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IWF-Chefin: Kein Mitleid mit den Griechen


IWF-Chefin: Kein Mitleid mit den Griechen

28.05.2012, 10:26 Uhr | t-online.de, AFP, dpa-AFX

IWF-Chefin: Kein Mitleid mit den Griechen. IWF-Chefin Lagarde will Griechenland weiter in die Pflicht nehmen (Quelle: dpa)

IWF-Chefin Lagarde soll bei Lösung der Griechenland-Probleme mithelfen (Quelle: dpa)

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF, Christine Lagarde, hat nur begrenzt Mitleid mit den vom Sparzwang gebeutelten Griechen. "Ich finde, sie sollten sich alle zusammen selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen", sagte Lagarde in einem Interview der britischen Zeitung "The Guardian". Ihre klaren Worte haben in Griechenland inzwischen zu scharfen Reaktionen geführt. Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos sprach von einer Beleidigung.

IWF bleibt hart

Lagarde hatte betont, der Druck auf Griechenland seitens des IWF werde nicht verringert. Auf die Frage, ob sie Gedanken daran ausblenden könne, dass Mütter in Griechenland keine Hebammen und Patienten keine lebenswichtigen Medikamente bekommen könnten, antwortete sie: "Ich denke mehr an die kleinen Kinder in einer kleinen Dorfschule in Niger, die zwei Stunden am Tag Schule haben, während sie sich zu dritt einen Stuhl teilen, und die sehr darauf erpicht sind, eine Ausbildung zu bekommen. Sie sind die ganze Zeit in meinem Kopf. Denn ich glaube, sie brauchen noch mehr Hilfe als die Menschen in Griechenland."

Griechische Eltern müssten Verantwortung für ihre Kinder übernehmen, indem sie ihre Steuern zahlten, sagte Lagarde. Die Zeitung fragt auch, ob Lagarde ähnlich wie andere in Europa denke, Griechenland habe es sehr gut gehabt und müsse nun dafür zahlen. Ihre Antwort: "Das ist richtig." Es sei die Aufgabe des IWF und ihr Job, die Wahrheit zu sagen und den Ländern harte Konditionen aufzuerlegen.

Venizelos sieht Griechen beleidigt

In Griechenland wurde Lagardes Kritik empört zurückgewiesen. Die IWF-Chefin habe "die Griechen beleidigt", erklärte der Vorsitzende der Sozialisten, Evangelos Venizelos, laut einem Fernsehbericht. Er verlangte von Lagarde, sich erneut zu überlegen, was sie denn wirklich sagen wollte. Sie sollte diese Aussagen zurücknehmen.

Empörung in Hellas

"Das Letzte was wir brauchen, ist das Mitleid der Frau Lagarde", sagte der Chef des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza) Alexis Tsipras. Seine Landsleute aus der Mittelschicht zahlten bereits "unerträgliche" Steuern. Bezüglich Steuerbetrügern solle sie sich an Sozialisten und Konservative wenden, deren bisherige Regierung "das große Geld" verschont habe.

"Ich verstehe nicht, was das soll", sagte Giannis Michelakis, der Sprecher der griechischen konservativen Partei Nea Dimokratia. "Es ist als ob man den Kranken, dem man die falsche Medizin gegeben hat, zur Verantwortung zieht."

Zeitplan für Griechenland strecken

Weniger kategorisch als Lagarde äußerte sich inzwischen EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zur Situation in Hellas. Er sprach sich dafür aus, den Zeitplan für den von Griechenland verlangten Spar- und Reformkurs zu strecken. Politik sei "immer auch ein dynamischer Prozess", sagte Schulz dem "Tagesspiegel".

Die griechische Wirtschaft befindet sich das fünfte Jahr in Folge in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der Europäischen Union und des IWF hatte sich die Anfang Mai abgewählte griechische Regierung aus Sozialisten und Konservativen zu einem drastischen Sparprogramm verpflichtet. Nach der Wahl, bei der sparkursfeindliche Parteien großen Zuspruch erfuhren, kam keine neue Regierung zustande, weshalb am 17. Juni erneut gewählt werden soll.

Schweiz bereitet sich auf Euro-Austritt Griechenlands vor

Hinsichtlich eines möglichen Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone sagte der schweizerische Notenbankchef Thomas Jordan der "Sonntagszeitung", sein Land müsse "für den Fall der Fälle vorbereitet sein, dass die Währungsunion zusammenbricht, obwohl ich nicht damit rechne". Martin Zielke, Mitglied im Vorstand der Commerzbank, sagte dem Berliner "Tagesspiegel", es sei "schlicht ein Gebot der Verantwortung, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten".

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