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Euro-Krise lodert wieder auf - kommt globale Finanzkrise?


Eurokrise  

Euro-Krise lodert wieder auf - Weltbank warnt vor globaler Finanzkrise

12.06.2012, 19:49 Uhr | dpa, t-online.de

Euro-Krise lodert wieder auf - kommt globale Finanzkrise? . Die labile Situation um Griechenland könnte in einer globalen Finanzkrise münden  (Quelle: dapd)

Lage in Griechenland immer düsterer (Quelle: dapd)

Europa steht mal wieder am Scheideweg. Spanien bleibt massiv unter Druck, Italien rückt erneut ins Blickfeld und Griechenlands Zukunft ist völlig ungewiss. Die Eurokrise ist mit voller Wucht zurück, an den Märkten herrschen panikartige Zustände. Selbst die sonst eher zurückhaltende Weltbank warnt vor einer globalen Finanzkrise, wenn sich die Probleme in Europa verstärken. Und Kanzlerin Angela Merkel läuft die Zeit davon.

Weltwirtschaft könnte in den Strudel geraten

Das nervenzerrende Auf und Ab in der europäischen Schuldenkrise ist eine Belastung für die gesamte Weltwirtschaft. Diese deutliche Mahnung äußert die Weltbank in ihrer neuen Konjunkturprognose. Jüngste Kursverluste an Börsen und steigende Zinsen für Staatsanleihen zeigten, wie anfällig und nervös die Finanzmärkte überall seien, heißt es in dem Bericht. Es sei völlig klar: Weder reiche Länder noch aufstrebende Staaten würden verschont, "sollte sich die Situation in Europa deutlich verschlechtern".

Neue Finanzkrise wie vor fünf Jahren?

Selbst eine globale Krise vom Ausmaß der letzten zwischen 2007 und 2009 sei nicht undenkbar, sagte Weltbank-Ökonom Hans Timmer. "Wir glauben, die Wahrscheinlichkeit ist nicht groß, aber zugleich können wir sie nicht ausschließen." Noch zu Jahresbeginn habe es so ausgesehen, als beruhige sich die Lage in Europa. "Wir haben im Januar nicht über einen griechischen Ausstieg (aus der Eurozone) gesprochen, und nun ist das eine der Möglichkeiten." Das zeige, wie volatil die Situation sei.

Ein Szenario - mehr nicht

Ein Albtraum-Szenario wäre, wenn zwei der größeren Euro-Staaten wegen ihrer Probleme "wirklich aus dem Kreditmarkt ausgeschlossen würden", warnte Timmer. Derzeit gehe die Weltbank aber nicht davon aus, dass die Lage dermaßen außer Kontrolle gerate. So korrigierte sie ihre Vorhersagen aus dem letzen Bericht vom Januar nur leicht nach unten: Sie erwartet für dieses Jahr weltweit ein Wachstum von 2,5 Prozent und für das kommende 3,0 Prozent.

Unruhe an den Finanzmärkten

An den Finanzmärkten wird die Lage etwas aufgeregter gesehen. Trotz der angekündigten Milliardenhilfen für die maroden spanischen Banken kehrt in der europäischen Schuldenkrise keine Ruhe ein. Die Finanzmärkte schalten eher auf Panik-Modus. Die Renditen für spanische Staatsanleihen erreichten am Dienstag ein neues Rekordniveau, die Ratingagentur Fitch stufte weitere 18 spanische Banken ab, Euro-Kurs und Aktienmarkt gingen auf Sinkflug, selbst deutsche Staatsanleihen wurden massiv verkauft. Nur Gold profitierte mit deutlichen Preissteigerungen.

Die wieder aufgeflammte Schuldenkrise bedroht nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank die Finanzstabilität im Euroraum. Die relative Ruhe zu Jahresbeginn habe sich als trügerisch erwiesen, betonten die Währungshüter.

Merkel braucht mehr Zeit...

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb in Berlin eindringlich für Vertrauen in Europa und den Euro. "Wir stehen am Scheideweg", mahnte Merkel. Die Kanzlerin betonte erneut, die Überwindung der Finanzkrise brauche Zeit. "Deshalb wäre es auch in Europa fatal, wenn wir jetzt, wo einige Länder begonnen haben, genau in die richtige Richtung zu arbeiten, das unterbrechen würden und auf halbem Wege stehen bleiben."

...Lagarde mahnt zur Eile

Für die Rettung des Euro bleiben nach Auffassung der Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, weniger als drei Monate. "Der Aufbau der Eurozone hat Zeit gebraucht", sagte Lagarde in einem Interview des Fernsehsenders CNN. "Im Moment dauert die Aufbauarbeit noch immer an."

Aus Deutschland kam scharfe Kritik an den Äußerungen der IWF-Chefin. Der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, erklärte, die "Äußerungen von Frau Lagarde sind absolut unverantwortlich". Es wäre "angemessener, wenn Frau Lagarde deutliche Worte zur Verantwortung der Spekulanten für die Entwicklung an den Finanzmärkten finden würde", erklärte der Abgeordnete.

Geweckte Begehrlichkeiten

Das spanische Hilfspaket in dreistelliger Milliardenhöhe weckt Begehrlichkeiten - immerhin wird Madrid für die Rettung seiner Banken kein so hartes Sparprogramm auferlegt wie etwa Griechenland oder Portugal. So will Athen das eigene Milliarden-Hilfspaket jetzt nachverhandeln. Auch aus dem hochverschuldeten Portugal, das ebenfalls Notkredite aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF bekommen hat, kamen Forderungen nach besseren Bedingungen. Doch die Erfolgsaussichten sind gering. "Unsere Position ist unverändert: Wir erwarten, dass die Griechen alle eingegangenen Verpflichtungen erfüllen", dämpfte ein Sprecher der EU-Kommission entsprechende Hoffnungen.

Griechen plündern Konten

Unterdessen ziehen griechische Sparer vor den Neuwahlen an diesem Sonntag (17. Juni) immer mehr Geld von ihren Konten ab. Seit Anfang Juni flossen täglich zwischen 100 und 500 Millionen Euro aus den Banken ab, sagte ein hoher Angestellter einer griechischen Privatbank in Athen. "Wir verbluten langsam. Wir brauchen dringend eine handlungsfähige Regierung", sagte der Banker.

Nach offiziellen Angaben haben die Bürger seit Ausbruch der Krise im Jahr 2009 rund 80 Milliarden Euro von den Banken abgezogen. Helfen wird ihnen das kaum, sagte ein Devisenhändler. Denn die beiseite geschafften Euro-Vermögen würden sich im Falle einer Verschärfung der Euro-Krise gegen andere, stärkere Währungen wohl "verflüchtigen".

Entscheidende Griechen-Wahl am Sonntag

Die Wahl in Griechenland am Sonntag gilt als Richtungsentscheidung über den Verbleib des Landes im Euro-Raum. Sollte Griechenland aus dem Euro austreten, könnten die europäischen Nachbarländer gegebenenfalls die Grenzen schließen und Kapital-Kontrollen einführen. Das EU-Recht erlaube dies unter bestimmten Umständen, erklärte ein Sprecher der EU-Kommission.

Auch eine Obergrenze für Abhebungen an griechischen Geldautomaten könnte eingeführt werden. Die EU-Behörde betonte, ein Austritt Athens aus dem Euro sei rein "spekulativ" - das Ziel der EU-Kommission sei, dass Griechenland Mitglied im gemeinsamen Währungsgebiet bleibe.

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