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Lebensversicherungen: Risikoschutz inklusive oder Extra-Police

Lebensversicherungen  

Risikoschutz inklusive oder Extra-Police

16.06.2010, 12:26 Uhr | dpa-tmn

Lebensversicherungen: Risikoschutz inklusive oder Extra-Police. Mit Lebensversicherungen können sich Familien absichern (Foto: imago)

Mit Lebensversicherungen können sich Familien absichern (Foto: imago)

Viele Sparer sichern ihre Familie finanziell mit einer Kapitallebensversicherung ab. In der Kombination von Sparvorgang und Risikoschutz ist letzterer aber zu gering bemessen, bemängeln Verbraucherschützer. Sie raten, sobald Kinder da sind, zum Abschluss einer Risikolebensversicherung. Für die private Altersvorsorge sollten Anleger besser auf andere Produkten zurückgreifen. Dabei beziffert sich der Todesfallschutz in mancher Kapitallebenspolice auf mehrere Zehntausend Euro - auf den ersten Blick ist er also üppig bemessen.

Absicherung meist zu niedrig

Unter Umständen kann das für die Hinterbliebenenabsicherung reichen. Ein Blick auf die Zahlen gibt den Verbraucherschützern allerdings recht: Meist ist die Summe zu klein, um die Familie nach dem Todesfall langfristig zu versorgen. Nach Angaben des Informationszentrums der deutschen Versicherer in Berlin würden Inhaber einer älteren Kapitallebensversicherung im Todesfall im Schnitt 21.900 Euro erhalten. Das ist die durchschnittliche Versicherungssumme für Bestandsverträge zum Stichtag 31. Dezember 2009. "Durchschnitt" bedeutet: Viele Verträge liegen zum Teil weit darüber, viele aber auch darunter, erläutert Zentrumsleiter Stephan Gelhausen.

Selbst mit einer überdurchschnittlichen Absicherung von etwa 10.000 Euro mehr seien Familien aber nicht gut geschützt, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Denn mit 30.000 Euro können zum Beispiel eine Mutter und ein Kind eine Weile über die Runden kommen. Das Eigenheim weiter abzahlen und gleichzeitig das Kleinkind betreuen lassen, weil die Mutter wieder arbeiten geht, können sie damit aber nicht lange: "Das ist nicht so viel Geld, wenn Sie kleine Kinder haben."

30.000 Euro werfen unter 100 Euro im Monat Zinsen ab

Wer zum Beispiel versucht, von den Zinsen dieser Summe zu leben, käme nicht weit. "Wenn Sie 30.000 Euro zu 3 Prozent anlegen, haben sie am Ende des Jahres 900 Euro erwirtschaftet - also keine 100 Euro im Monat", rechnet Rudnik vor. Das Geld wird also schnell aufgezehrt. Der Experte rät deshalb davon ab, mit der Kapitallebensversicherung Hinterbliebene im Ernstfall versorgen zu wollen. "Mit 30.000 Euro können Sie gerade einmal einen Umzug in eine kleinere Wohnung, eine gute Beerdigung und eine Weile die Kindergartengebühr bei Vollzeitbetreuung bezahlen."

Direktversicherer günstig

Er rät Familien mit Kindern deshalb zu einer Todesfallsumme von 200.000 bis 250.000 Euro - und zum Abschluss dieser Summe als Risikolebensversicherung. "Sie sollte im Idealfall eine Laufzeit bis zum Ausbildungsende des Kindes haben - also bis das Kind 23 oder 25 Jahre alt ist", sagt Rudnik. Bei Direktversicherern, bei denen Verbraucher den Vertrag online abschließen, sei dieser Schutz am günstigsten zu haben.

Bei der Risikolebensversicherung sei die Auswahl nicht schwer. Der Preis ist laut Rudnik entscheidend: "Es gibt keine gravierenden Unterschiede bei den Bedingungen für den Todesfallschutz." Auch Beratung und Service während der Vertragslaufzeit brauchten Versicherte in der Regel nicht: "Das ist ein Vertrag, den ich einmal abschließe und dann hoffe, dass er bis zum Ende der Laufzeit nicht in Anspruch genommen wird."

Raucher zahlen schnell das Doppelte

In ihrer jüngsten Marktuntersuchung hat die Stiftung Warentest in Berlin eine Versicherungssumme von 150.000 Euro und 38 Jahre Laufzeit zugrunde gelegt. Günstiger Schutz kostet 27-jährige Nichtraucherinnen etwas mehr als 100 Euro im Jahr, Nichtraucher um die 200 Euro, ergab der Vergleich in der "Finanztest" (Ausgabe 4/2010). Raucher zahlen schnell das Doppelte. Der Abschluss einer höheren Versicherungssumme erhöht auch den Beitrag.

Altersvorsorge und Todesfallschutz zu trennen

Versicherte haben sich in jüngster Zeit den Ratschlag von Verbraucherschützern offenbar zu Herzen genommen, Altersvorsorge und Todesfallschutz zu trennen. Neue Verträge für Kapitallebensversicherungen, die 2009 abgeschlossen wurden, laufen den Zahlen der Versicherer zufolge nur mit einem Todesfallschutz von durchschnittlich knapp 9700 Euro. Neue Risikolebensversicherungen würden dagegen über durchschnittlich rund 76.900 Euro abgeschlossen. "Es gibt gute Gründe, beide Vorgänge zu trennen", sagt Gelhausen. In der Kapitallebensversicherung sind Sparen und Risikoschutz vereint. Ein ausreichender Todesfallschutz ist wichtig - das Sparen aber auch. "Und wenn die Absicherung der Familie im Vordergrund steht, geht das zulasten der Altersvorsorge." Denn Beiträge, die in der Police für das eine aufgewendet werden, schmälern das andere.

Kapitalversicherung oder Risikolebenspolice

Unter den Begriff Lebensversicherung fassen die Anbieter mehrere Arten von Policen. Zwei davon sind die Kapitallebensversicherung und die Risikolebensversicherung. Die erste ist ein Kombi-Vertrag: Zum einen sparen Inhaber eine Altersvorsorge an, zum anderen enthält der Vertrag einen Todesfallschutz. Wenn der Sparer vor Vertragsende - zum Beispiel dem Renteneintritt - stirbt, wird eine individuell vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen ausgeschüttet. Im Normalfall erlebt er das Vertragsende - dann wird die Sparsumme auf einmal ausgezahlt, oder es ist die Zahlung einer monatlichen Rente vereinbart.

Die Risikolebensversicherung beinhaltet keinen Sparvorgang. Inhaber solcher Policen zahlen jeden Monat oder pro Jahr eine Prämie, damit in einem überraschenden Todesfall die Hinterbliebenen eine vereinbarte Summe erhalten. Endet der Vertrag, endet auch der Schutz - ausgezahlt wird dann nichts. Kapital für die Altersvorsorge wird nicht gebildet.

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