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IWF-Studie empfiehlt Enteignung und weitere Grausamkeiten


Expertenkolumne  

IWF-Studie empfiehlt Enteignung und weitere Grausamkeiten

15.01.2014, 18:48 Uhr | von Jörg Horneber für t-online.de

IWF-Studie empfiehlt Enteignung und weitere Grausamkeiten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) macht sich Gedanken über die mögliche Entschuldung von Staaten (Quelle: dpa)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) macht sich Gedanken über die mögliche Entschuldung von Staaten (Quelle: dpa)

Eine vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in Auftrag gegebene Studie zum Stand der Entschuldung der europäischen Staatshaushalte sorgt für Unruhe. Die Autoren, zwei anerkannte Ökonomen, kommen darin zu einem ernüchternden Ergebnis - und raten zu drastischen Maßnahmen.

Bisheriges Vorgehen unzureichend?

Der Bericht der US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlerin Carmen Reinhardt und des früheren IWF-Chefökonomen Kenneth Rogoff wirft ein ganz neues Licht auf das Ausmaß der Staatsschuldenkrise Europas und die möglichen Lösungswege. Stimmen die Schlussfolgerungen des Autorenduos, dürften die Hoffnungen der Politik und sicherlich auch vieler Ökonomen platzen, die Krise durch die bereits laufenden Maßnahmen in den Griff zu bekommen.

Niedrigzinspolitik und Sparhaushalte, Finanztransaktionssteuer und die kalte Enteignung der Sparer durch negative Realzinsen - all das reicht den Verfassern der Studie nicht. Selbst die Forderung des IWF aus dem Herbst 2013, eine Schuldensteuer von zehn Prozent auf alle Nettovermögen zu erheben, würde alleine nicht helfen, so die Aussage von Reinhardt und Rogoff.

Analyse vergangener Krisen

Ihre Meinung gründen die Ökonomen auf die genaue Untersuchung von Staatsschuldenkrisen der Vergangenheit. Ein trauriger Rekord: Das Ausmaß der aktuellen Staatsschulden der entwickelten Wirtschaften nähert sich einem Rekordniveau, wie es in den zurückliegenden 200 Jahren keines gab.

Wohlgemerkt spiegelt die Studie nicht die Meinung des IWF wider, wurde aber durch diesen beauftragt und veröffentlicht. Die darin empfohlenen Maßnahmen lesen sich wie ein Science-Fiction-Krimi.

Enteignung gerechtfertigt?

Zunächst müssten die Regierungen ihren jeweiligen Sparkurs beibehalten. Blieben sie konsequent, könnte die Verschuldung binnen 23 Jahren auf das Vorkrisenniveau von 2007 zurückgeführt werden - auf Kosten des Wirtschaftswachstums. Die Haushaltsdisziplin würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um jährlich 1,2 Prozent geringer ausfallen lassen. Diese These stützen Reinhardt und Rogoff auf Untersuchungen von Staatschuldenkrisen der Vergangenheit.

Zusätzlich raten die Ökonomen zu weiterem Schuldenverzicht der Gläubiger, höherer Inflation, Kapitalkontrollen und anderen Formen der finanziellen Repression, wie verdeckten Steuern auf Ersparnisse. Sogar drastische Maßnahmen zur Enteignung, wie sie in Schwellenländern nötig waren, sehe man für Europa als gerechtfertigt an.

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Die beiden Ökonomen empfehlen der Politik, diese Maßnahmen möglichst schnell umzusetzen, da eine Verschleppung des Schuldenproblems nur weitere unnötige Kosten produzieren würde. Es stellt sich nur die Frage, ob solche Vorschläge für entwickelte Länder Europas realistisch bzw. umsetzbar sind.

Vermögensabgabe wie 1948

Eine einmalige Vermögensabgabe wäre eine Lösung mit der Brechstange. Dies hat es in Deutschland 1948 bereits gegeben. Der Grund war damals der Lastenausgleich zur Entschädigung von Flüchtlingen und Vertriebenen. Am Tag nach der Währungsreform wurde das Vermögen festgestellt.

Die Hälfte dessen, was über einen Freibetrag von 5000 Mark hinausging, musste abgegeben werden - allerdings über 30 Jahre verteilt, also pro Jahr etwa 1,7 Prozent der Gesamtsumme. Die Rate konnte in der Regel aus den laufenden Kapitalerträgen bezahlt werden. Die Wirtschaftsleistung litt damals kaum darunter. Verfassungsrechtlich sind solche Maßnahmen nur in einer schweren Krise möglich, in der sich Deutschland im Moment nicht befindet.

Einer Zwangsabgabe wurden in jüngster Vergangenheit die Konten in Zypern unterworfen. Dies ist eher mit einer Sondersteuer zu vergleichen, welche die Staaten in eigenem Ermessen und im verfassungsgemäßen Rahmen erheben dürfen.

Pläne für höhere Abgeltungsteuer

Sehr viel wahrscheinlicher ist hierzulande, dass die Abgeltungsteuer sukzessive erhöht wird. Dem Vernehmen nach liegen Pläne in der Schublade, diese Steuer von 25 auf 32 Prozent anzuheben.

Einen großen Effekt hätte in Deutschland auch die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Jährlich 25 Milliarden Euro, würde eine Abgabe in Höhe von einem Prozent auf die oberen zehn Prozent der Vermögen bringen.

Noch gibt es die Hoffnung, dass die bereits laufenden Maßnahmen greifen und eine sukzessive Entschuldung der Staaten Europas vorankommt. Die Diskussion über höhere Ertragsbesteuerung und/oder Sondersteuern auf bestehende Vermögen verunsichert jedoch schon jetzt die Anleger. Wer für diese Eventualitäten gut aufgestellt sein will, dem bleibt nur eine Lösung: die clevere Diversifizierung des Vermögens über verschiedene Anlageklassen und Währungsräume.

Jörg Horneber, Portfoliomanager der KSW Vermögensverwaltung AG (Quelle: KSW)Jörg Horneber, Portfoliomanager der KSW Vermögensverwaltung AG (Quelle: KSW)

Jörg Horneber ist seit 2012 als Portfoliomanager bei der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg tätig und mit der individuellen Betreuung von Vermögensverwaltungsmandaten betraut. Der studierte Bankfachwirt kann auf eine klassische mehr als 20-jährige Bankkarriere zurückblicken. Zuvor war er Berater im Bereich Private Banking der Deutschen Bank und Relationship Manager bei der Commerzbank im Private Wealth Management.

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