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IWF-Chefin Lagarde: EZB soll zu niedrige Inflation bekämpfen


Geldpolitik noch nicht locker genug  

IWF-Chefin Lagarde: EZB soll zu niedrige Inflation bekämpfen

02.04.2014, 19:24 Uhr | dpa, AP, rtr, t-online.de

IWF-Chefin Lagarde: EZB soll zu niedrige Inflation bekämpfen. IWF-Chefin Christine Lagarde findet die Inflation in der Eurozone gefährlich niedrig (Quelle: Reuters)

IWF-Chefin Christine Lagarde findet die Inflation in der Eurozone gefährlich niedrig (Quelle: Reuters)

IWF-Chefin Christine Lagarde macht sich Sorgen um die ihrer Meinung zu schwache Inflation in der Eurozone. Einen Tag vor der monatlichen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) forderte sie, die Euro-Teuerung anzukurbeln. Notfalls solle die EZB auch zu ungewöhnlichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen greifen, um die Preisstabilität zu sichern, sagte Lagarde in Washington, wo der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Sitz hat.

"Eine potenziell längere Phase mit geringer Inflation kann die Nachfrage und das Angebot unterdrücken - und Wachstum sowie die Entstehung von Arbeitsplätzen verhindern." Dies gelte auch für andere große Volkswirtschaften und sei eines der wesentlichen Hemmnisse für die globale Konjunktur. Von einer gefährlichen Deflation, also einem Verfall der Preise, kann aber laut Lagarde derzeit nicht gesprochen werden. Dennoch solle die EZB über weitere Leitzinssenkung nachdenken.

Schreckgespenst Deflation

Eine Deflation gilt volkswirtschaftlich als gefährlich, weil sie im Gegensatz zu einer Inflation die Tendenz hat, sich selbst zu verstärken - und damit zu einer Abwärtsspirale zu führen. Während sinkende Preise für Verbraucher verlockend erscheinen, haben sie unerwünschte wirtschaftliche Nebeneffekte. So schieben Verbraucher Einkäufe auf, weil sie auf billigere Preise warten. Auch Unternehmen würden dann Investitionsentscheidungen zurückstellen und in einen Sparmodus gehen, was sich wiederum negativ auf die Konjunktur und den Arbeitsmarkt auswirkt.

Die EZB strebt deshalb eine Inflationsrate von etwas unter zwei Prozent an und bezeichnet dies als Preisstabilität. Seit Oktober verharrt die Inflationsrate in der von der EZB selbst so bezeichneten "Gefahrenzone" von unter einem Prozent. Im März fiel sie dabei sogar mit 0,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. In Spanien waren im März die Preise auf Jahressicht sogar um 0,2 Prozent gesunken.

Insgesamt sei die "bescheidene Erholung" von der Wirtschaftskrise in der Eurozone stabil, sagte Lagarde derweil in ihrer Vorschau auf die Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank in der kommenden Woche in Washington. Sie sei "stärker in der Kernregion, aber noch sehr schwach im Süden".

Auch das Wachstum der Weltwirtschaft sei trotz positiver Zeichen "zu langsam", mahnte sie. Das Plus werde in diesem Jahr etwas höher als 2013 sein, als es drei Prozent betrug. Die Schwellenländer vor allem in Asien blieben die Wachstumsmotoren. Von starken Ländern wie Deutschland und den USA forderte Lagarde mehr Investitionen in die Infrastruktur. Auch in aufstrebenden Staaten wie Brasilien, Indien oder Südafrika seien solche Konjunkturmaßnahmen geboten.

Ukraine-Krise belastet die Wirtschaft

Gebremst werde die Wirtschaft auch durch geopolitische Krisen wie in der Ukraine. Diese könnte "größere Ausstrahlungseffekte haben, wenn sie nicht gut bewältigt wird", warnte Lagarde. Der IWF hatte in der vergangenen Woche vorläufig ein zweijähriges Hilfsprogramm von 14 bis 18 Milliarden US-Dollar (10 bis 13 Milliarden Euro) für Kiew angekündigt. Im Gegenzug hatte die Organisation weitreichende Wirtschaftsreformen gefordert. Sie sei zuversichtlich, dass die ukrainische Regierung diese umsetzen wolle und auch werde, sagte Lagarde.

Zudem leide die Weltwirtschaft unter mangelnder Kooperation zwischen den Nationen, fuhr Lagarde fort. Zentralbanken und Finanzregulierer müssten besser zusammenarbeiten und nationale Reformen aufeinander abstimmen. "Falls die Länder nicht zusammen die richtigen Maßnahmen ergreifen, könnten uns Jahre mit langsamem und ungenügendem Wachstum bevorstehen." Mehr gemeinsame "mutige Handlungen" könnten das Wachstum innerhalb von fünf Jahren um zwei Prozentpunkte anheben, meinte sie.

Reform des IWF stockt

Ausdrücklich kritisierte Lagarde die USA dafür, weiterhin die Reform des Währungsfonds aufzuhalten. Dass ein entsprechendes Gesetz jüngst im US-Kongress scheiterte, mache sie "sehr traurig". Die vor rund drei Jahren von den IWF-Mitgliedern vereinbarte Reform soll das Stimmrecht von Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien stärken und dem internationalen Kreditgeber künftig auch mehr Mittel zur Verfügung stellen. Die oppositionellen US-Republikaner lehnen das ab, weil sie unter anderem einen Einflussverlust der USA befürchten.

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