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Knapp 500.000 Versicherte wechseln die Krankenkasse

Gesetzliche Krankenkassen  

Knapp 500.000 Versicherte wechseln die Krankenkasse

09.08.2010, 09:58 Uhr | dpa, dpa-AFX, dpa-AFX, dpa

Knapp 500.000 Versicherte wechseln die Krankenkasse. Wegen Zusatzbeiträgen verlassen hunderttausende ihre Krankenkasse (Foto: dpa)

Wegen Zusatzbeiträgen verlassen hunderttausende ihre Krankenkasse (Foto: dpa)

Rund 500.000 Mitglieder haben bis Mitte des Jahres Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen den Rücken gekehrt. Das belegen Informationen aus Branchenkreisen, die der Deutschen Presseagentur vorlagen. Allein die DAK verließen bis zum 1. Juli rund 307.000 Versicherte, wie ein Sprecher der DAK bestätigte.

Die Abgänge bei der DAK setzen sich aus 241.000 zahlenden Mitgliedern sowie knapp über 60.000 beitragsfreien Mitverscherten zusammen. Auch andere Kassen verloren zahlreiche Mitglieder wie zum Beispiel die KKH-Allianz. Diese Kasse verließen 147.000 Versicherte. Erstmals hätten auch viele Rentner und Hartz-IV-Empfänger gewechselt, sagte eine KKH-Allianz-Sprecherin. Früher zogen fast nur jüngere Gutverdiener zu Kassen mit niedrigeren Beitragssätzen.

Krankenkassen: BKK Gesundheit verliert 20 Prozent der Mitglieder

Die BKK Gesundheit musste sogar einen Aderlass von 20 Prozent ihrer Mitglieder hinnehmen. "Wir können das eindeutig auf den Zusatzbeitrag zurückführen, mittlerweile geht die Abwanderung zurück", sagte eine Sprecherin. Immerhin gibt es bei keiner der Kasse wegen der Mitglieder-Abgänge eine krisenhafte Entwicklung, wie der Chef des Ersatzkassenverbands vdek, Thomas Ballast, mitteilte.

TKK gewinnt fast 240.000 neue Mitglieder

Die Kassen ohne Zusatzbeiträge profitieren derweil von einem deutlichen Zuwachs an Mitgliedern: Marktführer Barmer GEK verzeichnete ein Plus von 69.000 Versicherten, die Techniker Krankenkasse TKK sogar von 238.000. Vermehrt Zusatzbeiträge und Sozialausgleich dürften die Kassenlandschaft weiter durcheinanderwirbeln. "Die Unterschiede bei der Liquidität der einzelnen Kassen ist groß", sagte der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. Wer also mehr zahlen muss, dürfte dahin wechseln, wo es weniger kostet. Viele Kassen dürften in Druck geraten. Wasem meinte, absehbar werde die Zahl der Kassen von derzeit 163 auf 100 sinken.

Mit Spannung erwarten Kassen und Koalitionsfraktionen nun den Gesetzesentwurf von Minister Philipp Rösler (FDP) nach dem Sommer. Die bisher auf maximal ein Prozent des Einkommens begrenzten Zusatzbeiträge sollen künftig unbegrenzt steigen können. Der Ausgleich aus Steuern soll aber verhindern, dass Versicherte mehr als zwei Prozent ihres Einkommens zahlen. Die KKH-Allianz äußerte sich derweil optimistisch, im kommenden Jahr wieder ohne Aufschlag auszukommen.

Kassen verlangen weitere Einsparungen

Die Kassen pochen auf stärkere Einsparungen. Die Vorsitzende des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagte: "Mit den bisher bekannten Eckpunkten bleibt die Bundesregierung deutlich hinter ihren Einsparplänen zurück." Nullrunden bei Ärzten und Krankenhäusern hätten die zusätzliche Belastung von Versicherten ihrer Ansicht nach merklich verringert. "Es ist unverständlich, dass die Koalitionäre selbst in so schwierigen Zeiten diejenigen schonen, die in den letzten Jahren massive Zuwächse verzeichnen konnten."

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