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Krankenkassen-Pleiten: Worauf Versicherte achten sollten

Worauf Versicherte achten sollten, wenn die Kasse pleite geht

02.08.2011, 10:55 Uhr | dpa-tmn / t-online.de, dpa-tmn

Krankenkassen-Pleiten: Worauf Versicherte achten sollten. Nicht immer lässt sich leicht erkennen, ob eine Krankenkasse vor der Pleite steht (Foto: Archiv) (Quelle: t-online.de)

Nicht immer lässt sich leicht erkennen, ob eine Krankenkasse vor der Pleite steht (Foto: Archiv) (Quelle: t-online.de)

Die Pleite der City BKK war nach Einschätzung von Experten nur der Anfang: Auch einer Reihe weiterer Krankenkassen könnte das finanzielle Aus drohen. Versicherte haben aber kaum Möglichkeiten zu erkennen, ob auch ihre Krankenkasse in Schwierigkeiten steckt. Wir erläutern Ihnen, auf welche Warnsignale Sie achten sollten und wie Sie sich im Zweifelsfall eine neue Krankenkasse suchen.

Kassenmitglieder haben natürlich die Möglichkeit, amtliche Statistiken oder auch die Geschäftsberichte einzusehen. "Aber das ist immer der retrospektive Blick", sagt Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen in Berlin. Außerdem können Versicherte direkt bei ihrer Kasse nachfragen. Tatsächlich haben sie dabei aber kaum eine Chance, nützliche Informationen zu erhalten.

Neu erhobener Zusatzbeitrag kann Warnsignal sein

Ein Warnsignal ist allerdings der Zusatzbeitrag. "Natürlich wird eine Krankenkasse, die in Schwierigkeiten gerät, einen Zusatzbeitrag erheben", erläutert Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine Krankenkasse, die bisher noch keinen Zusatzbeitrag erhebt, wird nicht überraschend schließen, sondern zunächst einen Beitrag erheben. "Eine Kasse ohne Zusatzbeitrag ist erst mal nicht von einer Schließung betroffen", betont Schuldzinski.

Wechsel ist kein Problem für Alte oder Kranke

Sollte ein Versicherter merken, dass seine Krankenkasse in finanziellen Schwierigkeiten steckt, sollte er wechseln, rät der Experte. Zwar ist der Gedanke weit verbreitet, dass die Krankenkassen ältere oder kranke Menschen als neue Mitglieder ablehnen. "Grundsätzlich ist es aber so, dass jede Kasse jeden nehmen muss", so Schuldzinski.

Versicherungsschutz bleibt bei Kassenpleite erhalten

Ist die eigene Kasse vor einem Wechsel pleite, hat das keine gravierenden Folgen. "Ich behalte meinen Versicherungsschutz", bestätigt Marini. Ein Pflichtversicherter hat zwei Wochen und ein freiwillig Versicherter drei Monate nach der Schließung Zeit, sich eine neue Kasse zu suchen - sonst trifft der Arbeitgeber, der Rentenversicherungsträger oder die Bundesagentur für Arbeit diese Entscheidung für ihn.

Kündigungsfristen beachten

Für die Kündigung bei der alten Kasse gelten jedoch bestimmte Fristen. "Man kann eine Krankenkasse nur verlassen, wenn man 18 Monate in der alten Krankenkasse drin war", warnt Schuldzinski. Ein Sonderkündigungsrecht besteht, wenn die Krankenkasse plötzlich Zusatzbeiträge einführt oder diese erhöht. In dem Fall kann der Versicherte sofort kündigen.

Die Krankenkasse ist verpflichtet, dem Mitglied spätestens innerhalb von zwei Wochen nach Eingang der Kündigung eine Bestätigung auszustellen, sagt Michaela Gottfried vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Berlin. Diese Bescheinigung wird der neu gewählten Krankenkasse vorgelegt. Die stellt dann eine Mitgliedsbescheinigung aus, die wiederum dem Arbeitgeber beziehungsweise der zur Meldung verpflichteten Stelle vorzulegen ist.

Filialnetz ist für Ältere wichtig

Vor einem Wechsel sollten sich Versicherte aber gut informieren. Die Leistungen der gesetzlichen Kassen seien nahezu gleich, so Schuldzinski. Allerdings gebe es Unterschiede im Filialnetz. Einige Kassen hätten viele Niederlassungen, andere seien im Internet besser aufgestellt. "Gerade Ältere haben es gerne, wenn sie in die Geschäftsstelle gehen können."

Informationen über Programme einholen

Chronisch Kranke sollten zudem darauf achten, dass auch die neue Krankenkasse bestimmte Programme anbietet - beispielsweise für Diabetiker oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Wer damit in seiner Krankenkasse bisher gut gefahren ist, sollte sich erkundigen, ob auch die neue Krankenkasse solche Programme anbietet", rät Schuldzinski.

Augen auf beim Rückerstattungstarif

Außerdem sollten Versicherte bei einem Wechsel auf Wahltarife, zum Beispiel den Beitragsrückerstattungstarif, achten. "Das ist nicht immer ganz ungefährlich. Damit bindet man sich drei Jahre an die Krankenkasse", gibt der Experte zu bedenken. Besonders aufpassen sollten Krankenversicherte bei dem Wahltarif "Krankengeld". Damit können Mitglieder ihren Anspruch auf Krankengeld aufbessern. Wer diesen Tarif wählt, verliert jedoch sein Sonderkündigungsrecht.

Private Versicherung kann Alternative sein

Ist die alte Krankenkasse pleite, besteht außerdem die Möglichkeit, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Das ist aber nicht für jeden möglich. Der gesetzlichen Krankenkasse können nur freiwillig Versicherte den Rücken kehren, deren Einkommen über der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze von rund 3700 Euro liegt. Für Verbraucherschützer steht fest: Für junge und gesunde Menschen kann das eine Alternative sein. Wer aber älter und krank ist, vielleicht nur eine Brille benötigt, dem droht der Ausschluss bestimmter Leistungen oder höhere Tarife.

Darüber hinaus birgt die private Krankenversicherung noch ein weiteres Hindernis. "Man muss sich im Klaren sein: Eine Rückkehr gibt es nicht", sagt Schuldzinski. Privatversicherte können erst wieder in die gesetzliche Kasse wechseln, wenn sie ein Jahr unter der Beitragsmessungsgrenze lagen. Versicherte über 55 Jahre können gar nicht mehr zurückkehren.

Private Versicherungen sind nicht für jeden empfehlenswert

"Das ist eine Entscheidung fürs Leben, die man sich gut überlegen muss", fasst Schuldzinski zusammen. Denn im Alter steigen noch dazu die Beiträge. Außerdem bieten private Krankenversicherungen keine Familienversicherung. Jedes Mitglied muss daher einzeln versichert werden, und das kostet zusätzlich.

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