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Vielen Krankenkassen in Deutschland droht die Insolvenz

Vielen Krankenkassen droht die Insolvenz

26.09.2011, 08:44 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Vielen Krankenkassen in Deutschland droht die Insolvenz. Krankenkassen in Deutschland droht Pleitewelle (Quelle: dapd)

Krankenkassen in Deutschland droht Pleitewelle (Quelle: dapd)

Fairer Wettbewerb zwischen den Krankenkassen? Das 2009 gesetzte Ziel wurde einem Zeitungsbericht zufolge deutlich verfehlt. Demnach droht nun fast jeder zweiten Kasse die Pleite. 

Finanzausgleich weist Schwächen auf

Das Insolvenzrisiko vieler Krankenkassen ist erheblich gestiegen. Grund: Der seit 2009 geltende Finanzausgleich zwischen den Kassen weist erhebliche Schwächen auf. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats, das nach einem Bericht des "Handelsblatts" seit vier Monaten unter Verschluss gehalten wurde.

Die Reform habe den seit den neunziger Jahren praktizierten Ausgleich zwar zielgenauer gemacht, soll es in dem Gutachten heißen. Bei vielen Krankenkassen decke er aber nicht die Ausgaben. "Auf Einzelkassenebene reicht die Spanne der Deckungsquoten von 90,6 bis 124,8 Prozent", zitiert die Zeitung aus dem Bericht. Dies bedeutet: Es gibt Kassen, die rund ein Viertel mehr über die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhalten als sie brauchen. Andere laufen nur deshalb ins Defizit, weil sie für ihre kranken Versicherten zu wenig Geld bekommen.

Keine Kasse sollte Nachteile haben

Seit 2009 gilt ein Einheitsbeitrag für die Krankenkassen. Alle Häuser müssen ihre Beitragseinnahmen an den Gesundheitsfonds überweisen. Von dort erhalten sie pro Versichertem eine Pauschale plus Zuschläge, die nach Alter und Geschlecht gestaffelt sind. Für 80 Krankheiten werden zusätzlich die durchschnittlich entstehenden Ausgaben erstattet, daher der Name krankheitsorientierter Finanzausgleich. So sollte erreicht werden, dass keine Kasse mehr Nachteile hat, weil sie viele Kranke oder ärmere Versicherte hat. Genau das funktioniert laut "Handelsblatt" aber offensichtlich nicht.

"Der Gesundheitsfonds führt zu einer Einheitskasse"

Nach den Daten befinde sich nämlich bereits heute "etwas weniger als die Hälfte aller Krankenkassen in konkreter Insolvenzgefahr, da ihre Ausgaben nicht zuverlässig durch Zuweisungen des Bundesversicherungsamts gedeckt werden können, weder kurz- noch mittel- und langfristig," sagt Thomas Dabrinski, Leiter des Instituts für Mikrodatenanalyse in Kiel. Ihm zufolge "zeigt der Evaluationsbericht, dass im Ergebnis der Gesundheitsfonds zu einer Einheitskasse führen wird".

Der Beirat spricht sich in dem Gutachten für Reformen des Ausgleichs aus. Pläne der Koalition, den Finanzausgleich abzuspecken, indem statt der Kosten von 80 Krankheiten nur noch 50 oder 30 berücksichtigt werden, lehnen die Gutachter ab. Dies könnte laut Zeitung ein Grund sein, warum Gesundheitsminister Daniel Bahr das von seinem Vorgänger Philipp Rösler (beide FDP) angeforderte Votum bislang unter Verschluss hält.

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