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IGeL und GOUDA: Diese Ärzte kassieren besonders viel

TK-Chef: Diese Ärztegruppen kassieren besonders viel

02.07.2013, 12:34 Uhr | t-online.de

IGeL und GOUDA: Diese Ärzte kassieren besonders viel. Jens Baas ist Chef der Techniker Krankenkasse (Quelle: dpa)

Jens Baas ist Chef der Techniker Krankenkasse (Quelle: dpa)

Woran hakt es beim deutschen Gesundheitssystem? In die Debatte hat sich jetzt Jens Baas eingemischt, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK). Im Interview mit der "Bild"-Zeitung spricht Baas Klartext über krasse Geldverschwendung und legt offen, welche Ärzte mit Selbstzahler-Leistungen am meisten abkassieren.

Privatpatienten bekommen "mehr angedreht"

Die Vorteile einer privaten Krankenversicherung sind bekannt: Es gibt einerseits schneller einen Termin beim Arzt. Andererseits bekomme ein Privatversicherter auch "mehr angedreht", erklärt Baas der Zeitung. "Wenn ein Arzt an Privatpatienten dadurch mehr verdient, kann es sein, dass er diese bei Terminen bevorzugt".

Eine Versichertenbefragung der Forschungsgruppe Wahlen ergab, dass fast jeder vierte gesetzlich Versicherte (24 Prozent) mehr als drei Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten muss. Bei Privatversicherten waren es lediglich fünf Prozent.

Abzocke beim Facharzt

Die Abzocke beim Arztbesuch kann jedoch laut Baas jeden treffen. Die Ärztegruppen, die besonders viele Selbstzahler-Leistungen abrechneten, trügen unter Medizinern den Spitznamen "GOUDA". Damit gemeint seien Gynäkologen, Orthopäden, Urologen, Dermatologen und Augenärzte. Dabei haben vor allem die umstrittenen individuellen Gesundheitsleistungen, "IGeL" genannt, praktisch keinen deutlich erwiesenen Nutzen.

"IGel"-Leistungen ohne Nutzen

Das ist zumindest die Meinung des Medizinischen Diensts der Krankenkassen (MDK). Die Einschätzung gilt etwa für Ultraschall-Untersuchungen der Brust zur Krebsvorsorge, der Früherkennung von Grünem Star (Glaukom), der Früherkennung von Prostatakrebs oder der professionellen Zahnreinigung bei Erwachsenen ohne Paradontitis.

Neue Praxisgebühr gefordert

Jens Baas hatte indes erst kürzlich mit einem neuen Vorschlag für Aufsehen gesorgt. In einem Interview mit der "WirtschaftsWoche" hatte er erklärt: "So sollte der Zugang zum Hausarzt als erste Versorgungsstufe grundsätzlich ohne Zuzahlung möglich sein. Aber für den Besuch beim Facharzt ohne Überweisung kann ich mir einen Selbstbehalt der Patienten vorstellen."

Geldverschwendung bei Operationen

Unnötiges Geld fließt seiner Ansicht nach in unnötige Operationen. Ganz oben stehen demnach Herz-Katheder-Untersuchungen, gefolgt von OPs am Bewegungsapparat wie der Hüfte. Ein Zweitmeinungs-Verfahren seiner Kasse habe ergeben: In 80 Prozent der Fälle hielt der zweite Mediziner die geplante Operation für nicht notwendig.

OECD-Studie schlägt Alarm

Auf die Vielzahl an Operationen hatte im April bereits eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufmerksam gemacht. Der Analyse zufolge wird in kaum einem anderen Land so oft operiert wie in Deutschland. Laut Statistik kommen auf 1000 Einwohner jährlich 240 Klinikaufenthalte - der OECD-Durchschnitt liegt bei 155 Besuchen. Nur in Österreich ist die Zahl mit 261 Aufenthalten noch etwas höher.

Der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, hatte daraufhin gefordert, das Vergütungssystem der Kliniken zu reformieren: "Die Bezahlung muss so verändert werden, dass es sich nicht mehr lohnt, die Zahl der Operationen unnötig zu erhöhen", sagte Graalmann in der "Frankfurter Rundschau".

Schluss mit fragwürdigen Boni

In der Kritik standen im vergangenen Jahr zudem Ärzte-Boni für Operationen in Krankenhäusern: Viele Kliniken zahlen laut einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum ihren Chefärzten üppige Extras für lukrative Behandlungen. Für die Patienten steigt damit auch das Risiko, unnötig operiert zu werden.

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