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EU-Kommissar Andor: Deutsche Lohnzurückhaltung mit schuld an Krise

EU-Kommissar: Deutsche Lohnzurückhaltung mit schuld an Krise

21.09.2012, 15:14 Uhr | dpa-AFX , t-online.de

EU-Kommissar Andor: Deutsche Lohnzurückhaltung mit schuld an Krise. EU-Sozialkommissar Laszlo Andor: Die Deutschen brauchen höhere Löhne (Quelle: dapd)

EU-Sozialkommissar Laszlo Andor: Die Deutschen brauchen höhere Löhne (Quelle: dapd)

Die niedrigen Löhne in Deutschland sind nach Ansicht von EU-Sozialkommissar Laszlo Andor ein Grund für die anhaltende Wirtschaftskrise in Europa. Durch die jahrelange Lohnzurückhaltung hätten die Deutschen dazu beigetragen, dass wirtschaftliche Ungleichgewichte in der EU entstanden seien, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Andor forderte deshalb höhere Löhne und einen Mindestlohn in allen Branchen. Das sei für eine Überwindung der Krise unabdingbar.

Andor warf der Bundesregierung eine "merkantilistische Wirtschaftspolitik" vor - also das Anstreben von Überschüssen im Außenhandel, zum Vorteil des eigenen Staats. "Deutschland hat im vergangenen Jahrzehnt enorme Lohnzurückhaltung geübt, um für ein, zwei Jahre wettbewerbsfähiger zu werden - aber das hatte Folgen für die anderen EU-Staaten." Deshalb müsse Deutschland jetzt durch Mindestlöhne in allen Sparten und einen Abbau der Ungleichgewichte Ausgleich schaffen.

Minijobs als Armutsfalle

Der deutsche Arbeitsmarkt habe sich zwar schnell von der Krise erholt, sei aber zunehmend segmentiert, sagte Andor und kritisierte vor allem den hohen Anteil an Minijobbern: "Wenn das so bleibt, wird die Kluft zwischen regulärer Arbeit und Minijobs schnell wachsen. Die Minijobber riskieren, in dieser Position hängenzubleiben und in eine Armutsfalle zu geraten."

Andor unterstützt Anleihen-Programm der EZB

Zugleich lobte Andor die Krisenpolitik von EZB-Chef Mario Draghi. "Solange die Politik nicht die Mittel bereitstellt, die wir für die Bewältigung der Krise benötigen, brauchen wir die EZB, um uns zumindest eine Weile durchzuwurschteln", sagte der Ungar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vor zwei Wochen beschlossen, notfalls und unter Bedingungen unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten wie Spanien oder Italien zu kaufen.

Wenn der dauerhafte Rettungsschirm ESM stehe, könne sich die Situation wieder ändern, sagte Andor. Dazu gehöre jedoch auch die Einführung von Eurobonds, also gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder.

Gesamtmetall weißt Andors Thesen zurück

Mit seiner Kritik an der deutschen Lohnzurückhaltung als Mitverursacher der Schuldenkrise stieß Andor in Deutschland allerdings auf Kritik. Der Präsident des Industrieverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, nannte die Thesen "absurd und haltlos". Deutschland sei eine Konjunkturlokomotive und außerdem der mit Abstand größte Nettozahler der EU, sagte Dulger. "Niemand ginge es besser, wenn es Deutschland schlechter ginge - das Gegenteil wäre der Fall."

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