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Sind Sünden beim Essen Bedürfnis oder Gewohnheit?

28.05.2008, 10:42 Uhr | Alexandra Straush

Das Nutella-Brötchen zum Frühstück, das Croissant in der Kaffeepause, die Chips vor dem Fernseher – es sind die verbotenen Genüsse, die das Leben schöner machen. Wie düster wäre der Alltag, müsste man auf sie verzichten. Wer dieses Gefühl kennt, steht nicht alleine da. Eine Umfrage der Amerikanischen Gesellschaft für Diabetes ergab: 40 Prozent der Befragten haben Angst davor, sich gesünder zu ernähren. Sie befürchten, dann auf vertraute Leckerein verzichten zu müssen. Für Paul Rozin, Psychologe an der Universität von Pennsylvania, ist das keine Überraschung: "Essen ist von zentraler Bedeutung für unser Wohlbefinden, für viele Menschen wahrscheinlich ein noch wichtigeres Vergnügen als Sex." Nahrung aktiviert im Gehirn Belohnungszentren, sie macht zufrieden. Trotzdem ist es falsch, sich an der Pommesbude oder vor dem Süßwarenregal auf tiefe innere Bedürfnisse zu berufen. Denn die meisten Nahrungssünden beruhen schlicht auf Gewohnheit.

Lust auf Süßes ist angeboren

Tatsächlich gibt es Geschmacksvorlieben, die uns angeboren sind. Experimente haben gezeigt, dass schon Neugeborene Süßes lieben und Bitteres ablehnen. Aus Sicht der Evolutionsbiologen macht das Sinn: Die Vorliebe für Süßes hilft bei der Suche nach reifen Früchten. Die Abneigung gegen Bitteres schützt vor giftigen Pflanzen. Mit zunehmendem Alter geht diese Festlegung aber verloren: Erwachsene schätzen zum Beispiel das bittere Aroma der Kaffeebohne, das die Samen ursprünglich vor Fressfeinden schützen sollte.

Vorlieben werden in die Wiege gelegt

Der tägliche Speiseplan beruht weniger auf genetischer Programmierung als auf Gewöhnung. Schon mit der Muttermilch werden Kinder auf bestimmte Lebensmittel eingestimmt. Babys, deren stillende Mütter in einem Versuch regelmäßig Karottensaft tranken, mochten später Möhren lieber als ihre Altersgenossen. Kinder essen – auch nach anfänglichen Protesten - was die Eltern ihnen vorsetzen. Deshalb ist Hundefleisch auf dem Teller in China üblich, bei uns aber unmöglich.

Geschlechter beugen sich den Erwartungen

Auch soziale Faktoren bestimmen, was auf den Tisch kommt. Wenn ein Mann ein Holzfällersteak und eine Frau einen Salat mit Putenbrust bestellt, essen sie zum Teil, was von ihnen erwartet wird. Mäßigung beim Essen, milde, leichte oder süße Gerichte gelten als traditionell weiblich, hat Ernährungssoziologin Monika Setzwein festgestellt. Deftiges, Würziges und Alkoholisches fällt in die männliche Domäne. Frauen backen, Männer grillen – die Rollenaufteilung ist klar.

Frühstückflocken für die Abenteuerlust

Monika Setzwein beobachtet außerdem, dass Nahrungsmittel mehr und mehr mit Emotionen aufgeladen werden: "Die Erlebnisgesellschaft macht's möglich: Schokoriegel für die Leidenschaft, Frühstücksflocken für die Abenteuerlust und Instant-Suppen als Erholungstherapie." Besonders die Werbung fördert diese Kopplung. Inhaltsstoffe und Geschmack werden zur Nebensache, wenn es um das Lebensgefühl geht.

Gewohnheiten kann man brechen

Auf diese Weise werden Speisen mit Bedeutung aufgeladen, die sie an sich gar nicht haben. Und viele kleine Nahrungssünden, die als echte Bedürfnisse getarnt daher kommen, sind in Wahrheit lieb gewordene Gewohnheiten. Wie schnell man sich von manchen wieder lösen kann, zeigt ein Versuch in einer Betriebskantine: Von einem Tag auf den anderen hatten dort alle Salzstreuer kleinere Löcher und standen an Plätzen, wo sie weniger leicht zu erreichen waren. Die Folge: Der Salzkonsum der Belegschaft ging merklich zurück, niemand beschwerte sich.

Schlechtes Gewissen schadet

Die Beispiele zeigen: Fixierung auf vertraute Genüsse ist nicht naturgegeben und häufig unnötig. Genauso falsch ist aber auch zwanghafte Kontrolle. Psychologe Rozin fand durch eine Umfrage heraus, dass es 13 Prozent aller College-Studentinnen peinlich ist, beim Erwerb eines Schokoladenriegels ertappt zu werden - mehr als beim Kauf eines Kondoms. Das dauerhafte schlechte Gewissen beim Schlemmen hält Rozin für gefährlich. Da ist es besser, dem Belohnungszentrum im Gehirn ab und zu den Kick zu gönnen.

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