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EZB senkt Leitzins: So wirkt sich der Zinsschritt auf Ihr Geld aus


Aktien gewinnen - Festgeld verliert  

So wirkt sich der Zinsschritt der EZB auf Ihr Geld aus

08.11.2013, 08:57 Uhr | t-online.de - Frank Lansky, mit Reuters

EZB senkt Leitzins: So wirkt sich der Zinsschritt auf Ihr Geld aus. So schützen Sie Ihr Geld vor dem Niedrigzins (Quelle: Thinkstock,imago,McPhoto - Montage: T-Online)

So schützen Sie Ihr Geld vor dem Niedrigzins (Quelle: Thinkstock,imago,McPhoto - Montage: T-Online)

Historischer Tag am Finanzmarkt: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Der überraschende Schritt schob den DAX zu neuen Rekorden und versenkte zeitweise den Euro. Doch was hat EZB-Chef Mario Draghi dazu veranlasst? Und was bedeutet der Schritt nun für Sparer, Anleger und die Halter von Lebensversicherungen? t-online.de beleuchtet die Folgen.

Angst vor der Deflationsfalle

Aus Furcht vor einem Preisrückgang senkte die EZB den Leitzins überraschend um einen Viertelpunkt. Zwar bestehe akut noch nicht die Gefahr einer Deflationsspirale in den 17 Euro-Ländern. "Aber wir stehen vor einer längeren Phase mit niedriger Inflation," sagte Draghi.

Deflation bedeutet sinkende Preise und die sind für die Wirtschaft gefährlich, weil Unternehmen dann wichtige Investitionen aufschieben. Auch horten Konsumenten aus Angst vor dem Jobverlust Geld, zudem glauben sie in Erwartung fallender Preise, Produkte bald günstiger kaufen zu können. Dies alles würgt die Wirtschaft ab. Japan hat dieses Phänomen jahrelang gehemmt.

Die EZB will Südeuropa retten

"Der Grund für den Schritt ist die Angst, dass die Wirtschaft in Italien, Spanien und Frankreich abstürzt", erläuterte Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, im Gespräch mit t-online.de. Die Banken dieser Länder sollen sich günstiges Geld von der EZB leihen, um eigene Staatsanleihen zu kaufen, was deren Renditen senke – so könnten sich die Staaten neu verschulden, um die Konjunktur anzukurbeln. Die EZB signalisiere somit, dass sie bereit stehe.

Ins gleiche Horn stieß Johannes Müller, Chief Investment Officer Wealth Management Germany bei der Deutsche Asset und Wealth Management, das ist die Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank, die weltweit Gelder in Höhe von knapp einer Billion Euro betreut.

Es gebe zwar keine konkreten Gründe für den jetzigen Zinsschritt – "keine Bank und kein Land wankt aktuell". Allerdings dürfte wohl der überraschend starke Außenwert des Euro den Schritt motiviert haben, die feste Devise sorge besonders in der europäischen Peripherie für erhebliche Probleme, erläuterte Müller auf Anfrage von t-online.de.

Der Applaus aus Italien bestätigt diese These: Regierungschef Enrico Letta nannte den Beschluss der Währungshüter "großartig". Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici sprach von einer Stütze für die Konjunkturerholung in der Eurozone.

Festgeld ist der große Verlierer

Doch Sparer in Deutschland haben keinen Grund zum Jubeln. Wer nun weiter auf Zinsvermögen setze – also Sparbuch, Festgeld oder Anleihen – der werde in die Röhre schauen, kommentierte Baader-Experte Halver. Denn de facto liegt der Zins unter der Inflationsrate.

"Leider gilt in Deutschland die 80-80-Regel: 80 Prozent der Deutschen legt das Geld zu 80 Prozent in Zinsvermögen an." Wer darauf hoffe, dass dieser Zustand ende, der täusche sich: "Eher ist der Flughafen Berlin-Brandenburg fertig, bevor die EZB die Zinsen wieder erhöht," urteilte Halver. Tatsächlich sagte EZB-Chef Draghi: "Wir haben die Null-Linie noch nicht erreicht. Wir könnten vom Prinzip her noch weiter gehen."

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Südeuropa-Anleihen als Alternative

Ähnlich äußerte sich Johannes Müller von der Deutsche Asset und Wealth Management: Das Zinsniveau werde weiter niedrig bleiben – "die Sparer und Anleger müssen sich zum Kaufkrafterhalt nach Alternativen umschauen". Als Beispiel nannte Müller Anleihen – und zwar aus der europäischen Peripherie: Der Vermögensverwalter sieht eine anhaltende Erholung im Süden der Eurozone, diese werde nicht durch eine plötzliche Aufwertung des Euro abgewürgt werden.

Für deutsche Festverzinsliche des Bundes zeigte sich der Manager skeptisch – der seit drei Jahrzehnten andauernde Bullenmarkt sei vorbei.

Lebensversicherungen immer unattraktiver

Und damit bekommen auch die Lebensversicherungen neue Probleme – sie schaffen es kaum noch, eine attraktive Rendite zu erzielen. Umgehend regte sich Kritik in Deutschland: Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nannte die Senkung des Leitzinses auf 0,25 von 0,5 Prozent ein "fatales Signal an alle Altersvorsorgesparer in Deutschland".

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privat-Bankenverbandes BdB, assistierte: "Mittel- bis längerfristig nehmen allerdings die Risiken der Niedrigzinspolitik weiter zu - insbesondere die Gefahr von falschen Risikoeinschätzungen, verzerrten Investitionsentscheidungen und Vermögenspreisblasen." Auch der Landes- und Förderbanken-Verband VÖB warnte vor der Gefahr von Blasenbildungen.

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Aktien sind der große Gewinner

Eine Blase an der Börse können Experten noch nicht erkennen: "Für die Aktienmärkte haben wir weiter die beste aller Welten: Wir bekommen noch mehr Liquidität, für die Konjunktur gibt es noch mehr Rückenwind", erläuterte Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. Anlagestratege Müller von der Deutschen Bank empfahl einen Blick auf den DAX – hier gebe es qualitativ hochwertige Blue Chips mit hoher Dividendenrendite.

Auch Wolfgang Duwe, Aktien-Experte der Bremer Landesbank, riet den Sparern trotz der anhaltenden Hausse zu Aktien: "Nun dürften die Kurse bis zum Jahresende steigen, langsam kommt die Spirale in Gang." Der DAX habe nun Luft nach oben bis 10.000 Punkte, wahrscheinlich werde diese Marke Anfang kommenden Jahres erreicht, erläuterte Duwe im Gespräch mit t-online.de.

Run auf Immobilien

Jörg Krämer, Chefsvolkswirt der Commerzbank, verwies auf einen wichtigen Aspekt für den Immobilienmarkt: "Für Deutschland sind die Zinsen viel zu niedrig. Gerechtfertigt wäre ein Niveau von 3,0 bis 3,25 Prozent. Investitionen und Häuserpreise werden weiter steigen. Das Risiko einer Immobilienpreisblase sehe ich aber kurzfristig nicht."

Die Branche sieht das ähnlich: Für Immobilienkäufer bedeutet der Zinsschritt in Verbindung mit der zuletzt gesunkenen Rendite für deutsche Staatsanleihen nach Ansicht des Baugeldvermittlers Interhyp, dass Baufinanzierungskunden derzeit von günstigen Zinsen für Immobilienkrediten profitieren.

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