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Pharmaprüfer: Großteil der Medikamente ist überflüssig

Pharmaprüfer  

Großteil der Medikamente ist überflüssig

14.06.2010, 10:37 Uhr | cs mit dpa und dpa-afx, dpa-AFX, t-online.de, dpa

Pharmaprüfer: Großteil der Medikamente ist überflüssig. Pharmaprüfer: Viele Medikamente in Deutschland sind überflüssig (Foto: imago)

Pharmaprüfer: Viele Medikamente in Deutschland sind überflüssig (Foto: imago)

Offenbar ist der Großteil der in Deutschland erhältlichen Medikamente überflüssig. Das sagt zumindest der oberste Pharmaprüfer Deutschlands, Jürgen Windeler. Der Mediziner und künftige Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erklärte gegenüber dem "Focus": "Die Zahl von 50.000 Medikamentenvariationen könnte ohne Qualitätsverlust vielleicht auf ein Zehntel sinken, in jedem Fall auf unter 10.000."

Verbalattacke gegen die Pharmaindustrie

Das IQWiG ist eine Art "Stiftung Warentest" speziell für medizinische Produkte. Seit seiner Gründung im Jahr 2004 hat das Kölner Institut die Industrie mehrfach durch Gutachten verärgert, die teure Medikamente als Schein-Innovationen entlarvten. Windeler tritt zum 1. September die Nachfolge des für seine pharmakritische Haltung bekannten Peter Sawicki an. Offiziell stolperte dieser über eine Spesenabrechnung, sodass sein Vertrag nicht verlängert wurde. Nun teilt sein designierter Nachfolger schon mal verbal aus und sucht in Zeiten klammer Kassen die Konfrontation mit der in Deutschland so mächtigen Pharmaindustrie.

"Nutzlose Behandlungen" nicht erstatten

"Nutzlose Behandlungen" sollte man aus der Erstattungspflicht für die gesetzliche Krankenversicherung herausnehmen, sagte Windeler. Das verschaffe Raum für "wirkliche Fortschritte". Dem Bericht zufolge strebt der Pharmaprüfer eine Verringerung der Zahl der Medikamente über Einzelbewertungen und nicht mit generellen Maximalkosten pro Behandlung an. An konkreten Kosten orientierte Bewertungsmaßstäbe benachteiligten bestimmte Patientengruppen.

Riesiges Einsparpotenzial im Gesundheitssektor

Windeler gilt als anerkannter Pharmafachmann und ist zur Zeit leitender Arzt des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Bereits vor wenigen Tagen prangerte er in der "Frankfurter Rundschau" die Verschwendung im deutschen Gesundheitswesen an: "Die Summen, die für ungeeignete Behandlungen ausgegeben werden, sind erheblich." Insgesamt gebe es ein Einsparpotenzial im zweistelligen Milliardenbereich. Dies könnte mit einer verschärften Gangart gegenüber der Pharmaindustrie gehoben werden - etwa durch Preiszugeständnisse bei Medikamenten.

Nutzen von neuen Pillen untersuchen

Die von der Regierung geplante obligatorische Nutzenbewertung bei neuen Pillen bezeichnete Windeler im Gespräch mit der "Zeit" als "großen Schritt in die richtige Richtung". Bei Therapien, für die es bewährte und preiswerte Alternativen gebe, werde die Industrie so gezwungen, sich "von Anfang an den Festbeträgen zu orientieren".

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