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RWI und Ifo: Experten warnen vor großen Risiken in der Krise


RWI und Ifo: Experten warnen vor großen Risiken in der Krise

25.12.2012, 10:03 Uhr | t-online.de, dapd

RWI und Ifo: Experten warnen vor großen Risiken in der Krise. Experten erwarten für 2013 kaum Entspannung in der Euro-Krise (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Experten erwarten für 2013 kaum Entspannung in der Euro-Krise (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Schuldenkrise ist weitgehend ausgestanden? Keinesfalls: Führende Wirtschaftsforscher sehen im neuen Jahr große Risiken für den Euro-Raum. Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph Schmidt, prognostizierte "konjunkturell magere Zeiten" für Deutschland. Und der Konjunkturexperte des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Kai Carstensen, warnte: "Es kann jederzeit zu einer erneuten Eskalation kommen." Erhebliche Gefahr bergen dabei nach Ansicht beider Forscher vor allem unbegrenzte Rettungspakete für die Schuldenstaaten.

"Die Schuldenkrise ist nicht gelöst", erklärte Schmidt, der zu den sogenannten Wirtschaftsweisen gehört. Für den Jahresdurchschnitt 2013 erwarte das RWI ein Wirtschaftswachstum von nur 0,3 Prozent. Allerdings seien die Rahmenbedingungen in Deutschland "nach wie vor solide".

Noch mehr Rettungsmechanismen befürchtet

Carstensen betonte indes, nicht ohne Grund werde "beim Thema Bankenunion so aufs Tempo gedrückt". Spanische Kreditinstitute seien "nach wie vor in Schieflage" und bräuchten dringend Kapital. Er befürchte, "dass wir in einem Jahr noch mehr Rettungsmechanismen etabliert sehen werden und Eigenverantwortung noch weniger gilt als bisher".

Warnung vor unbegrenzten Hilfen

Der Experte fügte hinzu: "Es lassen sich beliebig dramatische Szenarien malen, die auch Deutschland - zumindest kurzfristig - erheblichen Schaden zufügen könnten." Dies dürfe aber nicht als "Freifahrtschein für kaum oder gar nicht begrenzte Rettungspakete" genommen werden. Denn die langfristigen Folgen "vergemeinschafteter Haftung" könnten "noch viel schlimmer sein".

Schmidt sagte, die Ankündigung unbegrenzter Interventionen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Beschlüsse des Europäischen Rates hätten "nur etwas Luft verschafft". Von daher könnten die Probleme immer wieder aufbrechen. Dies sehe man derzeit am Beispiel Italiens.

Folgen für Deutschland nicht absehbar

Für die Wirtschaft des Euro-Raums seien "fortgesetzte Turbulenzen sicherlich nicht förderlich". Die konkreten Auswirkungen auf Deutschland seien "deshalb schwierig abzuschätzen, weil man die Folgen für den Wechselkurs des Euro nicht kennt". Der RWI-Präsident erläuterte: "Wertet der Euro weiter ab, fördert dies zugleich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf Drittmärkten."

Schmidt forderte die Bundesregierung auf, "in der Krise des Euro-Raums Standhaftigkeit zu bewahren". Dies gelte auch gegenüber "Forderungen von außen sowohl nach einer allzu schnellen Einrichtung einer halbherzig ausgestalteten Bankenunion als auch nach einer Übernahme von Haftungsrisiken, die nicht hinreichend an die Gegenleistung von Konsolidierung und Strukturreformen geknüpft sind".

Mehr Eigenverantwortung der Länder gefordert

Carstensen mahnte, die Bundesregierung sollte "das europäische Prinzip der Subsidiarität und der damit einhergehenden Selbstverantwortung der Länder stärker als bisher berücksichtigen". Es sei einfach nicht wahr, "dass die Krise allein durch 'mehr Europa' - verstanden als mehr Umverteilung, Gemeinschaftshaftung und zentraler Kontrolle - gelöst werden kann". Verantwortungen dürften nicht verwischt werden - sonst gingen die Anreize verloren, gesetzte Ziele zu erreichen.

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