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Kfz-Versicherung nicht nur wegen der Prämie wechseln

Kfz-Versicherung  

Auto-Police nicht nur wegen der Prämie wechseln

31.10.2014, 10:05 Uhr | dpa-tmn, t-online.de

Kfz-Versicherung nicht nur wegen der Prämie wechseln. Kfz-Versicherung: Der Deutschen liebstes Kind will gut versichert sein (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Deutschen liebstes Kind will gut versichert sein (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Alljährlich im Herbst werben die Autoversicherer verstärkt um neue Kunden. Zum Ende jedes Kalenderjahres kann die Police gekündigt und zu einem anderen Versicherer gewechselt werden. Da sich die Versicherungsbedingungen und Tarife von Jahr zu Jahr und von Gesellschaft zu Gesellschaft sehr stark ändern können, macht ein Check durchaus Sinn. Darauf weist der Bund der Versicherten hin. Der Wechsel zahlt sich oft aus - aber nicht immer.

Wer mit dem Gedanken spielt, die Kfz-Versicherung zu wechseln, muss sich bis zum 30. November entscheiden. Das ist der Stichtag, an dem die Kündigung dem alten Versicherer vorliegen muss.

"Wenn sich die Fahrzeug-Typklasse gleich um mehrere Stufen verschlechtert, kann das richtig teuer werden. Insbesondere dann, wenn man auch noch in einer ungünstigen Schadenfreiheitsklasse ist", stellt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen fest. "Ein paar hundert Euro zusätzlich können es dann schon werden."

Sei ein Fahranfänger zunächst an einen teuren Versicherer geraten, könne er durch einen Wechsel zu einem günstigen Anbieter sogar mehr als 1000 Euro sparen, so die Referatsleiterin Finanzdienstleistungen.

Kfz-Versicherung jedes Jahr überprüfen

Es sei ratsam, die eigene Kfz-Versicherung jedes Jahr zu überprüfen, bestätigt Bianka Bobell, Beraterin beim Bund der Versicherten (BdV). Wichtig sei, dabei nicht allein auf die günstigste Prämie zu achten, sondern auch auf die Leistungen. Fast jeder Versicherer habe einen leistungsstarken und einen abgespeckten Tarif. Wer vergleiche, müsse also zunächst schauen, um welche Variante es sich handelt.

Durch den Versicherungswechsel sind laut dem Verbraucherportal Verivox bei leistungsstarken Tarifen über 60 Prozent Sparpotenzial drin, bei Basistarifen sogar noch mehr. Das hätten Modellrechnungen mit aktuellen Angeboten gezeigt. Wechselwillige müssen ihre alte Kfz-Versicherung spätestens am 30. November kündigen.

Versicherungsberater Norbert Roemers (Quelle: privat)Versicherungsberater Norbert Roemers
Im Vorfeld des brisanten Wechseltermins veranstaltet die Wirtschaftsredaktion von t-online.de wieder einen Experten-Chat. Am Dienstag, 4. November 2014, beantwortet der behördlich zugelassene Versicherungsberater Norbert Roemers Ihre Fragen zu Kfz-Versicherungen. Nicht nur zum Wechseln, auch zu anderen Aspekten steht Ihnen der Experte Rede und Antwort. Sei es zu Lücken im Versicherungstarif (z.B. Unfälle mit Haarwild oder grobe Fahrlässigkeit), seien es Fragen zum Sinn einer Werkstattbindung, von Unfallversicherungen für Mitfahrer oder zu Telematik-Tarifen - Roemers gibt Auskunft.

Hier können Sie bereits im Vorfeld Ihre Fragen stellen. Die Antworten zu den Fragen gibt's dann am Dienstag.

Die Versicherer bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte an, die sich zum Teil im Leistungsumfang stark unterscheiden. So gibt es etwa Produkte, die lediglich eine (gesetzlich vorgeschriebene) Mindestdeckung vorsehen, was bei schweren Unfällen zu wenig sein kann, so dass der Unfallverursacher dann die Differenz der entstandenen Sach- und Vermögensschäden aus eigener Tasche bezahlen muss. Darauf weist die Finanzaufsicht BaFin hin.

Versicherungsnehmer sollten individuell den gewünschten Versicherungsbedarf ermitteln und an Hand der vom Versicherer zur Verfügung gestellten Unterlagen (Versicherungsbedingungen, Versicherungsschein, Werbematerialen usw.) genau den Leistungsumfang prüfen. Gegebenenfalls sollte man beim Versicherer bzw. mehreren Versicherern gezielt nach bestimmten Produkten fragen.

Rabattretter beachten

Ältere Verträge enthalten oft einen sogenannten Rabattretter. Damit hat man nach Erreichen der höchsten Schadensfreiheitsklasse einen Unfall "frei", er wirkt sich also nicht auf die Prämienhöhe aus. Diese Option gebe es bei neueren Verträgen kaum noch. Stattdessen bieten einige Versicherer nun gegen einen Zusatzbeitrag einen "Rabattschutz" an. Dieser gelte aber nur für den jeweiligen Versicherer. Wer also nach einem Unfall den Anbieter wechselt, wird in dem neuen Vertrag nachträglich hochgestuft, warnt BdV-Frau Bobell.

Nicht nur auf die Kosten achten

Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfiehlt, zu überlegen, ob es familiäre oder berufliche Veränderungen gab und die eigenen Bedürfnisse mit den Leistungen zu vergleichen, statt sich nur an der Prämie zu orientieren. Wenn sich beispielsweise durch einen Umzug der Arbeitsweg mit dem Pkw verkürzt, könne das zur einer verringerten Fahrleistung führen und sich auf die Versicherungskosten auswirken. Auch Pannenhilfe-Leistungen oder die Bindung an bestimmte Werkstätten seien unterschiedlich geregelt.

Wer die Tarife und Leistungen gegeneinander abwägen will, muss darauf achten, dass der Vergleich anbieterunabhängig ist, betont Verbraucherschützerin Heyer.

Sparen durch Satelliten-Überwachung

Das Thema Telematik-Tarife wird nach Meinung der Expertinnen auch im kommenden Jahr noch keine große Rolle spielen. Bei diesem in Deutschland bisher nur in Pilotprojekten erprobten Verfahren werden die Autos mit einer Box ausgestattet, die das individuelle Fahrverhalten analysiert. Diese Daten fließen in die Berechnung der Tarife ein. Vorsichtiges Fahren wird belohnt, kritische Manöver wie starkes Bremsen und Beschleunigen schlagen negativ zu Buche.

Es sei noch nicht abzusehen, ob sich solche Tarife etablieren können, sagt Bianka Bobell, "doch 2015 kommt der ganz große Durchbruch wohl nicht". GDV-Sprecherin Jarosch verweist auf die R+V Versicherung, die kürzlich nach Abschluss eines zwölfmonatigen Pilotprojekts erklärte, keine telematikbasierten Tarife in der Kfz-Versicherung anzubieten, weil die Technik "nicht ausgereift genug" sei und es eine zu geringe Kundenakzeptanz gebe.

Obwohl solche Tarife in anderen Ländern schon üblich seien, rät Beraterin Bobell zu einer skeptischen Herangehensweise, da man als Versicherter "gläsern" werde. Auch Verbraucherschützerin Heyer warnt, sich von einer etwas niedrigeren Prämie blenden zu lassen: "Denn man bezahlt hier auch mit jeder Menge persönlicher Daten, die eine Menge Kontrollmöglichkeiten bieten und Aufschluss über Hobbys, Gewohnheiten und Besonderheiten geben."

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