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Philipp Rösler verteidigt Honorar-Plus für Ärzte

Rösler verteidigt Honorar-Plus für Ärzte

07.10.2010, 10:45 Uhr | dpa, dapd, bab, dapd, dpa, t-online.de

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat sich hinter die vereinbarte Honorarerhöhung für Kassenärzte gestellt. Eine zusätzliche Belastung der Beitragszahler schließt der FDP-Politiker aus. Im "Deutschlandradio Kultur" sagte Rösler, die Krankenkassen "werden nicht gezwungen werden, einen zusätzlichen Zusatzbeitrag zu nehmen". Die bereits angekündigte Beitragserhöhung von 14,9 auf 15,5 Prozent reicht laut Rösler aus.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, sagte dem Sender "n-tv": "Zunächst einmal muss keine Krankenkasse wegen diesem gebremsten Zuwachs einen Zusatzbeitrag erhöhen. Das ist in den gesetzlich festgelegten Beitragserhöhungen mit eingepreist." Dies würde jedoch bedeuten, dass der Schätzerkreis für die gesetzliche Krankenversicherung und die Koalition das Ergebnis der Honorar-Verhandlungen zwischen Kassen und Ärzten bereits vorweggenommen hatten.

Laut den vorliegenden Informationen soll das Honorar der rund 150.000 Kassenärzte von 32 auf 33 Milliarden steigen. Mit 500 Millionen Euro sollen Ärzte in Regionen bessergestellt werden, die zuletzt geringere Zuwächse bekamen. Köhler wies diese Angaben der Kassen jedoch zurück: "Wir haben am gestrigen Tage eine Zuwachssituation geschaffen, die sich auf 675 Millionen Euro beziffert und nicht auf eine Milliarde."

Kassen werfen Ärzten Augenwischerei vor

Die Antwort der Kassen erfolgte umgehend. "Der gestrige Beschluss und die darüber hinaus kommenden Honorarsteigerung, zum Beispiel für mehr Vorsorgeuntersuchungen und zusätzliche Leistungen, summieren sich auf deutlich über eine Milliarde Euro mehr im kommenden Jahr", bekräftigte Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen.

"Man kann nicht nur einen Teil der Gesamtsteigerung nennen und hoffen, dass niemand merkt, dass es darüber hinaus noch mehr gibt. Das ist keine gebremste Steigerung, sondern ein satter Zuwachs“, kritisierte Lanz weiter. Nach Angaben der Kassen gab es bereits im vergangenen Jahr Honorarsteigerungen für die Ärzte der Region Nordrhein um 5,0 Prozent und in der Region Westfalen-Lippe um 7,6 Prozent. Die Ärzte in Bayern bekamen im Vergleich zu 2008 1,7 Prozent mehr Honorar, die in Baden- Württemberg büßten 1,5 Prozent ein. In ganz Deutschland gab es ein Plus von 6,3 Prozent.

Von dem nun zugesicherten Honorarplus auf rund 33 Milliarden Euro profitieren die Kassenärzte nach einem Bericht der "Passauer Neue Presse" höchst unterschiedlich. Mit einem Zuwachs von mehr als 160 Millionen Euro im Jahr sind die Ärzte in Nordrhein-Westfalen laut Bericht die größten Gewinner. Kassenärzte in Baden-Württemberg bekommen 2011 rund 80 Millionen Euro mehr, die in Bayern rund 40 Millionen, berichtete die "PNP" weiter.

Ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bestätigte die Zahlen am Mittwoch. Die Erhöhung in Nordrhein-Westfalen würde rein rechnerisch ein jährliches Plus von rund 5000 Euro für jeden Mediziner bringen. Entsprechend groß ist die Enttäuschung in einigen Ländern - im Norden wollen die Mediziner jetzt mehr. Vor allem die bayerischen Ärzte sind unzufrieden.

Bayern und Hamburg unzufrieden

Als zutiefst ungerecht beurteilte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Axel Munte, die Ergebnisse und auch aus Hamburg kam Kritik. "Neben Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist Hamburg eine von drei Regionen, die benachteiligt werden", erklärte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Dieter Bollmann, und forderte eine höhere Beteiligung der Ärzte in der Hansestadt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Erhöhung unterdessen scharf. "Es ist eine mehr als frivole Ausschweifung, dass sich die Praxisärzte in Zeiten, wo die Versicherten derbe Zusatzbelastungen hinnehmen müssen und die Kopfpauschale droht, eine zusätzliche Milliarde in die Taschen stecken", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

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