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Pflege im Ausland: Hoffentlich richtig versichert

Pflege im Ausland: Hoffentlich richtig versichert

27.02.2013, 15:33 Uhr | jbü, t-online.de

Pflege im Ausland: Hoffentlich richtig versichert. Altern im Ausland kann zum Genuss werden - wenn das Finanzpolster stimmt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Altern im Ausland kann zum Genuss werden - wenn das Finanzpolster stimmt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Seit Januar gibt es den Pflege-Bahr, eine staatlich geförderte Zusatzversicherung. Viele kennen das Produkt noch nicht, aber vielen dürfte auch nicht klar sein, dass ihre gesetzliche Pflegeversicherung im Grunde nie die vollen Kosten übernimmt. In der Versicherungsbranche gibt es noch nicht allzu viele Tarife. Und was gilt eigentlich im Ausland? Ein Versicherer wirbt jetzt, sein Produkt mit Pflege-Bahr habe eine weltweite Leistung. Die Verbraucherzentrale mahnt aber zum Blick auf die Details.

Für eine private Absicherung gibt es gute Gründe. Die gesetzliche Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Kosten. In der höchsten Pflegestufe III sind das maximal 1550 Euro im Monat. Für einen Heimplatz reicht das niemals, der kostet im Durchschnitt 3000 Euro. Er muss also privat mitbezahlt werden – über Jahre und Jahrzehnte nagt das selbst an stattlichen Polstern.

Beim Pflege-Bahr wird niemand abgelehnt

In diese Lücke will der Pflege-Bahr springen, benannt nach dem FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr. Größter Vorteil für die Kunden: Die bei privaten Pflegeversicherungen übliche Gesundheitsprüfung ist bei Bahr-Modellen verboten. Es kann also kein Kunde abgelehnt werden, auch hohe Risiko-Zuschläge entfallen.  

Wer als junger Mensch abschließt, erhält mit dem Minimalbeitrag von 180 Euro im Jahr einen Beitragszuschuss von 60 Euro im Jahr und hat Anspruch auf fast 1500 Euro monatlich in Pflegestufe III. Ältere zahlen höhere Beiträge und bekommen weniger Leistung – garantiert sind 600 Euro für Pflegestufe III.

Bisher nur weniger Anbieter

Dass jeder mitmachen darf, ist für die Branche ein Haken. Daher gibt es laut Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale NRW bisher wenige Versicherungen, die einen "Bahr" anbieten. Kombi-Modelle mit einer privaten Zusatzversicherung würden dann dafür sorgen, dass sich bei den Anbietern nicht nur schlechte Risiken sammeln, also Kunden, die überall anders abgelehnt würden.

"Ganz pfiffig" findet Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale NRW das Angebot der "Münchener Verein Versicherungsgruppe". Die wirbt damit, dass eine ihrer Pflegevorsorgeprodukte jetzt auch die Förderung durch den Pflege-Bahr erhält – und noch dazu ein paar der Mängel der staatlich geförderten Zusatzversicherung beseitigt: Weltweite Zahlung statt wie im Standard nur in Europa werden genannt oder eine Wartezeit von nur drei statt fünf Jahren zwischen Abschluss und Versorgungsanspruch. Bei Pflegebedürftigkeit nach Unfall gibt es generell keine Wartezeit.

"Das ist wohl eine Kombination des Pflege-Bahrs mit einer Pflegetagegeldversicherung", sagt Nordmann, eine entsprechende Pressemitteilung findet sie "nicht so ganz durchsichtig". Kombi-Modelle bieten aber auch andere Versicherungen an.

"Weltweite Leistung" hat einen Haken

Bei der "weltweiten Leistung" des Münchener Angebots hakt Nordmann allerdings ein. "Außerhalb der EU gibt es keinerlei Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung", warnt sie. Auch die Bahr-Leistungen gelten nur im EU-Ausland (ohne Schweiz). Die Pressemeldung, die zum Beispiel einen umsorgten Alterssitz in Thailand schmackhaft macht, hält sie daher für problematisch. In der Praxis gäbe es dann hier zwar das Geld der Versicherung, aber nichts aus der gesetzlichen Pflegeversicherung – es droht wieder eine Versorgungslücke.

Jana Weisshaupt, beim Versicherer für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sagte gegenüber t-online.de, die Lücke lasse sich verhindern, indem Kunden einen höheren Versicherungsschutz wählen. In diesen Genuss kommt aber nicht jeder. "Bei verschiedenen, schwierigen Risiken kann es passieren, dass wir das Kombi-Produkt leider nicht anbieten." Das sei in der Branche allgemein üblich. Den Standard-Pflege-Bahr könne aber jeder abschließen.

Pflegeversicherung: Nicht die einzige Absicherung für das Alter

Nordmann gibt noch zu bedenken, eine Pflegeversicherung sei nicht die erste und einzige Möglichkeit, sich vor hohen Kosten im Alter zu schützen. Sie empfiehlt, zuerst die normale Altersversorgung zu sichern, zum Beispiel durch Geldanlagen. Pflegetarife müsse man spätestens Mitte 40 abschließen, sonst stiegen die Tarife zu sehr. Andererseits müsse man vermutlich lange Zeit Beiträge zahlen. Beim Angebot des Münchener Vereins lässt sich gegen Beitragsaufschlag festlegen, dass im Leistungsfall nicht weiter gezahlt werden muss. Außerdem wird auch rückwirkend gezahlt, wenn die Pflegebedürftigkeit erst mit einer gewissen Verzögerung festgestellt wird - ein wichtiges Detail.

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