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Steuerbetrug: Experte prangert Steuermoral in Europa an

Experte prangert Steuermoral in Europa an

02.01.2013, 11:29 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Steuerbetrug: Experte prangert Steuermoral in Europa an. Viele wohlhabende Griechen haben ihr Vermögen am Fiskus vorbeigeschleust (Quelle: Archiv)

Viele wohlhabende Griechen haben ihr Vermögen am Fiskus vorbeigeschleust (Quelle: Archiv)

Durch Steuerbetrug entgehen den EU-Staaten Milliarden. Der Berliner Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann hat jetzt die europäischen Ländern aufgefordert, in Sachen Steuermoral enger zusammenzuarbeiten. Der Experte kritisierte mit Blick auf Griechenland, es könne nicht sein, dass Steuersünder auf der einen Seite begünstigt würden und auf der anderen Seite die Bürger für die Euro-Rettung zahlen müssten.

Steuerlücken nicht zulasten der Bürger ausgleichen

"Es darf nicht sein, dass europäische Staaten Steuerflüchtlingen helfen und damit letztlich ihre eigenen Bürger zwingen, die in Griechenland entstandenen Steuerlücken durch 'Rettungspakete' auszugleichen, um wiederum den Euro zu retten", sagte der Ökonom.

Ein ermutigender Schritt hin zu mehr Kooperation in Steuersachen sei, dass neben der Schweiz jetzt auch Luxemburg "kaum mehr darum herumkommt, den automatischen Informationsaustausch auch EU-weit anzuerkennen".

Griechen haben Vermögen verschoben

Thielemann wies darauf hin, dass die wohlhabenden Griechen schon vor der Krise steuerlich privilegiert worden seien. So konterten die Reeder jede nennenswerte Besteuerung damit, dann eben ins Ausland zu gehen. In der Krise hätten die wohlhabenden Griechen das sinkende Schiff verlassen.

Sie verschoben oder verschieben noch ihr Vermögen etwa in die Schweiz oder nach Luxemburg "oder sie versuchen ihr unversteuertes Vermögen hier in Berlin in Betongold umzuwandeln", sagte der Wirtschaftswissenschaftler zur offensichtlich zunehmenden Zahl griechischer Investitionen in deutsche Immobilien.

Höhere Kapitalbesteuerung gefordert

Thielemann widersprach der Darstellung, in der Schulden- und Währungskrise gehe es um einen Konflikt zwischen Staaten wie Deutschland und Griechenland. Es gehe hier im wesentlichen um einen Konflikt zwischen Kapital und Realwirtschaft. "Seit den 1980er Jahren haben praktisch alle Staaten eine neoliberale Reformpolitik installiert, die darin bestand, das Kapital zu hofieren."

Der Wirtschaftswissenschaftler sprach sich für eine wesentlich höhere Kapitalbesteuerung aus. Er verwies auf die Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders, als hohe Kapitalbesteuerung, hohes Wachstum und breite Teilhabe am Wohlstand zusammentrafen.

"Auch wenn man zu diesen hohen Wachstumsraten nicht mehr zurückkommt und auch nicht mehr zurückkommen soll, ist die Kapitalbesteuerung ein Schlüssel für das wirtschaftliche Wohlergehen breiter Bevölkerungskreise und für die faire Teilhabe aller am Wohlstand", erläuterte Thielemann.

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