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Honorar-Bonus soll Ärzte aufs Land locken

Honorar-Bonus soll Ärzte aufs Land locken

03.08.2011, 08:48 Uhr | dpa, t-online.de, dpa

Honorar-Bonus soll Ärzte aufs Land locken. Wo geht es zum Landarzt? Die Regierung sucht Orientierung auf dem Land (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Wo geht es zum Landarzt? Die Regierung sucht Orientierung auf dem Land (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Auf dem Land fehlen immer mehr Ärzte. Den Nachwuchs zieht es statt auf die Weide in die lukrativen Städte. Der Beruf des Landarztes droht auszusterben. Mit fatalen Folgen für die Landbevölkerung. Denn die muss immer weitere Strecken in Kauf nehmen, um in den Genuss einer ordentlichen medizinischen Versorgung zu kommen. Die Politik hat dieses Problem erkannt und steuert gegen. Finanzielle Anreize sollen den Mediziner-Nachwuchs auf das Land locken und so das Problem lösen. Doch das könnte die Versicherten teuer zu stehen kommen. Erster Widerstand formiert sich.

Kabinett berät Ärzte-Problem

Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch den Gesetzentwurf zur Behebung des Landarztmangels von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Dieser sieht finanzielle Anreize für Mediziner vor, um so auch auf dem Land eine wohnortnahe medizinische Versorgung flächendeckend sicherzustellen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind derzeit bundesweit 550 zur Versorgung unbedingt notwendige Arztpraxen nicht besetzt. Die Lücke dürfte sich aber weiter vergrößern.

Eine Folge des Arztmangels: Viele Patienten auf dem Land müssen weite Wege in Kauf nehmen, um einen Arzt zu erreichen. Zudem gibt es für viele aus dem Beruf ausscheidende Landärzte keine Nachfolger. Deshalb will Bahr den Arztberuf durch eine "leistungsgerechte Vergütung" generell attraktiver machen. Vor allem aber sollen Jungmediziner durch höhere Honorare aufs flache Land gelockt werden.

Gemeinden sollen in die Versorgung einsteigen

Für mehr Versorgungsqualität sollen auch die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Behandlung eingeebnet werden. Geplant ist, dass Ärzte in Reha- und Pflegeeinrichtungen in unterversorgten Gebieten Patienten auch von außerhalb behandeln können. Gemeinden soll erlaubt werden, Arztpraxen auch in Eigenregie zu betreiben. Bei Bedarf sind auch rollende Arztpraxen vorgesehen.

Kritiker monieren allerdings, dass Bahr zusätzliches Geld für die Ärzte locker machen will, und zwar zulasten der Versicherten. Kassenvertreter sprechen schon vom "Ärzteversorgungsgesetz" mit Zusatzkosten in Milliardenhöhe. Nach Kassen-Meinung kann das Problem des Landarztmangels durch eine bessere Mittelverteilung und den Abbau der Überversorgung in Ballungsräumen gelöst werden.

Ärzte müssen Versorgung sicherzustellen

Die Arbeitgeber kritisierten das mangelnde Engagement der Ärzteverbände bei dem Thema: "Es ist gesetzliche Aufgabe der Ärzteschaft, überall eine ausreichende ärztliche Versorgung sicherzustellen", sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) der Zeitung "Die Welt". "Wenn die Ärzteschaft dazu bislang nicht in der Lage ist und deshalb der Gesetzgeber aktiv werden muss, darf diese Fehlleistung nicht noch mit einem Honorarzuwachs belohnt werden." Die Neuordnung der ärztlichen Versorgung könne und müsse kostenneutral erfolgen.

Der neue Chef der Krankenkasse Barmer/GEK, Christoph Straub, mahnte Korrekturen am Gesetzentwurf an. "Meine größte Sorge ist, dass die Herausforderung einer gleichmäßigeren Verteilung von Ärzten nicht ausreichend angegangen wird", sagte er der "Rheinischen Post". Insbesondere die Maßnahmen gegen die ärztliche Überversorgung kämen zu kurz. Das Gesetz habe aber auch "gute Ansätze".

Opposition mit Alternativvorschlägen

Aus Sicht von Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) enthält Bahrs Gesetz nur Versprechungen. "Es schafft kaum Anreize, um mehr Hausärzte aufs Land zu holen", sagte sie der dpa. "Das Anliegen, die hausärztliche Versorgung attraktiver zu machen, bleibt auf der Strecke." Vermehrte Anstrengungen in der Aus- und Weiterbildung der Allgemeinmedizin würden hier helfen. Nötig sei auch ein abgestimmtes Zusammenwirken von Krankenhäusern und ambulanter Betreuung. Sie habe Verständnis dafür, Honorare für schwer arbeitende Ärzte in unterversorgten Regionen zu erhöhen. "Aber das darf keine Dauerlösung sein."

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) pocht bei der medizinischen Versorgung auf eine Mitsprache der Länder. "Wir brauchen flexible Modelle, um die medizinische Versorgung auch in der Fläche sichern zu können." Sie warnte Bundesgesundheitsminister Bahr davor, den nach zähem Ringen zwischen Bund und Ländern gefundenen Kompromiss aufzuweichen. Schwesig kritisierte, dass der Gesetzentwurf den Zugang zum Medizinstudium außer Acht lasse. Beispielsweise fehle die vielfach geforderte Landarztquote. Demnach sollen bei der Studienplatzvergabe Bewerber bevorzugt werden, die nach dem Studium für eine bestimmte Zeit in ländlichen Regionen arbeiten wollen.

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