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Fritz von Weizsäcker erstochen – Zeugen: "Kann ihn doch nicht einfach töten"

Bestürzung am Tatort  

Angriff auf Weizsäcker: "Er kann ihn doch nicht einfach töten"

Tod von Weizsäcker-Sohn: t-online.de vor Ort an der Klinik

Der Sohn von Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist in einer Berliner Klinik erstochen worden. Was zum Fall bekannt ist, weiß t-online.de-Reporter Patrick Diekmann vor Ort. (Quelle: t-online.de)

Das ist der mutmaßliche Täter: t-online.de-Reporter Patrick Diekmann berichtet von dem Ort, an dem Fritz von Weizsäcker angegriffen wurde. (Quelle: t-online.de)


Fritz von Weizsäcker ist bei einem Vortrag in seiner Klinik mit einem Messer angegriffen worden. Der Sohn des früheren Bundespräsidenten kam dabei ums Leben. Am Tag danach steht der Tatort im Zeichen der Tat. 

Kein Zutritt. Das Gelände der Berliner Schlosspark-Klinik ist komplett abgeriegelt, zumindest für Journalisten. Ein Sicherheitsmann steht in einer dicken Jacke vor der Einfahrt in der Kälte. "Nein, Sie dürfen nicht auf das Gelände. Es wird heute keine Pressemitteilung der Klinik geben", sagt er ungeduldig zu einem Pressevertreter. "Ich lasse Sie nicht rein, wenn Sie Journalist sind."

Der Schock über das, was sich hier am Dienstagabend abgespielt hat, ist noch immer greifbar. Vor dem kleinen Wachhäuschen des Sicherheitsmannes steht eine junge Frau. Sie weint, lehnt ihren Kopf auf die Schulter eines Mannes. "Das geht doch nicht. Er kann ihn doch nicht einfach töten", schluchzt sie. Am Abend zuvor wird der Chefarzt Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, während eines Vortrags mit einem Messer attackiert. Er stirbt noch vor Ort. 

Es müssen schreckliche Szenen gewesen sein: Etwa 20 Zuhörer waren gegen 18 Uhr zum Vortrag "Fettleber – (K)ein Grund zur Sorge?" im Tagungsraum Haus H der Abteilung für Psychiatrie in dem Krankenhaus gekommen. Der Dozent ist Fritz von Weizsäcker. Er ist Chefarzt an der Schlosspark-Klinik. Es geht um sein Fachgebiet, "die Fettleber, eine weitgehend unbekannte, aber zunehmende Volkskrankheit". 

Blick auf die Berliner Schlosspark-Klinik. Der Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker hält einen Vortrag in einer Klinik, als ein Mann mit einem Messer auf ihn losgeht.  (Quelle: dpa)Blick auf die Berliner Schlosspark-Klinik. Der Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker hält einen Vortrag in einer Klinik, als ein Mann mit einem Messer auf ihn losgeht. (Quelle: dpa)

Während des Vortrages löst sich laut Polizeiangaben plötzlich ein Mann aus den Reihen der Zuschauer. Er stürmt auf von Weizsäcker zu, zückt ein Messer und sticht offenbar vor den Augen des Publikums auf den 59-Jährigen ein. 

Polizist schwer verletzt

Unter den Zuschauern ist auch ein Polizist (33) des Berliner Landeskriminalamts. Er versucht, den Mann aufzuhalten, überwältigt ihn und wird dabei schwer verletzt. Der Beamte wird später in ein anderes Krankenhaus gebracht und operiert. Er befindet sich nicht mehr in Lebensgefahr.

Feuerwehrleute, Polizisten und medizinisches Personal stehen nach einer Auseinandersetzung, in deren Folge ein Mensch durch Messerstiche getötet wurde, vor der privaten Schlosspark-Klinik.  (Quelle: dpa)Feuerwehrleute, Polizisten und medizinisches Personal stehen nach einer Auseinandersetzung, in deren Folge ein Mensch durch Messerstiche getötet wurde, vor der privaten Schlosspark-Klinik. (Quelle: dpa)

Gegen 19 Uhr geht bei Feuerwehr und Polizei ein Notruf ein, Rettungssanitäter und ein Notarzt eilen zu Hilfe. Sie können dem schwer verletzten Spitzenmediziner nicht mehr helfen. Ein Wiederbelebungsversuch bleibt erfolglos. Fritz von Weizsäcker ist tot.

Psychische Erkrankung?

Der Tatverdächtige ist festgenommen. Es ist ein 57 Jahre alter Deutscher, vorher noch nicht polizeibekannt und kein Patient der Klinik. Nach Angaben der Polizei lebt er in Rheinland-Pfalz. Seine Wohnung sei durchsucht, aber nichts Auffälliges gefunden worden. Die "Bild" berichtet, der Mann sei "psychisch auffällig". Es sei unklar, ob eigene Angaben zu seinem Motiv zutreffend seien. Die Polizei wollte sich zu Details zunächst nicht äußern. 

Am Tag nach dem Angriff geht es für die Klinik erst einmal darum, dass der Betrieb des Krankenhauses weitergehen kann und dass vor allem die kranken Menschen vor Stress geschützt werden. Den Rest mache die Polizei, meint der Sicherheitsmann. Immer wieder fahren Krankenwagen an den wartenden Kamerateams der Journalisten vorbei. Während Fotografen durch einen Zaun die Klinik fotografieren, kommt auch ein Streifenwagen der Polizei. Zum Schutz des Geländes, denn die kleine Privatklinik am Schloss Charlottenburg ist so viel Andrang nicht gewöhnt. 

Tödlicher Angriff auf Fritz von Weizsäcker: Wie die Tat ablief und was die Polizei bekannt gegeben hat. (Quelle: Reuters)

Das Opfer ist ein renommierter Mediziner, aus einer der bekanntesten deutschen Familien. Auch deshalb ist das öffentliche Interesse groß, der Vorfall löst große Bestürzung aus. 

Angriff vor Zeugen

Die ersten Reaktionen kommen aus seiner Familie. Der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker würdigt seinen Cousin Fritz am Morgen danach mit warmen Worten. "Ich fand ihn ganz wunderbar", sagt von Weizsäcker. "Ich habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt." Er habe keine Ahnung, was hinter dem Verbrechen stecken könnte. Fritz von Weizsäckers Schwester Beatrice postet bei Instagram ein Kreuz. In der Krankenhaus-Kantine erzählt eine Angestellte am Tag danach, dass der Chefarzt ein sehr netter Mensch war.

Vonseiten der Klinik gibt es bislang keine Reaktion. Durch die große Anzahl der Presseanfragen fällt es schwer, all diese zu beantworten. 

Klar ist: Es ist ein Verbrechen vor Publikum, der Schock ist besonders groß. Die Notfallseelsorge Berlin schaltet sich ein. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bekundet ihr Beileid, sie sei bestürzt über die Nachricht vom tödlichen Angriff. Sie verurteile Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte "aufs Äußerste". Dass Menschen, die anderen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders. "Mein Dank und Respekt gilt den Teilnehmenden der Veranstaltung, die Zivilcourage gezeigt haben."
 

 
Die Ermittlungen der Polizei laufen. Wurde von Weizsäcker in der Rolle als Arzt angegriffen, gab es ein privates Motiv oder war der Täter psychisch krank? Auch die Familie von Weizsäckers soll befragt werden, ob es möglicherweise Hinweise auf eine Bedrohung des Internisten gab.

Das soll nun durch die Ermittlungen der Polizei geklärt werden. Teile der Klinik werden dafür abgesperrt. Die Frage nach dem Motiv lässt bei vielen Menschen am Tag nach dieser schrecklichen Tat die Ratlosigkeit noch größer werden. Doch es bleibt kaum Zeit in Berlin-Charlottenburg, um diesen Schock zu verdauen. Die Arbeit muss weitergehen, vor allem in einem Krankenhaus. Leben und Tod liegen hier nah beieinander. Auch einen Tag nach dieser Tragödie.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche vor Ort
  • Mit Material der dpa

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