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Mario Draghi: "Whatever it takes" - Wie eine Rede zum Euroretter wurde


Wie Mario Draghi zum Euro-Retter wurde

25.07.2013, 14:38 Uhr | t-online.de , AFP

Mario Draghi: "Whatever it takes" - Wie eine Rede zum Euroretter wurde.  EZB-Chef Mario Draghi (Quelle: Reuters)

EZB-Chef Mario Draghi (Quelle: Reuters)

Die europäische Schuldenkrise hält immer noch Regierungen, Parlamente und Zentralbanken in Atem. 2012 war dabei das Jahr der Entscheidungen. Kaum hatten sich die Eurostaaten auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland verständigt, liefen für Italien und Spanien bei der Staatsfinanzierung die Zinsen aus dem Ruder. Im Sommer dann stand Spanien an der Wand. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, verstand, dass ein klares Signal nötig war - an Investoren, aber auch an Spekulanten. Am 26. Juli hielt Draghi eine Rede und sorgte mit nur wenigen Worten für eine Wende.

Draghis Botschaft an die Finanzmärkte war wohl kalkuliert: "Innerhalb ihres Mandats ist die Europäische Zentralbank bereit zu tun, was immer auch nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein." Mit diesen Worten kündigte der Zentralbankchef auf einer Investorenkonferenz in London nicht weniger als unbegrenzte Hilfen an.

Auseinanderbrechen der Eurozone

Draghis Worte zeigten Wirkung. Seit der Rede ist in Euroland mit seinen 17 Mitgliedstaaten eine gewisse Ruhe eingekehrt. Die Zinsen, die Krisenstaaten Investoren zahlen müssen, wenn sie sich von diesen über Anleihen Geld für ihre laufenden Ausgaben leihen, sanken deutlich. Heute ist kaum noch die Rede von einem Auseinanderbrechen der Währungsgemeinschaft.

"Es gibt eine Welt vor und eine Welt nach dem 26. Juli", sagt Frédérik Ducrozet, Ökonom bei der genossenschaftlichen französischen Bankengruppe Crédit Agricole (CA). Draghis Rede könne als historisch gewertet werden. Sie gehöre zu der Art von Ereignissen, "die es nur selten gibt und deren Konsequenzen sich dauerhaft auswirken". Auch Carsten Brzeski von der niederländischen Großbank ING stuft Draghis Rede als "legendär" ein.

ESM: Zinslast sollte sinken

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, legte Draghi in den Wochen nach der Londoner Rede nach. Anfang September 2012 stellte der Zentralbankchef ein Notfallprogramm vor, das den unbegrenzten Aufkauf der Anleihen von Euro-Staaten durch die EZB vorsieht. Dieses Programm soll in Extremsituationen Zinslast von den Schultern von Krisenländern nehmen, indem die EZB eine Art künstliche Nachfrage erzeugt. Zugleich aber war in dem Programm vorgesehen, dass Staaten, die das Programm nutzen, sich in Teilen auch der Kontrolle des Eurorettungsschirms ESM unterstellen müssen.

"Draghis Geniestreich bestand darin, in einem Instrument alle Zutaten der Rettungssysteme der Eurozone zusammenzufassen, die bereits existierten, aber Lücken hatten", sagt Deutsche-Bank-Ökonom Gilles Moec. Dennoch ist das Programm umstritten. Kritiker wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sehen die Zentralbank damit nahe an der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse - welche EU-Verträge aber verbieten. Auch das Bundesverfassungsgericht beschäftigte sich deswegen bereits mit dem Programm.

Noch kein Ende der Schuldenkrise in Sicht

Bis heute jedoch blieb es ungenutzt. Es floss kein Cent von Seiten der EZB für Anleihekäufe. Draghi war es damit - zumindest auf den ersten Blick - gelungen, die akute Krise einzudämmen, ohne Geld auszugeben.

Ein Ende der Eurokrise bedeutete Draghis Rede indes nicht. Immer wieder flammen Brandherde auf, wie die Zypernkrise zeigte. Die Konjunktur in der Eurozone ist nach wie vor schwach, die Arbeitslosigkeit auf Rekordhoch.

Zinsen bleiben niedrig

Vor diesem Hintergrund sah sich die EZB Anfang Juli erneut zu einer Ankündigung von großer Tragweite genötigt: Die Zinsen in der Eurozone sollen für einen "ausgedehnten Zeitraum" niedrig bleiben. Eine solche Ankündigung der EZB hatte es bislang noch nicht gegeben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dies nicht der letzte historische Schritt der Zentralbank im Kampf gegen die Krise war.

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