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Lobby-Streit um AOK-Zahnersatz: Im Zweifel gegen den Patienten

Krankenkasse  

Lobby-Streit um AOK-Zahnersatz: Im Zweifel gegen den Patienten

31.07.2014, 13:23 Uhr | Spiegel Online

Lobby-Streit um AOK-Zahnersatz: Im Zweifel gegen den Patienten. Eine Frau bei der Zahnbehandlung (Quelle: imago/CTK/CandyBox)

Zahnbehandlung in Bayern: Unheilvolle Macht der Dentallabore (Quelle: imago/CTK/CandyBox)

Es ist ein Lehrbeispiel für die unheilvolle Macht der Lobbys: Ein Dentallabor bietet AOK-Versicherten Premium-Zahnersatz zu sensationellen Konditionen. Doch dann macht eine Innung Druck – und die Kasse knickt ein.

Es war eines dieser Angebote, die man nicht ablehnen kann. Auf einer ganzen Seite informierte die AOK Schweinfurt im Februar 2012 in ihrer Mitgliederzeitschrift: Das Zahnlabor Toptech biete AOK-Mitgliedern exklusiv Brücken und Kronen aus Vollkeramik ab dem Preis der Regelversorgung an – keine günstige Importware, sondern Qualität "Made in Germany", gefertigt in der Region, mit verlängerter Garantie. Lediglich für Zahnersatz im nicht sichtbaren Bereich müsse der Versicherte jeweils 29 Euro drauflegen.

Ein Sensationspreis. Schließlich gilt Zahnersatz aus Vollkeramik als High-End-Lösung: Im Aussehen echten Zähnen täuschend ähnlich, robust und lange haltbar – aber im Vergleich zur Kassen-Stahlkrone mit Kunststoffverblendung eben auch teuer. Meist mehr als 500 und manchmal auch über 1000 Euro berechnen deutsche Zahnlabore.

Günstiger für Krankenversicherte

Toptech hatte mit der AOK vereinbart, für die erste Krone eines Patienten nur 149 beziehungsweise 179 Euro zu berechnen. Bei jeder weiteren Krone – oder jedem weiteren Brückenglied – wäre es sogar noch günstiger geworden. Gespart hätten allein die Versicherten, und das nicht zu knapp. Denn gesetzliche Krankenkassen zahlen bei entsprechendem Befund einen einheitlich festgelegten Betrag, den Festzuschuss.

Mehr als zwei Jahre später hat allerdings noch immer kein AOK-Versicherter das Angebot nutzen können. Stattdessen treffen sich Krankenkasse und Dentallabor wohl demnächst vor Gericht wieder. Für die AOK könnte das teuer werden: Toptech will die Kasse auf Schadensersatz in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags verklagen.

Ein attraktiver Deal

Dann dürfte es auch um die Frage gehen, warum die AOK sich nicht mehr an den Deal mit Toptech hielt. Unterlagen, die "Spiegel Online" vorliegen, legen die Vermutung nahe, dass der Krankenkasse irgendwann die bessere Versorgung ihrer Patienten nicht mehr so wichtig war – weil eine Lobby Druck machte, mit der die AOK es sich nicht verscherzen wollte.

Die Zahntechniker-Innung Nordbayern war es, die intervenierte. Ihr konnte der Preisbrechervertrag auch kaum gefallen, den Toptech im Dezember 2011 mit der AOK-Direktion Schweinfurt geschlossen hatte. Das Bad Kissinger Dentallabor garantierte darin die günstigen Festpreise für mindestens fünf Jahre, die Krankenkasse verpflichtete sich lediglich, Zahnärzte und Versicherte über das Angebot zu informieren, etwa durch Artikel in der Mitgliederzeitschrift. Zusätzliche Kosten hatte die AOK nicht zu fürchten, schließlich muss und darf sie nur den allgemein gültigen Festzuschuss zahlen.

Für die AOK ein attraktiver Deal: Kaum etwas fürchten gesetzlich Krankenversicherte mehr als die hohen Zuzahlungen beim Zahnersatz.

Doch wie konnte Toptech Vollkeramik-Zahnersatz derart günstig anbieten? "Die Masse macht's", sagt Toptech-Inhaberin Ingrid Uhl. "Es rechnet sich für uns nur, wenn wir viele Aufträge erhalten." Die hohen Stückzahlen ermöglichten Optimierungen in den Arbeitsabläufen und im Einkauf, argumentiert die 48-Jährige. "Und wir kalkulieren mit einer weitaus geringeren Marge als die meisten Konkurrenten." Und diese Konkurrenten blieben nicht lange untätig.

Verzögern, vertrösten

Dabei ließ sich die Kooperation durchaus gut an: Ende Januar 2012, rund einen Monat nach Vertragsunterzeichnung, informierte die AOK die Zahnärzte der Region erstmals über das Angebot. Uhl selbst hatte vorab erheblich investiert: Sie ließ einen interaktiven Internetauftritt und Smartphone-Apps entwickeln, kaufte Geräte und Lieferwagen, stellte zusätzliches Personal ein.

Doch nur Tage später intervenierte die Zahntechniker-Innung schriftlich bei der AOK-Direktion Schweinfurt und forderte sie auf, die Werbung für die Kooperation zu unterlassen. Kurz darauf trafen sich ihre Vertreter persönlich mit der Spitze der AOK-Direktion Schweinfurt. Etwa zu dieser Zeit wurde auch das bayerische Gesundheitsministerium eingeschaltet, damals die Aufsichtsbehörde der AOK im Freistaat.

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