unsere Kunden", sagt beispielsweise ein TUI-Sprecher in Großbritannien. Vielen Franzosen ist jedoch die Lust auf einen Urlaub an griechischen Stränden vergangen. "Die Buchungen für den Sommer sind um 30 Prozent gesunken", sagt René-Marc Chikli vom Verband der französischen Reiseunternehmen.

Einige Reiseveranstalter bereiten sich bereits auf den Fall vor, dass Athen aus der Eurozone ausscheidet. "Dann können sie sehr schnell die Verträge mit den Hotels neu aushandeln", sagt Chikli.

Eine Rückkehr der Griechen zur alten Währung Drachme könnte für deutsche Reiseunternehmer interessant sein, da sie saftige Gewinne durch den Wechselkurs machen könnten, sagt Peter Voigt, Professor für Tourismus in München. Für die Urlauber sei diese Entwicklung riskanter, vor allem wenn es eine galoppierende Inflation gebe, sagt der Wissenschaftler und verweist auf Argentinien: Auf dem Höhepunkt der dortigen Krise Anfang des Jahrtausends habe dort eine Tasse Kaffee teils 15 Dollar gekostet.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal