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Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet spricht über Euro-Fehler


Ehemaliger EZB-Chef  

Jean-Claude Trichet spricht über Euro-Fehler

04.12.2013, 15:29 Uhr | von Bernhard Vetter, t-online.de

Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet spricht über Euro-Fehler. Jean-Claude Trichet war von 2003 bis 2011 Chef der EZB (Quelle: Reuters)

Jean-Claude Trichet war von 2003 bis 2011 Chef der EZB (Quelle: Reuters)

Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat dem Euro Glaubwürdigkeit und Wertbeständigkeit attestiert. Bei einem Vortrag in der Universität Frankfurt mit dem Titel "Ist der Euro in Gefahr?" verwies Trichet aber auch auf zahlreiche Schwächen des EU-Binnenmarktes und der gemeinsamen Währung und mahnte Reformen an.

Trichet stand von November 2003 bis Oktober 2011 an der Spitze der EZB und musste sich deshalb mit einigen Höhepunkten der Finanz- und Schuldenkrise beschäftigen, die im privaten Sektor der USA ihren Anfang genommen, dann jedoch auf den öffentlichen Sektor der Europäischen Union (EU) übergesprungen war und zahlreiche Staaten ins Straucheln gebracht hatte.

Euro hat Wert "in bemerkenswerter Weise gehalten"

Trichet lobte insbesondere die Standfestigkeit des Euro: "Es handelt sich um eine Währung, die ihren Wert in bemerkenswerter Weise gehalten hat." So habe sich der Euro während der gesamten Krise besser entwickelt als der US-Dollar und habe etwa auch bei der Schwankung der Inflationsrate besser abgeschnitten als andere Währungen.

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Auch habe der Euro-Raum in der Krise unter dem Strich mehr Jobs geschaffen und habe sich besser entwickelt als andere große Volkswirtschaften wie eben die USA, aber auch Japan oder Großbritannien. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Jugendarbeitslosigkeit in einigen EU-Ländern extrem hoch sei.

Krise "wie ein Röntgenbild" der Probleme

Im Nachhinein habe sich der Optimismus, der zu Beginn in den Euro gesetzt wurde, als berechtigt erwiesen. Gleichzeitig seien jedoch auch Probleme zutage getreten, die seinerzeit niemand habe vorhersagen können. "Die Krise hat die Probleme wie ein Röntgenbild offengelegt", sagte Trichet.

Kritik auch an Deutschland

So sei der Geist der europäischen Idee von zahlreichen Staaten verletzt worden. 2003 und 2004 etwa hätten sich Frankreich und Deutschland dagegen gewehrt, Sanktionen zu akzeptieren, die aufgrund ihrer Finanzpolitik vorgesehen gewesen wären.

Die unterschiedliche Entwicklung der Volkswirtschaften und der Wettbewerbsfähigkeit sei unterschätzt worden. Als die Länder auseinander drifteten, hätten Politik und Währungshüter zu spät reagiert. Dies zeige, dass es nicht genügend Kontrolle gegeben habe.

Verzicht auf Krisen-Mechanismus war ein Fehler

Als Fehler bezeichnete es der ehemalige EZB-Präsident auch, dass nicht von vornherein ein Krisen-Mechanismus für den Euro-Raum vorgesehen war. Dieser habe erst nachträglich mühsam installiert und zahlreichen Parlamenten zur Zustimmung vorgelegt werden müssen.

Die Stabilität der Euro-Zone habe sich auch auf dem Höhepunkt der Krise gezeigt, als es eine große Solidarität gegenüber den Krisenländern gab: "Die anderen Länder hatten die Möglichkeit zu sagen, wir wollen nicht helfen, ihr verlasst besser die Euro-Zone." Doch das sei nicht passiert. Niemand habe die Euro-Zone verlassen wollen oder müssen.

Trichet: Politische Einheit und Steuerpolitik fehlen

Mittlerweile seien mit dem ESM jedoch Krisenwerkzeuge vorhanden oder würden mit der geplanten Bankenunion gerade geschaffen. Außerdem hätten Problemländer wie Griechenland, Spanien und Portugal nun das Schlimmste hinter sich.

EU-Parlament soll mehr Einfluss bekommen

Als ein großes Problem der EU bezeichnete Trichet den Umstand, dass es zwar einen einheitlichen Markt und eine gemeinsame Währung gibt, jedoch keine politische Union und keine gemeinsame Steuerpolitik. Hier wünsche er sich mehr Einfluss durch das Europa-Parlament. Ihm sei jedoch bewusst, "dass dies kein populärer Vorschlag ist", sagte Trichet.

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