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TV-Kritik zu "hart aber fair": IGeL - der Arzt als Erpresser?

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Medizin-Talk bei "hart aber fair"  

IGeL: Der Arzt als Erpresser?

27.09.2016, 14:18 Uhr | Von Nico Damm, t-online.de

TV-Kritik zu "hart aber fair": IGeL - der Arzt als Erpresser?. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (links) mit Frank Plasberg bei "hart aber fair". (Quelle: WDR/Ziebe)

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (links) mit Frank Plasberg bei "hart aber fair". (Quelle: WDR/Ziebe)

Medizin-Talk bei "hart aber fair": In einer komplizierten Runde machte Frank Plasberg aus seiner Meinung keinen Hehl: Die allermeisten Selbstzahler-Leistungen seien Unsinn.

Die Gäste: 

- Prof. Dr. Karl Lauterbach (Arzt, SPD-Bundestagsabgeordneter und TV-bekannter Gesundheitsexperte; dazu noch stellvertretender Fraktionsvorsitzender),

- Dr. Eckart von Hirschhausen (Mediziner, Kabarettist, Autor und Moderator; gründete die Stiftung "Humor hilft heilen"),

- Rudolf Henke (Internist; Vorsitzender des Marburger Bundes; CDU-Bundestagsabgeordneter),

- Anette Dowideit (Wirtschaftsjournalistin; freie Autorin für die „Welt“, Spezialgebiete Gesundheits- und Pflegebranche),

- Dr. Andreas Gassen (Orthopäde; Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung),

- im Einzelgespräch: Christiane Grote (Pflege- und Gesundheitsexpertin Verbraucherzentrale NRW).

Worum es ging:

"Diagnose Gier: Werden wir beim Arzt abgezockt?", so der provokative Titel der Sendung. Kern der Diskussion: die individuellen Gesundheitsleistungen, lustig abgekürzt "IGeL", die Kassenpatienten selbst zahlen müssen.

Verbraucherschützer und Patienten berichten von Ärzten, die teils enormen Druck ausüben, um Vorsorgeleistungen verkaufen zu können. Plasberg versuchte, in einer immer wieder ins Fachliche abdriftender Runde praxistaugliche Tipps für Patienten herauszuarbeiten: Welche Untersuchungen braucht man wirklich? Und wie erkenne ich einen guten Arzt?

Der Frontverlauf:

Zwei Lager wurden schnell klar: hier Lauterbach und Dowideit als laute Kritiker an einer Ärzteschaft, die immer unternehmerischer denkt und handelt, dort Henke und Gassen als deren Verteidiger.

Hirschhausen war im Ton moderater, inhaltlich aber ebenfalls sehr kritisch gegenüber den Selbstzahler-Leistungen. Dass der so genannte PSA-Test zur Prostata-Krebs-Früherkennung in 20 von 1000 Fällen zu einer riskanten Operation führe, obwohl die Sinnhaftigkeit des Tests wissenschaftlich nicht belegt sei, nannte Hirschhausen "unärztlich".

Lauterbach war derselben Meinung. Zudem: "Nur jeder Zehnte, der Prostata-Krebs hat, stirbt jemals." 90 Prozent der IGeL-Leistungen seien "unsinnig oder grenzwertig unsinnig".

Gassen hielt dagegen: "Der Fortschritt in der Medizin ist gigantisch." Krankenkassen bräuchten eben eine Weile, bis sie die Wirkungen neuer Vorsorge-Untersuchungen gründlich geprüft hätten. Bis dahin bilde sich ein Markt.

Auch Henke wollte die Zusatzleistungen nicht "in Bausch und Bogen" verurteilt wissen. Wenn allerdings, wie teils in der Sendung detailliert beschrieben, großer Druck auf die Patienten ausgeübt werde, habe das "Elemente einer Drückerkolonne".

Der Patient:

Matthias Zeininger berichtete aus Patienten-Sicht: Seine Berliner Augenärztin hatte ihn nach eigener Aussage genötigt, eine Glaukom-Vorsorge zu machen. Diese verweigerte er im Hinblick auf die schlecht belegte Wirksamkeit. Seine Augenärztin akzeptierte sein "Nein" nur im Beisein einer Sprechstundenhilfe, die - angeblich zur rechtlichen Absicherung - das Ganze bezeugen sollte. Ein skandalöser Vorgang für die meisten in der Runde. Einzig Arzt-Lobbyist Henke brachte Verständnis für die "defensive Strategie" auf: "Ich kenne auch Ärzte, die sagen: Ich habe kein Jura studiert."

Der Fakt des Abends:

Zahlen gab es viele, Fakten leider wenige. Vieles verwies Plasberg in den Fakten-Check, der diesmal spannend sein dürfte. Unter anderem zur Debatte stand folgende Behauptung Lauterbachs: In einer kürzlichen Studie mit 2000 Ärzten sei festgestellt worden, dass kein einziger von ihnen auch nur zeitweise seine Zulassung aufgrund von falscher Beratung im Zusammenhang mit IGeL-Leistungen habe aussetzen müssen. Auch der Nutzen des Prostatakrebs-Tests "PSA" war in der Runde heftig umstritten:

Während für Lauterbach die Chance einer Fehldiagnose nach fünf bis sechs Tests bei "fast 100 Prozent" liegt, ist für Gassen der Test sinnvoll, wenn man mit unter 50 damit beginnt und dann kontinuierlich weiter prüfen lässt.

Die Redaktions-Recherchen:

Plasbergs Redaktion war im Vorfeld der Sendung besonders fleißig. Sie stöberte sogar in geschlossenen Internet-Foren für Ärzte, in denen sich die Kollegen gegenseitig Tipps geben, wie man mit den weniger lukrativen Kassenpatienten umgeht. Kostprobe: "Lassen sie das Telefon klingeln, bis es heiß läuft."

Auch bei Anbietern von Marketing-Seminaren für Ärzte und Sprechstundenhilfen wurden die Journalisten fündig. Da werden zum Beispiel Argumente für die "lästige Preisdiskussion" mit den Patienten geliefert. Auch mit einem Arzt, der ein solches Seminar besucht hat, hatte die Redaktion gesprochen. Und, zum Abregen, per Skype mit deutschen Patienten in England (keine Kinderärzte) und Norwegen (keine freie Arztwahl), wo man nach eigener Aussage viel schlechter dran ist.

Die Moderatoren-Meinung:

Plasberg hatte aus seinen Recherchen viele Zahlen mitgebracht. Darauf aufbauend, machte er keinen Hehl aus seiner Meinung: "Es gibt drei bis fünf IGeL-Leistungen, die tendenziell nützen." Ärzte seien heutzutage Unternehmer.

Der Tipp für den Arztbesuch:

Verbraucherschützerin Christiane Grote riet dazu, in der Praxis die Augen offen zu halten: "Wenn gleich am Empfang eine Liste ausliegt wie eine Getränkekarte, dann sollte ich misstrauisch werden." Zeininger habe alles richtig gemacht. Am besten solle man sich vor dem Arztbesuch gründlich informieren, sich vom Arzt auch die Risiken erklären lassen, und gegebenenfalls auch den Mut haben, dem Arzt als Autorität zu widersprechen.


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