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Neues Landarzt-Gesetz: Ärzte sollen neu verteilt werden

Neues Landarzt-Gesetz: Ärzte sollen neu verteilt werden

30.12.2011, 12:57 Uhr | dpa, dpa , t-online.de

Neues Landarzt-Gesetz: Ärzte sollen neu verteilt werden. Landärztin beim Hausbesuch: Das Landarzt-Gesetz soll die Versorgung verbessern (Quelle: dapd)

Landärztin beim Hausbesuch: Das Landarzt-Gesetz soll die Versorgung verbessern (Quelle: dapd)

Wenn am 1. Januar 2012 das neue Landarzt-Gesetz in Kraft tritt, dürfte es Konflikte über die künftige Verteilung der Mediziner in Deutschland auslösen. Das erwarten die Akteure im Gesundheitswesen: Ärzte und Krankenkassen. Über 40.000 Haus- und Fachärzte gehen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand. Das verschlechtert die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten nochmals. Viele Patienten müssen wohl dauerhaft weite Wege zu spezialisierten Fachärzten in Kauf nehmen. Der Kassen-Branchenführer Barmer GEK warnt derweil bereits vor einem neuen Wasserkopf an Bürokratie - wegen des neuen Planungsaufwands.

"In dünn besiedelten Regionen werden wir ganz neue Wege gehen müssen", sagte der zuständige Vizechef des Verbands der gesetzlichen Kassen, Johann-Magnus von Stackelberg. "Da wird es mehr ärztliche Gemeinschaftspraxen oder auch medizinische Versorgungszentren geben, in denen zum Beispiel an einem Tag der Woche der Internist, am nächsten der Orthopäde und an den anderen weitere Fachärzte tätig sind."

Weniger Einwohner pro Arzt

Patienten müssten aber weiter Hausärzte schnell erreichen können. Die KBV will sogar, dass eine grundlegend neue Ärzteplanung mehr Allgemeinmediziner festschreibt: Ein Arzt soll nicht mehr wie heute im Schnitt auf 1700, sondern auf nur noch 1500 Einwohner kommen. Die Anfahrt zu spezialisierten Ärzten dürfte laut Kassenverband und KBV dagegen teils deutlich weiter sein. Doch bis zu einem echten Konzept ist es noch ein langer Weg - mit hohem Risiko von Komplikationen.

KBV-Chef Andreas Köhler erwartet nicht vor Ende 2012 eine entsprechende Richtlinie des höchsten Entscheidungsgremiums von Ärzten, Kassen und Kliniken, dem Gemeinsamen Bundesausschuss. "Erst dann können die maßgeblichen Zulassungsausschüsse handeln." Hier entscheiden regionale Funktionäre, wo welche Ärzte sitzen sollen.

Länder könnten Ärzte abwerben

Die Länder haben sich mit dem Gesetz ein Mitspracherecht erkämpft - die Kassen warnen schon vor Zuständen wie bei den Lehrern, die sich die Länder gegenseitig abspenstig machen.

Für Ärztefunktionär Köhler ist zentral: Vom Augenarzt über den Internisten bis zum Urologen soll exakt geplant werden, wo wie viele Mediziner arbeiten sollen. "Wir wollen eine Planung für alle 36 Arztgruppen, nicht nur für 14 wie heute."

GEK befürchtet mehr Bürokratie

Bringt genaue Planung wirklich mehr Mediziner? Köhler meint: "Wir werden das Potenzial möglicher Ärzte deutlich besser abschöpfen können." Der Chef der größten deutschen Krankenkasse Barmer GEK, Christoph Straub, hingegen mahnt: "Den angenommenen Ärztemangel durch eine immer verfeinerte Planung zu beseitigen, funktioniert nicht." Er warnte: "Das bringt nicht mehr Ärzte aufs Land, sondern nur mehr Ausschüsse und Planer."

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Für Straub stehen andere Umbrüche im Fokus. "Die Zeiten, in denen man Patienten ausschließlich in ein Klinikbett legen musste, um sie zu behandeln, sind vorbei", sagt der gelernte Arzt. Köhler erwartet Verlagerungen von stationären hin zu ambulanten Behandlungen sogar "in einer gigantischen Dimension". Bei schwierigen Behandlungen müssen Spezialisten aus Klinik und Arztpraxis im konkreten Fall nach weit verbreiteter Expertenansicht enger zusammenarbeiten.

Abbau von Überversorgung im Konflikt mit kürzeren Wartezeiten

Ein weiterer Streitpunkt ist die sogenannte Überversorgung. Sollen in Regionen mit vielen Ärzten Praxissitze von den Kassenärztlichen Vereinigungen aufgekauft werden - also verschwinden? Ärzte und Kassen müssten dies jeweils gemeinsam entscheiden.

Zugleich sollen laut Gesetz die Wartezeiten auf einen Arzttermin angemessen sein. Ärztefunktionär Köhler mahnte: "Je mehr Praxen aufgekauft werden, desto schwerer sind kürzere Wartezeiten zu erreichen."

Ärzte müssen nicht mehr in der Nähe ihrer Praxis wohnen

Das Versorgungsstrukturgesetz sieht auch die Aufhebung der Pflicht für Ärzte vor, nahe der Praxis zu wohnen. "Wir können die Versorgung vor Ort definitiv verbessern", sagte Köhler. Zugleich warnte er vor zu großen Hoffnungen. Die Patienten spürten Effekte erst 2015.

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