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Zypern-Rettung: Die gefährlichen Folgen


Hilfspaket: Die gefährlichen Folgen der Zypern-Rettung

26.03.2013, 08:53 Uhr | Spiegel Online

Zypern-Rettung: Die gefährlichen Folgen. Das in letzter Minute geschnürte Hilfspaket für Zypern macht auch Wolfgang Schäuble und Christine Lagarde nicht glücklich (Quelle: dpa)

Das in letzter Minute geschnürte Hilfspaket für Zypern macht auch Wolfgang Schäuble und Christine Lagarde nicht glücklich (Quelle: dpa)

Den größten Unfall haben die Euro-Finanzminister gerade noch verhindert. Doch auch wenn Zypern zunächst gerettet wird: Das Drama der vergangenen Tage könnte verheerende Folgen für das Land und die gesamte Währungsunion haben.

Hilfspaket ist abgesegnet

Erschöpft sahen die Verhandlungsführer in Brüssel gegen zwei Uhr morgens aus, übermüdet und abgespannt. So richtig nach Feiern war den Beteiligten nicht zu Mute - weder den Rettern, noch den Geretteten. "Wir haben sicherlich Zeit verloren", sagte Wolfgang Schäuble, nachdem die Euro-Finanzminister am frühen Montagmorgen ein Hilfspaket für Zypern gebilligt hatten.

Die Lage des Landes habe sich nicht verbessert, erklärte der deutsche Minister. "Das ist bitter, auch für Zypern." Schäubles Amtskollege aus Nikosia gab sich zerknirscht: "Es wäre unrealistisch zu sagen, dass wir keine bedeutenden Verluste erleiden."

Es gibt keine Gewinner

Auch wenn es so aussieht, als habe die Brüsseler Rettungs- und Kompromissmaschinerie am Ende doch wieder gewohnt zuverlässig funktioniert - diesmal ist etwas anders: Es gibt in diesem Drama um Zypern keine Gewinner. Alle haben irgendwie verloren.

Die Eurozone hat das Problem an ihrem äußeren Rand lange unterschätzt. Wie soll ein Staat mit weniger als einer Million Einwohnern, der gerade mal 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung des Währungsraums ausmacht, zur Gefahr für den Euro werden? Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie genau das passieren kann. Es war ein Rettungsdesaster, das mehr hinterlassen wird als einen Kratzer im Euro-Vertrauen.

Aus für aufgeblähten Bankensektor

Dabei ist der Plan, der nun am Ende heraus kam, das Beste, was in dieser Situation möglich war. Er setzt dort an, wo das zyprische Problem entstanden ist: im aufgeblähten Bankensektor. Von dem wird nicht mehr viel übrig bleiben. Die zweitgrößte Bank Laiki soll sogar ganz geschlossen und abgewickelt werden. Lediglich Sparer bis 100.000 Euro sollen ihre Guthaben behalten können, alle anderen Beteiligten werden viel Geld verlieren, wenn nicht sogar alles: Das gilt für Aktionäre, Anleihenbesitzer und betuchte Kunden.

Dem anderen großen Geldhaus des Landes wird es nur unwesentlich besser ergehen: Die Bank of Cyprus soll zwar überleben, wird aber kräftig schrumpfen. Sie muss die Schulden des Konkurrenten Laiki bei der zyprischen Notenbank übernehmen - immerhin rund neun Milliarden Euro.

Reiche werden kräftig zur Kasse gebeten

Aktionäre, Gläubiger und reiche Kunden werden so viel Geld verlieren wie nötig, um die Bank wieder krisenfest zu machen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen Guthaben über 100.000 Euro bis zu 40 Prozent ihres Wertes verlieren.

Das ist das einzig Gute am zyprischen Drama: Es zeigt, dass man eine bedeutende Bank abwickeln und eine zweite schrumpfen kann, ohne dass die Finanzmärkte verrücktspielen. Im Gegenteil: An den Börsen schossen die Kurse am Montag sogar nach oben. Der deutsche Aktienindex DAX eröffnete ein Prozent im Plus. Der Euro Stoxx 50 legte sogar um 1,3 Prozent zu.

Rettung mit Folgen

Das war es dann aber auch schon fast mit den positiven Nachrichten. Sicher, Staatsbankrott und Euro-Austritt sind fürs Erste verhindert. Doch der Fall Zypern wird Folgewirkungen haben - für das Land selbst und für die Eurozone:

- Sparer in Krisenländern können sich in Zukunft nicht mehr uneingeschränkt auf die staatliche Einlagensicherung verlassen. Auch wenn am Ende nur Guthaben über 100.000 belastet werden: Der erste Vorschlag zur Zypern-Rettung hat gezeigt, dass die Euro-Finanzminister offenbar auch keine Probleme damit haben, den Kleinsparern ans Geld zu gehen. Daran werden sich die Bankkunden in Spanien, Portugal oder Griechenland erinnern, wenn es mal wieder um die Rettung ihres Landes geht - genauso wie an die in Zypern eingeführten Beschränkungen für Bargeldabhebungen und Überweisungen. Es ist das erste mal, dass der freie Kapitalverkehr innerhalb der Eurozone eingeschränkt wird.

- Deutschland ist die ungeliebte Hegemonialmacht in der Eurozone. Das war zwar auch schon vorher so. Doch das Auftreten der Bundesregierung im Kampf um die Zypern-Rettung hat den Unmut vieler Menschen in den Krisenländern noch einmal verschärft. Die Kluft zwischen Schuldner- und Gläubigerstaaten ist weiter gewachsen.

- Zypern wird womöglich schon bald wieder ein Fall für den Rettungsschirm. Fürs Erste bekommt der Staat zwar zehn Milliarden Euro, um seinen Haushalt zu sanieren. Doch die Frage ist, wie lange das Geld reichen wird. Durch die zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds ESM werden die Schulden des Landes auf bis zu 140 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen. Zypern wird damit nach Griechenland zum Land mit der zweithöchsten Schuldenquote in der Eurozone. Und dieser Wert steigt automatisch weiter, wenn die zyprische Wirtschaft schrumpft.

- Eine schwere Rezession scheint unausweichlich. Zyperns Geschäftsmodell ist ruiniert. Der Finanzsektor war bisher neben dem Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Er wird nun so stark eingedampft, dass er künftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird. Zudem sieht die Einigung mit den Euro-Finanzministern vor, dass auch die Kapitalertragssteuer und die Unternehmensteuer erhöht werden. Unter diesen Umständen werden die reichen Russen, Ukrainer und Briten, die Zypern bisher gerne als Steueroase und Geldspeicher genutzt haben, wohl die Lust auf das Land verlieren. Wo künftig das Wirtschaftswachstum herkommen soll, ist unklar.

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